Pointner Gateregel nicht nachvollziehbar
 

Pointner: "Gateregel nicht nachvollziehbar!"

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  • 19.03.2012 | 20:53 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Im 19. und letzten Teil zieht er Saisonbilanz und kritisiert die Anwendung der Gateregel.

    Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler konnten Anders Bardal im Kampf um den Weltcupsieg nicht mehr abfangen. Alexander Pointner zieht dennoch eine positive ÖSV-Bilanz. Im letzten Teil seiner sport10.at-Chefadlerlyse nimmt er auch die Jury in die Pflicht. Sie nützt seiner Meinung nach viel zu oft die neue Gateregel, um den Anlauf zu verändern.

    sport10.at: Alex, trotz der Erfolge hatte man den Eindruck diese Saison war eine der schwersten für dein Team.

    Alexander Pointner: Das Wetter war so wechselhaft wie noch nie. Diese zusätzliche Belastung hat es nicht leichter gemacht. Letzte Saison haben wir alles gewonnen. Erfolge sind deshalb aber nicht selbstverständlich. Trotzdem haben wir heuer mehr als die Hälfte der Bewerbe gewonnen. Unser Dreifacherfolg bei der Tournee war etwas Besonderes, weil solche Siege vor heimischer Kulisse noch mehr wert sind. Dazu haben wir bei der Skiflug-WM Mannschaftsgold und Einzel-Bronze durch Martin Koch trotz Sturz geholt. Wir sind zum achten Mal in Folge Nationcupsieger geworden. Das hat es in der Geschichte noch nicht gegeben!

    Unser Dreifacherfolg bei der Tournee war etwas Besonderes, weil solche Siege vor heimischer Kulisse noch mehr wert sind.

    Ist Anders Bardal ein verdienter Weltcupsieger?

    Ja. Gratulation! Seine Konstanz war sein großes Plus. Unsere Motoren sind zwar manchmal hochtouriger gelaufen, das haben wir aber nicht immer durchgehalten. Wir sind Zweiter und Dritter im Weltcup, brauchen nicht anfangen zu jammern. Und es tut dem Zirkus gut, wenn auch andere gewinnen.

    Ist die Konkurrenz stärker geworden?

    Das würde ich nicht so sehen. Die Konkurrenz war schon immer stark, wenn ich da an einen Ammann, Malysz oder Ahonen denke.

    Warum waren wir nicht so dominant wie in manch anderer Saison?

    Wir haben es nicht geschafft, den Anlauf so zu drosseln, dass wir den Ton angeben konnten. Das hätte die Erfolgserlebnisse für die anderen minimiert. So sind viele weit geflogen und das macht die Konkurrenz stärker.

    Planica-Sieger Martin Koch ist trotz großer Rückenprobleme eine riesen Saison gesprungen.

    Wer hinter die Kulissen schaut, kann erst richtig einschätzen, was er geleistet hat. Es gab Springen, bei denen er sich vor Schmerzen nicht einmal die Startnummer anziehen konnte. Das rückt seine Leistungen in ein anderes Licht. Ähnlich sind Andi Koflers Seriensiege zu Saisonstart einzuschätzen, dem verletzungbedingt Trainingssprünge fehlten.

    Es gab Springen, bei denen er sich vor Schmerzen nicht einmal die Startnummer anziehen konnte.

    Hochs und Tiefs gab es für Schlierenzauer und Morgenstern.

    Morgenstern hatte heuer viel zu kämpfen, aber auch das ist wichtig, um zu sehen das Erfolge nie selbstverständlich sind. Schlierenzauer hat die Tournee gewonnen und das mit der großen Belastung durch den möglichen Grand-Slam, nachdem er die ersten beiden Springen gewonnen hatte. Unsere Mannschaft hat sich weiterentwickelt und zur Teamstärke gefunden, nachdem uns die Norweger in Willingen überflügelten.

    Viele Springen waren heuer durch die vielen Gateveränderungen und Unterbrechungen für die Fans unansehnlich. Sind Regelreformen nötig?

    Der ÖSV stand der Gateregel von Anfang an kritisch gegenüber, auch wenn sie bei wechselnden Bedingungen den Besten helfen kann. Wir haben dagegen gestimmt, weil die Transparenz für den Zuschauer darunter leidet. Würde man die Gateregel nur im Notfall einsetzen, wäre sie ja ok.

    Das ist aber nicht der Fall. Sie wird ständig eingesetzt.

    Leider. Man hat den Eindruck, der Jury ist wichtig, dass viele weit springen. Beim Weltcupfinale in Planica haben sie es im Teambewerb nicht geschafft einen Block von zwölf Athleten mit dem selben Anlauf abzulassen. Diese Tendenz gefällt mir nicht. Die Skisprung-Fans sind toll, wir sind ihnen viel schuldig. Solche Wettkämpfe sind für sie nicht nachvollziehbar.

    Wenn viele weit Springen, kann unser Team den Anlauf nicht unten halten. Das hat uns immer geholfen den Ton anzugeben.

    Entsteht auch ein sportlicher Nachteil?

    Ja. Wenn viele weit Springen, kann unser Team den Anlauf nicht unten halten. Das hat uns immer geholfen den Ton anzugeben, denn wenn nur die Besten weit fliegen, haben die anderen daran zu kiefeln. Sie tun sich schwerer, weil sich durch den geringen Anlauf ihre Erfolgserlebnisse minimieren. Ich möchte aber dazusagen, dass die Jury generell keine schlechte Leistung abliefert. Das Wetter war einfach noch nie so wechselhaft, wie in dieser Saison.

    Trotzdem: Ist eine Regelreform nötig? Man hat den Eindruck, Skispringen wird immer windabhängiger.

    Eine Materialbeschneidung könnte helfen. Ich habe in den letzten zwei Jahren eher vermieden darüber zu sprechen, weil nach den Spielen in Vancouver so viel passiert ist. Fakt ist: Die gebogene Stange bei der Bindung hat das Flugsystem sehr verbessert. Zum Vergleich: Als ich noch aktiv war wurden die Anzüge immer ausgereifter. Dem hat das Reglement auch entgegengewirkt. Das ist notwendig, weil sich das technische Können der Springer immer weiterentwickelt. Wichtig ist, dass es keinen Schnellschuss gibt. Man soll die Saison nüchtern und emotionslos beurteilen und die richtigen Schlüsse ziehen.

    Zum Abschluss wollen wir uns von sport10.at ganz herzlich für 19 tolle "Chefadlerlysen" bedanken.

    Bitte! Und ich möchte mich bei unserer ganzen Mannschaft und dem Betreuerteam bedanken. Das ganze Jahr ein funktionstüchtiges System auf die Beine zu stellen, ist nicht selbstverständlich. Bei der Skiflug-WM war ich aus privaten Gründen nicht dabei. Trotzdem hat alles toll funktioniert. Das weiß ich sehr zu schätzen.

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