Bardal zittert sich
 

Gesamt-Weltcup an "Superman" Bardal

  • Bild:
  • 18.03.2012 | 11:31 | (sport10)

    Anders Bardal holt sich seinen ersten Gesamt-Weltcupsieg. Sein Erfolg baut gleich auf mehreren Stützen auf. Vom Trainer, über sein Schuhband bis hin zum Superman-Shirt.

    Es war nicht unbedingt eine souveräne Vorstellung mit der sich Anders Bardal am Sonntag in Planica endgültig den Sieg im Gesamt-Weltcup gesichert hat. Der Norweger kam beim zweiten Einzelfliegen nicht über den 23. Platz hinaus, der Sieg in der Gesamtwertung war ihm dennoch nicht mehr zu nehmen. Zwar klassierte sich Konkurrent Gregor Schlierenzauer auf dem guten vierten Rang, am Ende fehlten dem Österreicher aber einige Zähler auf den großen Triumph.

    Koch krönt hervorragende Saison

    Den durfte neben Bardal dafür ein anderer rot-weiß-roter Athlet bejubeln. Martin Koch flog mit einer Glanzleistung souverän zum Sieg und krönte damit eine aus seiner Sicht sehr erfolgreiche Saison 2011/12. Der Bewerb musste am Sonntag aufgrund widriger Windbedingungen schon nach dem ersten Durchgang abgebrochen werden. Koch setzte sich dabei vor dem Schweizer Simon Ammann und dem Slowenen Robert Kranjec durch, der Dritter wurde.

    Dass Bardal erst den dritten Weltcup-Gesamtsieg für Norwegen nach Vegaard Opaas (1987) und Espen Bredesen (1994) und somit 18 Jahren Pause einfahren konnte, ist auf mehrere Stützen im System-Bardal zurückzuführen. sport10.at zeigt die wichtigsten Bausteine.

    Sein Trainer-Knowhow

    Mit Alex Stöckl bekam Bardal vor dieser Saison einen neuen Cheftrainer. Der ÖSV erprobte Coach stellte das Programm der Norweger radikal um, ging weg von den Fliegengewichten, auf die Vorgänger Mika Kojonkoski setzte. Mit viel Krafttraining wurden die bis zu zehn Zentimeter weggemacht, die Bardal und Co. beim Absprung auf einen Thomas Morgenstern fehlten. "Es ist wichtig, die richtige Balance zu finden", sagt Stöckl der SportWoche.


    Bardal mit seinem österreichischen Trainer Alex Stöckl.

    Bei Bardal, der zu den besten Athleten im Springerzirkus zählt, ist dieser Balanceakt geglückt. Dass sich diese Umstellung so rasch auszahlte, überraschte auch den Trainer des nunmehrigen Gesamtweltcupsiegers.

    Technik: Der Hirscher bei den Springern

    Wie etwa Marcel Hirscher bei den alpinen im letzten Super-G unter Beweis stellte, dass er auch bei den Speed-Bewerben auf Zack ist, so ist auch Bardal ein absoluter Allrounder. Egal ob Normal-, Groß- oder Flugschanze, der 29-Jährige ist überall für den Sieg gut.

    "Er ist körperlich auf einem sehr hohen Niveau, er bringt die nötige Dynamik mit", meinte auch ORF-Experte Andreas Goldberger gegenüber sport10.at. Auch hier ist Kraft das Schlagwort. "Wir haben im Herbst seine Technik umgestellt, probiert mehr Kraft auf den Tisch zu bringen. Er war extrem fleißig", meint Stöckl.

    Wir haben ihm Werkzeuge in die Hand gegeben, um bei sich zu bleiben. Das fängt damit an, wie er die Sprungschuhe bindet und die Stiegen zur Schanze hinaufgeht

    Seine konstante Saison

    Fleißig war Bardal auch beim Sammeln von Punkten. Das Zauberwort des Norwegers: Konstanz. Bestes Beispiel dafür ist der Vergleich der Vorsaison mit der heurigen. Flog der Vater einer Tochter in der Saison 10/11 noch im Dezember in Lillehammer auf den guten siebten Platz, fand er sich in der gleichen Saison erst im März in Lahti mit Platz vier auf einer ähnlich guten Platzierung wieder. Dazwischen lagen (ausgenommen Team) enttäuschende Ergebnisse, mit denen der "neue" Bardal nichts mehr zu tun hat.

    Sein schlechtestes Ergebnis im heurigen Winter ist ein 40. Platz in Zakopane bei einem Springen, das bedingt durch den Wind mit Fairness nicht mehr viel am Hut hatte. Seit Februar gab er das gelbe Trikot nicht mehr aus der Hand. Mit Schlierenzauer hat sein härtester Konkurrent mit fünf Saisonsiegen sogar mehr Springen gewonnen, als der Norweger, der "nur" drei Siege einfuhr. Gereicht hat es trotzdem.


    Das harte Training von Bardal zahlt sich diese Saison aus.

    "Früher hat er es nicht geschafft, zwei Durchgänge auf dem gleichen Niveau herunterzubringen. Ich habe mit ihm viele Gespräche über seinen Zugang zum Wettkampf geführt. Er hat sich zu leicht ablenken lassen. Wir haben ihm Werkzeuge in die Hand gegeben, um bei sich zu bleiben. Das fängt damit an, wie er die Sprungschuhe bindet und die Stiegen zur Schanze hinaufgeht", sagt Trainer Stöckl über seinen in Byåsen bei Trondheim beheimateten Springer.

    "Es sind keine außergewöhnlichen Sachen, die er macht, aber er springt auf seinen Platz. Das ist für die heurige Saison sicher zielführend", weiß auch ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner in der Chefadlerlyse auf sport10.at zu berichten.

    Seine Art: Der norwegische Loitzl

    Der Wirtschaftsstudent debütierte 2001 im Weltcup, musste sich fast zehn Jahre lang mit dem Underdog-Image abfinden. Heuer trat er aus dem Schatten heraus, verlor jedoch nicht seine Demut. Er fungiert als Kameramann, wenn Journalisten bei Interviews mit Springerkollegen die Hände ausgehen, er trägt seinen Kollegen die Schuhe wenn Not am Mann ist.

    "Er ist ein ruhiger, familiärer Typ. Ähnlich wie Wolfi Loitzl. Ein netter angenehmer Mensch, der nicht so schnell nervös wird." Dass er oft unter seinem Sprunganzug ein Superman T-Shirt trägt, passt da eigentlich nicht ins Bild, oder doch?

    Mehr auf sportnet.at
      Mehr aus dem Web

      Schreiben Sie uns Ihre Meinung ()


      • Sportwoche ePaper


      Gesamte Ergebnisse >>