Pointner Gregor kann sich
 

"Gregor kann sich nichts vorwerfen"

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  • 12.03.2012 | 00:01 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 18: Warum Schlierenzauer alles richtig macht und der Koch-Erfolg prägend ist.

    Mit Martin Koch gehen die ÖSV-Adler mit gestärkter Brust und einem Holmenkollen-Sieger in das Weltcupfinale in Planica. Wie die Karten im Weltcupfight zwischen Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal liegen, was der Norweger diese Saison gut gemacht hat und warum der Koch-Triumph vieles überstrahlt, erklärt Alexander Pointner in der Chefadlerlyse auf sport10.at

    sport10.at: Das Skispringen am Holmenkollen hat im ersten Durchgang doch für einige Enttäuschungen gesorgt. Dann geht Martin Koch als strahlender Sieger hervor. Ein Kunststück bei diesen Bedingungen?

    Es war sicher ein Wechselbad der Gefühle. Im Probedurchgang hat alles noch gut ausgesehen. Die Mannschaft hat sich dort gut präsentiert, wir hatten vier Leute unter den Top fünf. Wir wussten, dass wir gut aufgestellt sind.

    Und dann kam - wie so oft in dieser Saison - der Wind ...

    Richtig. Dann nimmt pünktlich zu Wettkampfbeginn der Wind so zu, dass die gut geschützte und so moderne Sprunganlage am Holmenkollen vom Wind sehr stark beeinträchtigt war. Da gab es viele prominente Opfer, etwa einen Thomas Morgenstern, der den Sprung in den zweiten Durchgang nicht schaffte, aber auch einen Andreas Kofler und Gregor Schlierenzauer, die sich mit einer sehr guten Leistungen nicht vorne auf den Ergebnislisten präsentieren konnten.


    Holmenkollen-Sieger Koch mit Trainer Pointner und Co. Diess.

    Doch es überwiegt die Freude, dass ein Martin Koch, der schon so viele Jahre um seinen ersten Skisprungsieg kämpft, diesen Triumph ausgerechnet am Holmenkollen feiert. Das ist etwas ganz besonders, was sehr vieles überstrahlt.

    Wo ordnet man so einen Sieg am Holmenkollen ein? Es handelt sich dabei nicht um eine alltägliche Weltcupstation.

    Ich habe es heute mitverfolgt. Etwa ein Thomas Morgenstern, der im letzten Jahr hier drei Mal zu Gold gesprungen ist und es am Sonntag mit sehr viel Fassung getragen hat. Am Holmenkollen steht sehr viel Kultur dahinter. Hier hat man sich schon vor 30 oder 40 Jahren geärgert oder eben über großartige Erfolge gefreut.

    Viele haben sich am Sonntag wohl geärgert.

    Natürlich mussten auch wir einige unserer Topspringer am Sonntag vorführen, doch ein Martin Koch behielt die Ruhe, die Nerven und die Geduld über viele Jahre hinweg. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da ist Martin Koch als Führender nach dem ersten Durchgang oben gestanden, da ging Gregor Schlierenzauer zum ersten Mal bei einem internationalen Bewerb über die Schanze. Am Sonntag wurde Martin für diese Ruhe belohnt. Das ist sehr prägend.

    Stichwort Schlierenzauer. Er konnte auf einer seiner Lieblingsschanzen keinen entscheidenden Schritt vorwärts in Sachen Gesamtweltcup machen. Der Rückstand beträgt 123 Punkte. Wie geht man vor dem Finale damit um?

    Er konnte die Rechnerei sehr gut ausblenden. Er hat die Nerven behalten, hat auf sein altes Package mit der Bandbindung gesetzt. Das machen nicht mehr viele Athleten, die kann man auf einer Hand abzählen. Dabei geht es nicht darum, was besser oder schlechter ist, sondern es geht darum, was zum gegeben Zeitpunkt die beste Lösung ist. Da hat er eine sehr gute Entscheidung getroffen.

    Er hat seine Performance gebracht und kann sich eigentlich keine Vorwürfe machen. Es war eben schwierig, gerade wenn man an seine Grenzen gehen muss.

    Er hat seine Performance gebracht und kann sich eigentlich keine Vorwürfe machen. Es war eben schwierig, gerade wenn man an seine Grenzen gehen muss. Bei diesen Windverwirrbelungen kann es eben solche Auswirkungen haben. Davon war - wie bereits gesagt - nicht nur Gregor betroffen.

    Der Schritt hin zur alten Bandbindung, eine Entscheidung den Gesamtweltcup betreffend?

    Gregor zeigte in der letzten Zeit wieder sehr gute Leistungen. Doch die Freude und der Spaß im Flugteil - da hat er seine Stärken nicht ausspielen können. Da ist man eben rechnerisch einen Rückschritt eingegangen, hat auf ein älteres Material zurückgegriffen. Ich habe seine Stärken am Sonntag wieder gesehen. Doch in Sachen wie der Wind, die er eben nicht beeinflussen kann, haben ihn dabei nicht unterstützt.

    Was war der Unterschied zwischen ÖSV-Adler und Bardal?

    Wir haben diesen Winter sicher wieder sehr hochklassige Leistungen gezeigt, wie etwa der Dreifachsieg bei der Tournee. Doch wir konnten nicht diese Konstanz an den Tag legen. Natürlich war es eine Saison, die sehr stark von Wetterkapriolen geprägt war. Da ist Anders Bardal mit einer konstanten Leistung - wie auch in Oslo - voran. Es sind keine außergewöhnlichen Sachen die er macht, aber er springt auf seinen Platz. Das ist für die jetzige Saison sicher zielführend. Wir werden auch in Planica an unsere Grenzen gehen und alles daran setzten, dass wir dort eine gute Performance abliefern.

    Was erwartest du dir vom abschließenden Fliegen in Planica?

    Mit einem Sieg kommt man natürlich sehr gerne zum Weltcupfinale. Ich habe schon davor betont, dass es vor Oslo schon klar war, dass wir den Weltcup aus eigener Kraft nicht mehr gewinnen können. Wir sind nach wie vor sehr gut aufgestellt, was unsere Mannschaft auch am Holmenkollen gezeigt hat. So gehen wir auch ins Finale. Egal wie es ausgeht, die Karten liegen ganz klar bei Bardal.

     

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