Pointner Muss damit umgehen
 

Pointner: "Muss damit umgehen können"

  • Bild:
  • 05.03.2012 | 08:27 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 17: Warum man den windigen Bewerb in Lahti richtig einordnen muss und im Weltcup weiter alles möglich ist.

    Der Einzelbwerb in Lahti (FIN) war am Sonntag vor allem durch widrige Windverhätnisse geprägt. Zahlreiche Favoriten strauchelten, einige qualifizierten sich nicht einmal für den zweiten Durchgang. Mit sport10.at spricht ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner über diese Herausforderung, den richtigen Weg mit diesen Verhältnissen umzugehen und die super Dynamik innerhalb des rot-weiß-roten Teams. 

    sport10.at: Wie kann man dieses Einzelspringen nach dem erfolgreichen Teambewerb analysieren? Einfach vom Winde verweht, oder steckt doch mehr dahinter?

    Alexander Pointner: Es ist schon präsent. Man muss mit solchen Bewerben aber einfach umgehen können. Natürlich ist keiner glücklich, wenn er das Ergebnis sieht. Wenn man aber in die Mannschaft reinschaut, kann man sehr glücklich sein. Gregor hat seinen besten Wettkampf seit Predazzo abgeliefert und in dieser schwierigen Situation mit ständig wechselnden Bedingungen einen kühlen Kopf bewahrt. Auch Thomas ist während des gesamten Wettkampfes bei sich geblieben und hat sich durch nichts rausbringen lassen. Da merkt man einfach, dass er aus der Vergangenheit sehr viel gelernt hat. Früher wäre er nach so einem Durchgang nicht einmal ansprechbar gewesen - und das, obwohl er einen super Sprung gemacht hat.

    Eine Entwicklung, die sich auszahlt ...

    Er hat das diesmal richtig eingeordnet, einen zweiten sehr guten Sprung gezeigt und ist am Ende sogar noch Siebenter geworden. Enttäuscht muss man natürlich sein, wenn man Martin Koch sieht, der im Teambewerb bewiesen hat, dass er momentan auch auf Kleinschanzen zu den Besten gehört. Am Sonntag hat er dann nicht einmal das Finale erreicht und war dabei in prominenter Gesellschaft. Da haben diesmal einfach sehr viele Lehrgeld zahlen müssen, um den Bewerb durchzubringen. Es kann aber weder der Veranstalter noch die FIS etwas dafür. Skispringen ist eine Freiluftsportart, das ist einfach so.

    Gregor Schlierenzauer hat der SportWoche erst vor wenigen Tagen gesagt, dass das Material derzeit einfach extrem sensibel ist, eine immer größere Rolle spielt. Ist das Fluch oder Segen für den Skisprungsport?

    Das gehört einfach dazu. Natürlich tüftelt jeder und jeder versucht, das Material zu optimieren. Dann gibt es wieder Einschränkungen, das ist ganz normal. Wenn ich die Anfahrtsgeschwindigkeit von heuer und letzter Saison vergleiche, dann fällt einfach auf, dass die Qualität einfach ständig steigt. Dennoch muss ich sagen, dass wir was Anzug und Ski betrifft mit Sicherheit auch schon besseres Material gehabt haben. Die technische Anforderung an die Sportler wächst dadurch und das gehört einfach dazu zum individuellen Package des Skispringers. Die technischen Fähigkeiten und das Material sind eine Fusion. Das macht eine Karriere zu einer ständigen Weiterentwicklung.

    Wäre mit einem weniger sensiblen Material am Sonntag nicht eher ein fairer Wettkampf möglich gewesen?

    Man neigt nach einem solchen Bewerb natürlich dazu, das ins Spiel zu bringen. Nur geht man eigentlich ohnehin immer wieder in die Richtung, das Material in einer gewissen Art und Weise "schlechter" zu machen, bzw. genauer zu reglementieren, damit soetwas nicht passiert. Als ich noch gesprungen bin, war beim Anzug nur die Luftdurchlässigkeit reglementiert, mittlerweile ist das eine eigene Wissenschaft, wie man mit einem korrekten Anzug an den Start gehen kann. Ohne Nähmaschine kommt man da gar nicht mehr aus. Man muss da einfach an die Grenzen gehen, weil es sich im Spitzensport niemand leisten kann, irgendwo einen Nachteil zu haben.

    Schon am Donnerstag geht's in Trondheim weiter. Wie groß ist die Gefahr, dass der Wind auch in Norwegen eine übergeordnete Rolle spielen wird?

    Über die Gefahren denke ich erst gar nicht nach. Der Mannschaft und mir ist wichtig, dass die super Dynamik, die man im Teamspringen gesehen hat, erhalten bleibt. Wenn uns das gelingt, bin ich sehr glücklich. Dieser Bewerb am Sonntag war einfach von nicht zu beeinflussenden Dingen gesteuert, die man so akzeptieren muss.

    Im Gesamt-Weltcup liegt Gregor Schlierenzauer jetzt 84 Punkte hinter Bardal zurück. Wie siehst du da die Chancen?

    Wenn Gregor so wie in Lahti an die Sache herangeht, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass er auf diesem hohen Level weiterspringen wird. Dann ist noch alles möglich und nur darum geht es. Wenn er hoffen muss, dass andere nicht so gut springen, wäre das der falsche Weg. Er muss bei sich bleiben, das ist die große Challenge. Er muss sich vor Augen führen, dass er nichts Besonderes machen muss, sondern so wie am Sonntag sein Ding durchzieht. Dann wächst das Selbstvertrauen und die Ergebnisse stellen sich ganz von alleine ein.

    SPORTMAGAZIN Gold-Edition:


    Der Superstar erzählt sein Leben:
    packend, berührend, authentisch.

    >> Jetzt bestellen

    Mehr auf sportnet.at
      Mehr aus dem Web

      Schreiben Sie uns Ihre Meinung ()


      Gesamte Ergebnisse >>