Pointner Selbstbewusst nach Viksersund
 

Pointner: "Selbstbewusst nach Vikersund"

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  • 21.02.2012 | 08:12 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 15: Warum auch mit Schlierenzauer zu rechnen und das Team noch enger zusammengerückt ist.

    Nach dem aus österreichischer Sicht erfolgreichen Skiflug-Wochenende in Oberstdorf, ist vor der anstehenden Weltmeisterschaft im norwegischen Vikersund. In der Chefadlerlyse erklärt ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner warum bei der Weltmeisterschaft nicht nur mit Martin Koch zu rechnen sein wird, das Team durch die Enttäuschung in Willingen noch enger zusammengerückt ist und die Konkurrenz nur eine Nebenrolle spielt.

    sport10.at: Martin Koch ist am Samstag rechtzeitig vor der WM zu seinem ersten Saisonsieg geflogen. Ist das einfach perfektes Timing?

    Alexander Pointner: Die Weichen sind beim Martin schon seit Längerem ganz gezielt in Richtung Vikersund gestellt gewesen. Er hatte in diesem Winter teils mit starken Rückenproblemen zu kämpfen und wir mussten deswegen das gesamte Training komplett umstellen. Er konnte zunächst fast überhaupt kein körperliches Training absolvieren, nur im physiotherapeutischen Bereich arbeiten. Dementsprechend hat es etwas gedauert, bis sich der gesamte Körper auf diese Umstellungen eingestellt hat. Das ist eine ganz andere Belastung und war nicht nur für ihn sondern auch für das gesamte Trainerteam eine Herausforderung.

    Wo lagen die größten Schwierigkeiten?

    Wir haben all das an sein Flugsystem anpassen müssen und das hat sehr gut funktioniert. Er ist schon mit sehr viel Selbstvertrauen nach Oberstdorf gefahren und hat bewiesen, dass er mit einer sehr guten Technik springt. Das hat er eigentlich schon im gesamten Winter drauf, nur hat er das oft nicht ausspielen können. Wir waren aber immer überzeugt, dass ihm der Knopf aufgehen wird. Er hat durch die Umstellungen nichts an seinen Skiflugfähigkeiten verloren, ganz im Gegenteil. Ich habe ihn noch nie so gut Skifliegen gesehen.

    Er hat durch die Umstellungen nichts an seinen Skiflugfähigkeiten verloren, ganz im Gegenteil. Ich habe ihn noch nie so gut Skifliegen gesehen.

    Weniger gut ist es für Gregor Schlierenzauer gelaufen. Das System scheint derzeit nicht ganz zu passen. Wie schwierig wird es, das bis zur WM wieder hinzukriegen?

    Ich bin sehr optimistisch, dass wir das schaffen. Es hat zur zweiten Saisonhälfte eine Materialentwicklung gegeben und mit der hat es zunächst auch sehr gut funktioniert. Zuletzt hat es dann nicht mehr ganz so gut gepasst. Wir haben andere Dinge ausprobiert. Technisch ist Gregor auf einem Level wie noch nie zuvor und da sind wir sehr glücklich. Wir sind davon überzeugt, dass bei der WM auch sein Flugsystem wieder funktionieren wird und dann wissen wir, dass er sich beim Fliegen sehr wohlfühlt. Das werden wir sicher hinkriegen.

    Auch der Teambewerb ist alles in allem für Österreich sehr positiv verlaufen. Wie wichtig war dieses erfolgreiche Wochenende in Hinblick auf die WM, auch wenn man an die Enttäuschung in Willingen zurückdenkt?

    Enttäuschungen gehören dazu. Auch wenn das nicht angenehm ist, habe ich schon am vergangenen Wochenende betont, dass dadurch durchaus auch positive Dinge entstehen können. Wenn man die Situation selbst in die Hand nimmt, kann es zu einer positiven Entwicklung kommen und das ist uns gelungen. Das war der größte Sieg in dieser Woche und hat mit dem Ergebnis überhaupt nichts zu tun.

    Wenn man die Situation selbst in die Hand nimmt, kann es zu einer positiven Entwicklung kommen und das ist uns gelungen. Das war der größte Sieg in dieser Woche.

    Wie kann man diese Aufbruchsstimmung im Team beschreiben?

    Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie nicht nur in Höchstform den Erwartungen gerecht werden kann, sondern auch aus einem - was die Ergebnisse anbelangt - unangenehmen Wochenende gestärkt hervorgehen kann. Wir sind noch enger zusammengerückt, die Eigeninteressen haben sich gebündelt und dadurch ist im Team eine Kraft entstanden, die es möglich gemacht hat, die Teamtour trotz großen Rückstands nach dem ersten Springen und der Absage in Klingenthal zum dritten Mal in Folge für sich zu entscheiden. Da muss man der ganzen Mannschaft gratulieren, das zeichnet unser Team aus. In Vikersund haben wir vier Weltmeister und Olympiasieger, dazu einen David Zauner mit an Bord.

    Wo siehst du sowohl im Einzel als auch im Team die größten Konkurrenten der Österreicher und welche Rolle könnte Simon Ammann dabei wieder spielen?

    Zunächst muss ich sagen, dass es für mich nicht unerwartet kommt, dass Simon Ammann nun wieder voll im Geschäft ist. Mit solchen Sportgrößen wie ihm, die schon derart viel geleistet haben, ist immer zu rechnen. Der dritte Platz vom Samstag ist eine wirklich tolle Leistung. Ansonsten werden wir uns wie immer auf uns selbst konzentrieren. Wenn wir unsere Leistung abrufen können, dann sind wir sehr stark und dann muss erst einmal jemand an uns vorbeikommen. In diese Position haben wir uns in Oberstdorf nun wieder gebracht und in dieser fühlen wir uns wohl. Wir fahren also in jedem Fall mit sehr viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein nach Vikersund.

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