Pointner keine Staatstragoedie
 

Pointner: "Das ist keine Staatstragödie"

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  • 13.02.2012 | 12:59 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 14: Warum eine Niederlage ein Entwicklungsschritt ist und Bardal nicht davon fliegt

    Am Sonntag gab es in Willingen nur sehr wenig zu holen für die ÖSV-Adler. In der Chefadlerlyse erklärt ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner warum man sich keine Sorgen machen muss, sich alle mehr erwartet haben, er froh ist, dass Andreas Kofler "angefressen" war und Anders Bardal der sportliche Kampf angesagt wird.

    sport10.at: Nach langer Zeit gab es in Willingen ein Wochenende, wo für dein Team nicht alles rund gelaufen ist. Wo siehst du die Gründe dafür?

    Alexander Pointner: Wenn ich so zurück denke, hatten wir in den letzten Jahren immer wieder Wochenenden, wo es nicht so gelaufen ist. Die hat es und wird es immer wieder mal geben. Das ist auch gut so, dass auch so etwas passiert. Wir müssen uns damit abfinden, dass auch wir Fehler machen können. Es muss uns bewusst sein, dass wir keine Maschinen sind sondern ein organisches System, in dem viele Athleten und Betreuer arbeiten und wir uns am höchsten Level befinden.

    Es muss uns bewusst sein, dass wir keine Maschinen sind sondern ein organisches System

    Das höchste Level konnte man am Sonntag nicht erreichen.

    Oft ist es so, dass man das Gute gut lassen soll und man oft noch was besser machen will. Wenn du dann etwas Geniales machen willst, kann es oft passieren, dass es in die verkehrte Richtung geht. Ähnlich war am Sonntag die Situation. So geschlossen wir sonst stark sind, so geschlossen ist es am Sonntag fast für die gesamte Mannschaft nicht gut gelaufen.

    Der Martin Koch vom Sonntag, eine Kampfansage für die Zukunft?

    Martin Koch muss man hier natürlich herausheben, der am Samstag nach dem Teamspringen unzufrieden und auch davon gesprochen hat, hier am Sonntag einiges gut zu machen, was ihm auch gelungen ist. Er ist sicher noch nicht perfekt gesprungen, aber es war eine gute Vorstellung. Am Ende wurde es eben ein achter Platz, weil sieben andere besser waren. Grundsätzlich war seine Leistung sehr gut.

    Die Topspringer musten sich mit ungewöhnlichen Resultaten zufrieden geben.

    Man kann auch mit der Basisarbeit von Thomas Morgenstern zufriedens ein, der sich hier eine Grundlage für die nächsten Schritte zusammensetzt. Ein Gregor Schlierenzauer oder Andreas Kofler haben sich am Sonntag einfach mehr erwartet. Es waren im Vorfeld keine Anzeichen, dass das nicht funktionieren würde. Wenn ich auf einer Skala das Vertrauen in unsere Topspringer abmessen würde, sie hätten alle vollstes Vertrauen gehabt. Doch es kann eben auch danebengehen. Es hätte jedoch genauso am Sonntag einer von ihnen gewinnen können. Dass ist kein langfristiger Prozess, wo man sagt, es läuft nicht gut. Es war auch in Willingen etwa bei Gregor eine sehr große Sicherheit da, wir werden bei den nächsten Stationen von allen wieder was anderes zu sehen bekommen.

    Trotzdem: Nach einem verhauten Springen werden bei euch noch nicht die Alarmglocken schrillen, oder?

    Man muss solche Ergebnisse annehmen und akzeptieren, sonst wäre es respektlos den anderen gegenüber, die etwa am Sonntag eine sehr gute Leistung gebracht haben. Es war ein sehr breit gefächertes Spitzenfeld. Uns ist bewusst, dass wir die Ruhe bewahren werden. Das ist ein wichtiger Grundsatz, wir machen keine großen Korrekturen, alle haben vollstes Vertrauen. Ich weiß, dass wir gut vorbereitet sind. Wir werden aus diesen Erfahrung - wie bisher immer - aus lernen.

    Es scheint so, als würde etwas die Konstanz fehlen. Beim Teamspringen war Martin Koch der Schwächste, einen Tag darauf der Beste. Wie kann man sich diese Schwankungen erklären?

    Es ist Bewegung drinnen. Man darf nicht auf Andi Kofler vergessen, der in seiner Situation (zweimonatige Trainingspause, Anm.) beim dritten Schneesprung gleich den ersten Wettkampf gewonnen hat. Das sind außergewöhnlichen Dinge. Es hat diese Saison auch einige Rekorde gegeben, was nicht immer heißen muss, dass es - wie bei Kofler - eine Siegesserie sein muss.

    Wir haben uns viel mehr erwartet von diesem Wochnende. Doch es ist kein Beinbruch, keine Staatstragödie.

    Zum Beispiel: Der Dreifach-Sieg bei der Tournee. Es ist auch heuer noch viel möglich, doch wir sind nicht da, um Rekorde nachzujagen, sondern dafür, dass der Spaß erhalten bleibt obwohl die Erwartungshaltung sehr hoch ist und von Sieg zu Sieg steigt. Es ist immer eine Weiterentwicklung und nie ein Stillstand. Es sind immer andere Aufgaben, immer eine andere Challenge.

    Man kann auch Positives vom "Absturz" mitnehmen.

    Wenn ich über die Saison fliege bin ich da sehr zufrieden. Solche Ereignisse wie am Sonntag, da kann man noch Feinheiten justieren und sich selbst zu reflektieren. Wenn es läuft neigt man dazu, dass nicht zu tun. Ich glaube es ist genau der richtige Zeitpunkt da, wir haben uns viel mehr erwartet von diesem Wochnende. Doch es ist kein Beinbruch, keine Staatstragödie. Wir stehen mit breiter Brust da und gehen die nächsten Schritte. Wir werden uns nicht aus der Bahn werfen lassen.

    Nach seinem völlig verhauten Einzelsprung war Andreas Kofler sichtlich verärgert über seine Leistung. Wird es da immer schwerer, solche Sachen aus den Köpfen zu bekommen, wenn  die Entscheidung im Gesamweltcup näher rückt?

    Es ist eine ganz neue Aufgabe für Andi. Er hat die Möglichkeit so richtig um den Gesamtweltcup zu springen. Ihm und uns ist eben bewusst, dass wir in einer Entwicklung sind. Gott sei Dank war Andi im ersten Moment angefressen. Wenn ihm alles wurscht wäre, wäre er im Spitzensport fehl am Platz. Die große Kunst von solchen Sportpersönlichkeiten ist zurück auf den Weg zu kommen und aus solchen Erfahrungen zu lernen und sie nicht zu verdrängen. Auch sich selbst die Frage stellen: Wie lösen wir das? Ursachenforschung ist ein Schritt in die richtige Richtung auf dem höchsten Niveau.

    Gott sei Dank war Andi im ersten Moment angefressen. Wenn ihm alles wurscht wäre, wäre er im Spitzensport fehl am Platz.


    Anders Bardal hat sich sehr stark präsentiert, auch die Führung im Weltcup übernommen. Bei der VST hat man gemerkt, dass ihm der Druck noch zu viel war. Kann das jetzt aufgrund der Führung wieder passieren, oder siehst du ihn da jetzt schon gefestigter?

    Man muss sagen, dass wir es ihm nicht besonders schwer gemacht haben. Ich sah jetzt keine außergewöhnliche Leistung. Man hat gesehen, dass andere Springer, die nicht so viel gewonnne haben ihm Paroli geboten haben. Durch die Erfahrung und das Wissen, welches Potential unseren Springern zur Verfügung steht, weiß ich genau, dass nicht irgendwas besonders passieren muss, damit wir uns wieder ganz oben einreihen können. Das Ziel heißt jetzt: Wir müssen auf dem Weg bleiben, dürfen uns nicht rausbringen lassen, dann haben wir noch schöne Wettkämpfe.

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