Pointner Gregor straight unterwegs
 

Pointner: "Gregor ist 'straight' unterwegs"

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  • 06.02.2012 | 09:53 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 13: Warum Schlierenzauer 'straight' ist und die Konkurrenz im Team ein Vorteil ist.

    Gregor Schlierenzauer war am vergangenen Skisprungwochenende in Val di Fiemme der Adler mit der besten Flugkurve. In der Chefadlerlyse auf sport10.at spricht ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner über die aktuellen Geschehnisse im Adlerhorst.

    sport10.at: Gregor Schlierenzauer hat sich in Val die Fiemme von seiner stärksten Seite präsentiert. Wie wichtig war da die Wettkampfpause, auch mit Hinblick auf die nächsten Wochen?

    Alexander Pointner: Er ist sehr gut bei sich geblieben, hat sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und hat seine Leistung sehr gut abrufen können, besonders im ersten Bewerb. Das spricht natürlich für die Pause. Überhaupt nach der Tournee, nach dem Heimfliegen am Kulm und dem Weltcup in Zakopane. Das sind alles sehr große Veranstaltungen, wo auch rundherum sehr viel los ist. Da hat er gut regeneriert, was ihn auch dieses Wochenende unterstützt hat.

    Gregor meinte nach dem Bewerb am Samstag, dass er die vielleicht besten Sprünge in seiner Karriere gezeigt hat. Würdest du zustimmen?

    Es war auf sehr hohem Level. Gregor hat schon 40 Weltcupspringen gewonnen. Ich glaube, man darf es nicht nur absolut sehen. Da steckt sehr viel Vergangenheit dahinter. Er hat bisher in jeder Phase seiner Weltcupkarriere sehr gute Sprünge gezeigt. Der Status Quo zeigt natürlich, dass es jetzt sehr gute Sprünge sind, was aber nicht heißt, dass es solche Leistungen nicht schon zu anderen Zeiten seiner Karriere gegeben hat.

    Du hast es bereits angesprochen. Gregor hält jetzt bei 40. Weltcupsiegen, auf die Bestmarke von Matti Nykänen fehlen nur noch sechs Siege. Wie kann man dieses Phänomen erklären, kann man es überhaupt erklären?

    Natürlich kann man es erklären. Er ist sehr jung an die Weltspitze gekommen. Ich glaube auch, dass die Ausbildung bis zu seinem ersten Weltcupspringen sehr gut war. Er konnte auf einer breiten Basis aufbauen. Im ÖSV-System hat man gewusst, dass es Skispringer-Phänomene in ganz jungen Jahren gegeben hat, die aber keinen nachhaltigen Erfolg feiern konnten. Die sich nicht so kontinuierlich Weiterentwickeln konnten. Ab Thomas Morgenstern, der dann unser erster "Junger" war und auch in weiterer Folge mit einem Gregor Schlierenzauer, ist man sehr gut umgegangen. Auch in den Phasen mit 17, 18 oder 19 Jahren, wo eben viele andere eingebrochen sind.

    Das Ende der Fahnenstange ist also noch lange nicht erreicht.

    Unseren Athleten steht noch eine große Zukunft bevor. Auch einem Thomas Morgenstern, der mit seinen 25 Jahren auch noch nicht so alt ist und im letzten Jahr mit seinem Weltmeistertitel in Oslo alles gewinnen konnte, was es zu gewinnen gibt. Ähnlich ist es bei Gregor. Der jetzt mit 22 Jahren seine 40 Weltcupsiege hat, das ist natürlich sehr schön.

    Nach so einer Dichte an Siegen, wie geht man da mit dem Athleten richtig um?

    Das Wichtigste ist jetzt, dass der Spaß erhalten bleibt, verschiedene Sichtweisen erarbeitet werden und man sich von Erwartungshaltungen nicht erdrücken lässt. Egal ob von Partnern, Sponsoren oder von dem ganzen Umfeld. Die Basiseigenschaft, der Spaß am Skispringen, die muss immer erhalten bleiben. Da werden wir noch sehr viel Freude haben.

    Das wichtigste ist jetzt, dass der Spaß erhalten bleibt

    Nach dem es für Andreas Kofler dieses Wochenende nicht ganz so rund lief, spitzt sich der Kampf im Weltcup weiter zu. Es scheint wieder auf ein rein österreichisches Duell hinauszulaufen. Wie siehst du die Situation?

    Wir können uns glücklich schätzen, gleich mit drei Athleten ganz vorne zu stehen. Wir werden sicher alles daran setzen, dass unsere Athleten ihre Karten auch ausspielen können. Jeder soll die Möglichkeit haben, das volle Leistungspensum auszuschöpfen und volle Unterstützung zu erhalten.

    Man darf nicht vergessen, dass auch andere Springer sehr gut springen in dieser Saison. Etwa ein Anders Bardal oder Kamil Stoch. Das sind schon Sportgrößen, die in anderen Nationen sehr gute Leistungen bringen. Das ist gut für unseren Sport, gut für die Wettkämpfe, doch ich bin überzeugt, dass wir sehr gut aufgestellt sind und wir sehr erfolgreich die zweite Hälfte der Saison bestreiten können.

    Medial im Fokus wird natürlich wieder der sportliche Kampf innerhalb des ÖSV-Teams um die große Kugel stehen. Ist es da ein Vorteil, dass man in den letzten Jahren bereits gelernt hat, den Gegner im eigenen Team zu haben?

    Wir haben gelernt damit gut umzugehen. Daran arbeiten wir natürlich auch weiter und man sieht, wie wichtig es ist ein unterstützendes Team zu haben, mit fünf Athleten, die um Siege mitspringen können. Auch die Erfahrungen, die wir von Springen zu Springen anhäufen, spielen da mit. Das macht uns nicht nur als Team stark, sondern auch jeden Einzelnen.

    Das ist jetzt eine andere Situation, als vor einigen Jahren, wo man bei solchen internen Zweikämpfen sehr viel Energie liegen hat lassen

    Das ist jetzt eine andere Situation, als vor einigen Jahren, wo man bei solchen internen Zweikämpfen sehr viel Energie liegen hat lassen, auch mal eine Vierschanzentournee verloren haben - der lachende Dritte war damals Janne Ahonen. Doch wir haben aus diesen Erfahrungen gelernt und können jetzt sehr gut damit umgehen, was wir in den letzten vier Jahren bewiesen haben.

    Gregor selbst meinte, dass der Gesamtweltcup bei ihm noch keine Rolle spielt, sondern die Skiflug-WM in Vikersund im Mittelpunkt steht. Doch kann man die Gedanken an die große Kugel so einfach abschalten?

    Sehr gute Sportler können das. Das ist 'Part of the game', so etwas abschalten zu können, bei sich zu bleiben und nicht auf die anderen zu blicken. Man muss sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren und darf sich keinen Rucksack umhängen, der dann zusätzlich belastet. Diese Dinge sind Gregor an diesem Wochenende sehr gut gelungen, immer mit einem leichten Blick in Richtung Skiflug-WM. So ist seine Sichtweise, die er sehr professionell und 'straight' verfolgt.

     

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