Pointner Andi Kofler muss
 

Pointner: "Andi Kofler muss zufrieden sein"

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  • 30.01.2012 | 08:10 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 12: Warum es für die ÖSV-Adler in Japan nicht einfach war und Daiki Ito die Challenge bestand.

    Wie schon in den letzten Jahren verfolgte ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner die Skisprungbewerbe in Sapporo von der Heimat aus, um sich für die kommenden Wochen vorzubereiten und eine andere Perspektive auf die Springer zu bekommen. Auf sport10.at schildert er in der Chefadlerlyse seine Eindrücke über die Leistungen im Land der aufgehenden Sonne.

    sport10.at: Alex, du hast die Bewerbe in Japan von der Heimat aus verfolgt und dich mit der Planung für die kommenden Wochen beschäftigt. Wie ist es, das eigene Team über den Fernseher zu verfolgen?

    Alexander Pointner: Ich versuche eine ganz andere Perspektive zu kriegen. Normal stehe ich eben am Trainerturm und nehme es unterschiedlich war. Training, Qualifikation, Wettkampf - da ist mein Coaching immer verschieden. Selbst wenn ich versuche, am Trainerturm eine andere Perspektive zu bekommen, gelingt das nicht. Du hast eben nur die eine Sicht. Wenn ich dort am Tisch stehe, sehe ich diesen Teil, weiß was dort passiert.

    Da bietet das Fernsehen schon andere Möglichkeiten.

    Wenn ich vor dem Fernseher bin, habe ich die Möglichkeit ganz unvorbelastet das Springen zu beobachten. Ich sehe die Springer am Balken, beim Absprung, beim Fliegen, beim Aufsprung und natürlich auch, wie sie reagieren. Natürlich: Ich kenne nicht die Vorgeschichte. Hat der Springer etwas mitgenommen vom letzten Sprung? Wie geht es ihm?

    Ich nehme einfach nur das wahr, was ich im Fernseher seh. Dass gilt nicht nur für unsere Springer, ich beobachte da auch die anderen Nationen. Da kann ich mir ein umfassendes Bild machen. Dazu habe ich einfach nie die Chance, denn selbst bei Videoanalysen nach einem Springen bin ich ja immer schon vorbelastet.

    Die Sapporo-Bewerbe sind jedes Jahr wieder besonders schwierig zu springen. Wie schwer ist es tatsächlich, in Japan zu bestehen?

    Ich war schon sehr oft in Japan, auch schon vor meiner Zeit als Cheftrainer. Da muss man berücksichtigen: Es gibt kaum einen Ort, wo die Bedingungen so schnell wechseln wie in Sapporo. Durch die Meeresnähe gibt es rasche Wetterwechsel. Es kann bei Sonnenschein beginnen und bei Schneefall enden - auch wenn das heuer nicht der Fall war. Dann kommt wieder sehr starker Aufwind, da bist du mit dem Anlauf absolut am Limit.

    Japan ist also eine ganz eigene Springerwelt.

    Die Strömung dort verhält sich wie zähflüssiger Honig und braucht einige Zeit, bis sie am Springer anliegt. Umso weniger Anlauf, umso schwieriger wird diese Anpassung. Da kann der kleinste Fehler ausschlaggebend sein, ob du überhaupt noch ins Fliegen kommst oder nicht - da hast du schnell 20 Meter unterschied. Dort hast du diese besondere Challenge.

    Hättest du bei den Schwierigkeiten mit dem Wind im ersten Bewerb von Thomas Morgenstern und Andreas Kofler versucht einzugreifen?

    In dem Sinn ist eingreifen nicht meine Aufgabe. Wenn ich vor Ort bin, geht es darum als Unterstützer für die Springer da zu sein und ihm beim Aufnehmen der Situationen zu helfen. Zum Wind in Sapporo: Es gibt eben ein Reglement. Ob du dabei dieses Glück hast oder nicht, kannst du nicht beeinflussen, hat es im Skisprungsport auch noch nie gegeben. Es gibt eben diesen Korridor. Befindet sich der Wind in diesem Korridor gibt es grün, sonst nicht. Natürlich braucht es da Fingerspitzengefüh. In Sapporo war es eben so, dass es oft gerade wieder in den Korridor gerutscht ist. Das liegt im Bereich von Miran Tepes, da gibt es metrologisch keinen, der sich besser auskennt. 

    Beim zweiten Bewerb war für Andi Kofler mit Platz drei ein Podestplatz drinnen.

    Die Besten lassen sich vom nötigen Glück und vom Wind ohnehin nicht beeinflussen. Die damit am besten umgehen können, werden sich am Ende auch immer durchsetzen. Das gehört einfach zu unserem Sport dazu.

    Auch ein Thomas Morgenstern und Andreas Kofler hatten es da nicht einfach. Da stellt sich die Frage, wie gehen sie am nächsten Tag mit dieser Situation um? Sind sie frei oder vorbelastet. Bei guter Vorbereitung können sie unbelastet wieder in den Wettkampf gehen und ihr volles Potential ausschöpfen. Andreas Kofler ist dann völllig neutral in den zweiten Wettbewerb gegangen. Natürlich war er mit dem ersten Tag nicht zufrieden. Mit dem Ergebnis des zweiten Tages muss er zufrieden sein. Man darf nicht denken: Alles andere, als ein Sieg wäre eine Niederlage. Wenn sich die Emotionen dann gelegt haben kann man sagen: Ok, wo arbeiten wir diese Woche weiter.

    Deine "Japan - Vertretung" rund um das Team von Harald Diess hat somit gute Arbeit geleistet.

    Ja! Das war auch für unser System sehr wichtig, dass Harald Diess und die anderen Stützpunkttrainer hier eingebunden werden. Das müssen wir unbedingt wertschätzen. Man muss sich vorstellen, es geht dann vor Ort nicht nur darum, einen Sprung zu analysieren, sondern diesen auch einzuschätzen und dann das Team weiterzuführen.

    Was sagst du zu Doppelsieger Daiki Ito?

    Daiki Ito hat verdient gewonnen, er hat selber keine Fehler gemacht. Selbst bei schlechteren Bedingungen konnte er seine konstante Leistung abrufen. Es ist immer einer Herausforderung, wenn man vor dem eigenen Publikum glänzen will und die persönliche Erwartungshaltung oben ansetzt. So sah man es bei uns bei der Vierschanzentournee, bei Kamil Stoch in Zakopane und nun bei Daiki Ito in Sapporo.

    Eine abschließende Frage, die in die Zukunft blickt: Ohne Sapporo wäre der Weltcup schon ein Europacup. Wie wichtig sind die Bewerbe in Japan für den Skisprungzirkus, in welche Richtung bewegt sich der Sport?

    Man sieht, wo große Skisprungstadien gebaut werden. Etwa in Russland oder Kasachstan. Japan hat da sehr viel Tradition. Es gibt sehr viele Skisprunggenerationen. Ich habe heuer wieder Takanobu Okabe springen sehen, der ist genau so alt wie ich (beide sind 41, Anm.). Das ist schon etwas besonders, wenn man weiß, wie fit man sein muss, um bei einem Weltcupspringen mitzuwirken. Das ist ein Beispiel dafür, damit man weiß was in Japan hinter unserem Sport steckt.

    Sehr viele Erlebnisse und Sportgeschichten, die unseren Sport geprägt haben, sind dort entstanden. Wenn wir sagen, dass wir präsent sein wollen bei den Nationen, dann ist es auch sehr wichtig, dass wir in Japan springen.

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