Pointner Hype kein Boomerang
 

Pointner: "Hype ist kein Boomerang"

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  • 16.01.2012 | 08:10 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 10: Warum ein Reißverschluss kein Thema ist und auch Adler Ruhe brauchen.

    Der lange Skiflugtag am Kulm brachte einige Überraschungen mit sich. Die wohl größte aus österreichischer Sicht: Kein Superadler schaffte den Sprung zum Sieg. ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner erklärt in der Chefadleryse, warum das Jammern die Sieger schwächt, Schlierenzauer seine Akkus aufladen muss und der Hype rund um die Adler nicht zum Boomerang wird.

    sport10.at: Zwei Skiflugbewerbe erlebt man auch als Skisprungtrainer nicht so oft.  Wie hast du die Konkurrenzen am Kulm wahrgenommen?

    Alexander Pointner: Ich möchte gleich Anders Bardal und Robert Kranjec gratulieren, sie sind die Sieger. Hier darf man nicht alles zu subjektiv sehen und sagen: Es ist nur alles gut und schön wenn wir gewinnen. Wenn uns wer auf der sportlichen Ebene schlägt, dann ist das verdient. Darum jammern wir auch nicht, dass der Anzug kaputt wurde. Damit schwächt man auch die Leistung der Sieger, was wir auf keinen Fall wollen. Wir haben gegeben was wir konnten.

    Am Sonntag hat wohl auch das viel beschworene Glück gefehlt.

    Natürlich hätten wir auch etwas Glück benötigt, doch wir hatten diese Saison bereits so viel von diesem Glück. Wenn man siegt, merkt man das nicht mehr so, nimmt es gar als Selbstverständlichkeit hin. Doch das ist zweifelsohne nicht so. Wir müssen es zu schätzen wissen und auch dankbar sein. Den Fehler, jetzt überheblich zu werden, machen wir sicher nicht.

    Angesichts der Überform von Gregor Schlierenzauer konnte man nicht unbedingt damit rechen, dass Thomas Morgenstern als stärkster ÖSV-Flieger vom Kulm abreist.

    Thomas Morgenstern wurde heute Zweiter und Vierter - was eine hervorragende Leistung war. Gregor hat - wenn man sich auf das Sportliche bezieht - trotz seines Missgeschicks - den weitesten Sprung gemacht. Ich will gar nicht mehr sagen er hätte gewonnen, den er hat nicht gewonnen. Es wäre eben nicht regelkonform gewesen. Der Reißverschluss muss geschlossen sein, doch es war keiner mehr da. Damit ist die Sache gegessen.

    Auch bei Martin Koch wäre mehr möglich gewesen.

    Unsere sportlichen Leistungen haben am Kulm gepasst. Martin Koch hat seine Klasse aufblitzen lassen. Es ist nicht alles aufgegangen bei uns, darum sind dieses Wochenende die großen Sieger die Fans. Die Stimmung war Wahnsinn. Da muss ich einfach danke sagen, den so etwas ist nicht selbstverständlich. Ebenso wie die Leistung von "Hupo" (Hubert Neuper, Cheforganisator, Anm.) und seinem Team. Dieses Event ist tonangebend im Skisprungzirkus.

    Auch am Kulm wurde mit den Fans sehr oft und sehr offen kommuniziert. Der Hype rund um die Skisprungmannschaft scheint kein Ende zu nehmen. Ähnliches gilt für die Medienlandschaft. Gregor selbst meinte am Sonntag gegenüber dem ORF, es ist ihm derzeit etwas zu viel. Wird dieser hervorgerufene Hype zum Boomerang?

    Ich glaube er wird nicht zum Boomerang. Da man am Sonntag am Kulm auch sah, dass nicht alles in unserer Hand liegt - auch auf der sportlichen Ebene. Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir zur Regeneration kommen und nicht zum Spielball werden. Wir dürfen die Balance zwischen anfassbar sein für unsere Fans, Gönner und Sponsoren bzw. unserem Rückzug zum Durchschnaufen nicht verlieren. Das gehört einfach im Spitzensport dazu. Natürlich müssen wir da jetzt auf unsere Athleten hören, ob alles so ok ist.

    Welche Hebel werden bei Gregor Schlierenzauer so gesehen jetzt in Bewegung gesetzt?

    Bei Gregor hat man es gespürt, schon während dem Wettkampf bei den Interviews zwischen den Durchgängen gab es eine gewisse Leere. Die Gesundheit - körperlich und geistig - muss erhalten bleiben. Der Spaß muss erhalten bleiben. Dieser Spaß fängt bei den Wurzeln an: nämlich die Schanze hinunter zu springen und es genießen. Das muss im Vordergrund stehen. Beim Drumherum werden wir den Status Q erheben und die nächsten Schritte setzen.

    Was am Kulm beim Gang durch die Menge aufgefallen ist: Viele Fans und Kinder, bewaffnet mit rot-weiß-roten Fahnen und dem Logo einer gewissen Biermarke, identifizieren sich mit Trainer Alex Pointner am Trainerturm. Ein Trainer, so beliebt wie die Sportler selbst. Auch nicht gerade allgegenwärtig.

    Ich weiß das sehr zu schätzen. Ich glaube, das macht unser Team aus. Wie wir auftreten, welche Ziele wir verfolgen und auch unsere Denkweise. Es geht nicht nur um schneller, höher, weiter, sondern auch um andere Werte und unser soziales Umfeld. Dazu gehört auch die Fähigkeit den Leuten etwas zu geben, die uns jahrelang unterstützt haben, auch als wir noch nicht die Superadler waren. Natürlich identifizieren sich viele mit den einzelnen Athleten. Doch die Hauptidentifikationsfigur - so habe ich es hier wahrgenommen - ist die gesamte ÖSV-Mannschaft.

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