Pointner Innsbruck drei Sieger
 

Pointner: "Innsbruck hat drei Sieger"

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  • 05.01.2012 | 09:05 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 8: Was Schlierenzauer in Innsbruck sammelte und warum Koflers-Sieg fast in einem Unfall geendet hätte.

    ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner bejubelte beim Heimspringen in Innsbruck ebenso wie 22.500 andere Skisprungfans den nächsten Erfolg der Adler. Warum der Sieg von Andreas Kofler schon fast in der Anlaufspur gescheitert wäre, Thomas Morgenstern ein heimlicher Sieger ist und Gregor Schlierenzauer in Innsbruck neben Punkten auch viel Sympathien sammelte, erklärt Pointner in der Chefadlerlyse auf sport10.at.

    Die Qualifikation am Donnerstag in Bischofshofen wurden wegen zu starkem Schneefalls abgesagt und auf Freitag verschoben. Diese geht nun vor dem finalen Springen bei der Vierschanzen-Tournee über die Bühne.

    sport10.at: Alex, Gerade bei den Sprüngen von Andreas Kofler hast auch du sehr emotional gewirkt. Wie hast du selbst dieses Heimspringen mit all seinen Facetten wahrgenommen?

    Alexander Pointner: Es war in Innsbruck überhaupt noch Mal mehr Emotion drinnen. Unsere Drei haben wahnsinnig guten Sprünge gezeigt. Für mich gab es gestern drei Sieger: Das war Andreas Kofler, der das Springen gewonnen hat, Thomas Morgenstern - der mit der Situation gut umgeht und nicht total aus den Angeln gehoben wird. Normal fängst du da an, dass du jeden kleinen Fehler suchst. Mit seiner Form kann man auch Weltcupspringen gewinnen, er hat bei der Tournee noch keinen großen Fehler gemacht.

    Und der dritte Sieger ist der Tournee-Leader?

    Ja! Gregor hat in Innsbruck viel Sympathie und persönliche Stärke gezeigt. Ich glaube, er hat gemerkt, dass bei seinen zwei Siegen kein Neid in der Mannschaft war. Es war einfach Wertschätzung da, die hat er heute zurückgegeben. Es ist um sehr viel Geld gegangen (Grand-Slam-Jackpot, Anm.) Doch er hat den Respekt gezeigt.

    Gregor hat in Innsbruck viel Sympathie und persönliche Stärke gezeigt.

    Beim zweiten Sprung von Sieger Andi Kofler hätte viel schief gehen können.

    Deshalb war auch so viel Emotion da. Speziell bei Andreas' zweiten Sprung. Was da alles passiert ist! Zuvor wird Ito ins Verderben geschickt. Natürlich ist er ein Gegner von uns, doch es macht einfach unsicher, wenn man merkt, dass die Besten schlussendlich hinuntergeschickt werden, obwohl man weiß: Jetzt funktioniert es nicht. Du denkst dir: Die Zeit muss einfach sein. Ich bin ständig mit dem Audiokanal des ORF verbunden, da habe ich ein Interview mit Walter Hofer (FIS-Renndirektor, Anm.) gehört. Er sagte, wir lassen uns Zeit und zeitgleich zog sich Ito die Ski an. Da war große Spannung dahinter.

    Vor allem die Geschichte mit dem Bläser macht den Sieg von Kofler noch ein Stück brisanter.

    Da kam Andreas in der Spur angerauscht und ein Bläser, der die Spur mit seiner sehr aufwändigen und verantwortungsvollen Arbeit freihält, hat einfach nicht aufgehört zu blasen. Dabei war Kofi nur noch 15 Meter entfernt. Gut, dass der Bläser es dann gelassen hat. Andreas hatte sich schon darauf eingestellt, den 'Staubsauger' auf die Seite zu räumen. Das hätte ganz gefährlich ausgehen können, doch fünf Sekunden später zaubert er einen Absprung wie aus dem Bilderbuch herbei und geht in Führung.

    Andreas hatte sich schon darauf eingestellt, den 'Staubsauger' auf die Seite zu räumen.

    Wenn man etwas Negatives suchen will: Waren es vor allem bei der Konkurrenz die Entscheidungen der Jury, die das Springen mitentschieden haben?

    Nein, auch wenn man das Gefühl hatte, dass man nicht mehr alles in der Hand hat. Meine Aufgabe ist es immer, die Sicherheit auszustrahlen. Doch ich wusste, es bekommen andere Leute etwas Zeitdruck, bedingt durch das Wetter und die große Maschinerie im Hintergrund. Ich wusste im Unterbewusstsein: Das Springen muss irgendwie fortgeführt werden, sonst gibt man den Grand-Slam-Versuch von Gregor keine Chance. Obwohl ich auch daran dachte, ob es überhaupt noch möglich ist, dieses Springen fair über die Runden zu bekommen. Darum stand da auch so viel Emotion dahinter.

    Deine Stimme hört sich etwas angeschlagen an. Sind da die ersten Verschleißerscheinungen der Tournee im Anmarsch?

    Nein, überhaupt nicht. Wir sind Gott sei Dank alle fit. Nur Manuel Fettner ist etwas verschnupft, ist auch schon behandelt worden. Sonst ist jeder fit, auch im Trainerstab - da ist alles wunderbar.

    Der Ausblick ist wettertechnisch düster. Sportlich kann sich das ÖSV-Team nur noch selbst schlagen. Mit welcher Gefühlslage geht es zum großen Finale?

    Wir fahren immer die gleiche Schiene. Die Sachen, die wir nicht beeinflussen können, auf die werden wir uns auch nicht stürzen. Das Wetter ist das Letzte, das wir beeinflussen können, genauso wie die Leistung der anderen Springer. Deswegen machen wir uns keine Gedanken.

    Jetzt stellen wir uns dem Wetter, wie wir uns dem nächsten Wettkampf stellen würden. Das ist unser tägliches Brot.

    Wir wussten schon vor der Tournee über unsere Situation Bescheid, der Favoritenrolle haben wir uns gestellt. Wir wussten auch, dass wir die beste Regenerationsschiene fahren müssen, trotz des engen Zeitplans. So werden wir auch weitermachen. Bereits um 20.15 Uhr lagen wir alle im Tourbus, da wurde gekocht, um auch wieder den Energiehaushalt aufzufüllen. Und jetzt stellen wir uns dem Wetter, wie wir uns dem nächsten Wettkampf stellen würden. Das ist unser tägliches Brot.

    Anders Bardal hat als Vierter der Gesamtwertung bereits 47 Punkte Rückstand auf Gregor Schlierenzauer. Die anderen Nationen konnten mit dem Druck nicht so gut umgehen. Wie blickst du auf die Konkurrenz jenseits der österreichischen Grenze?

    Grundsätzlich wird immer erst am Schluss abgerechnet - das muss klar sein. Mir war bewusst, dass wir aus einigen Fehlern der Vergangenheit in dieser Hinsicht gelernt haben. Wir haben da sehr viel im Training investiert, vor allem auf der Wettkampfebene. Vorbereitung, wie man mit Erwartungshaltung umgeht, etc. Da weiß ich, dass wir den anderen drei Schritte voraus sind.

    Sind die anderen "schlechter"?

    Nein! Die anderen machen daher nichts schlechter, 95 Prozent arbeiten so, dass das Technische beim Springen stimmt. Doch nur so funktioniert es nicht, es muss vieles rundherum abgestimmt werden. Da sind wir auf einer Ebene, wo wir eine große Tür geöffnet haben und täglich besser werden können. Diese Sachen spielen wir aus.

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