Pointner Laenderkampf fuer Tournee
 
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Pointner: "Ein Länderkampf für Tournee"

ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 4: Der Länderkampf Österreich-Deutschland und warum die Adler nicht immer gewinnen müssen.

12.12.2011 | 08:53 | (sport10)

Am Wochenende wurden Österreichs Skispringer erstmals in dieser Saison geschlagen. Beim Teamspringen in Harrachov hatte Norwegen die Nase vorne, bei der Einzelkonkurrenz am Sonntag verwies der Deutsche Richard Freitag die ÖSV-Adler Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Co. in die Schranken. Was sagt deren Boss dazu? Trainer Alex Pointner mit seiner Chefadlerlyse auf sport10.at.

sport10.at: Das Wochenende in Harrachov ist vorüber, es gab "nur" einen österreichischen Sieg. Die Konkurrenz rückt näher zusammen, ist dieser Eindruck richtig?

Alexander Pointner: Es zeigt einfach, dass wir uns auf einem sehr hohen Niveau bewegen, wo die Dichte sehr groß ist. Das war mir immer schon klar. Diese Siegesserien, die wir hatten, das waren außergewöhnliche Leistungen. Doch in welcher Sportart auch immer: Solche Serien haben immer auch ein Ende. Das heißt nicht, dass wir damit nicht wieder anfangen können (lacht). Es war dennoch ein sehr wichtiges Wochenende für uns, es war unheimlich viel Bewegung drinnen. Uns wurde definitiv nicht langweilig.

Vor allem Weltcupleader Andreas Kofler hatte ein hartes Wochenende. Sturzgefahr, kaputter Schuh, Probleme mit der Schanze.

Er war zwei Mal im Probedurchgang in massiver Sturzgefahr. Wenn man weiß, wie Skispringen funktioniert, muss man einfach unheimlich viel Vertrauen haben. Jeder weiß, der Mensch ist nicht zum Fliegen geboren. Wenn dann - wie bei Andreas - das System so durcheinander gerüttelt wird und dann aber gleich Spitzenleistungen gebracht werden sollen, dann weiß man was Andreas Kofler hier geleistet hat. Das war große Klasse. Das stufe ich genauso als außergewöhnliche Leistung im Spitzensport ein, wie so manche unserer Serien. Wie die Mannschaft und Andreas selbst die Situation gemeistert hat, das stelle ich über so manchen Sieg.

Wir werden auch alles daran setzen, dass so etwas nicht entsteht und die Siege in unseren Reihen bleiben

Mit Norwegen (Alexander Stöckl) und Deutschland (Werner Schuster) waren in Harrachov auch zwei Nationen mit ehemaligen ÖSV-Trainern erfolgreich. Wird hier der so erfolgreiche Weg der Österreicher bereits gut kopiert?

Natürlich nimmt man gerade bei den Basiskompetenzen einiges an Erfahrungen mit. Da wird sicherlich sehr gut gearbeitet, was man auch nicht verhindern kann. Die Deutschen machen das sehr ähnlich. Vor zwei Jahren haben sie uns etwa bei unserem Leistungsdiagnostiker mehr oder weniger "überboten" und ihn dann übernommen. Dennoch muss jeder Trainer seinen eigenen Weg gehen, da geht es nicht nur um die Basis, sondern auch um das Wettkampfcoaching etc. Da sind mit Schuster und Stöckl zwei sehr gute Trainer auf dem Trainerturm.

Gregor Schlierenzauer meinte in der letzten Saison bereits, man würde ein Problem bekommen, wenn man Stöckl gehen lässt. Jetzt werkt dieser als Cheftrainer in Norwegen.

Für Alex ist es schwierig genug, in die Fußstapfen eines Mika Kojonkoski zu treten, der die norwegische Mannschaft über so viele Jahre hinweg führte und viele großartige Leistungen brachte. Da sind oft nur wir (ÖSV-Team, Anm.) im Weg gestanden. Gregor meinte beim Stöckl-Abgang, dass er einfach eine tolle Nachwuchsarbeit machte und sehr eng mit mir im Team zusammengearbeitet hat. Da war die Angst, da wir bereits sehr viele Trainer im Ausland haben und uns die irgendwann ausgehen. Jetzt haben wir Gott sei Dank mit Andreas Mitter (Stöckl-Nachfolger, Anm.) einen ebenso guten Ausbildenden und Trainer an seiner Position.

Für Alex ist es schwierig genug, in die Fußsstapfen eines Mika Kojonkoski zu treten, der die norwegische Mannschaft über so viele Jahre hinweg führte und viele großartige Leistungen brachte.

Thomas Morgenstern wurde am Sonntag von zwei Deutschen (1.Freitag, 2. Morgenstern, 3. Freund) förmlich in die Zange genommen. Der Länderkampf kann für die bevorstehende Tournee nur förderlich sein.

Gerade der deutsche Raum und Spitzensport kann ohne Wirtschaft und Medien nicht funktionieren. Dieser Erfolg war für den Sprungsport sehr wichtig. Wenn ich mich zurück erinnere an die Serien von Hannawald und Schmitt ...

...entschuldige, dass ich dich unterbreche, aber das wäre dann ein sehr harter Länderkampf: Seriensieger vs. Seriensieger.

Natürlich sind wir davon noch weit entfernt, bei einem solchen Ergebnis. Wir werden auch alles daran setzen, dass so etwas nicht entsteht und die Siege in unseren Reihen bleiben (lacht).

Verstehe. Wir sprachen gerade darüber, wie wichtig der Erfolg für Deutschland ist?

Durch diese Erfolge damals, hat sich auch der Skisprungsport weiterentwickelt. Das wird jetzt auch wieder wichtig für die bevorstehende Tournee und für den Sport. Man sieht immer wieder, welche Maschinerie in Deutschland - bestehend aus Wirtschaft und Spitzensport - hinter dem Sport steht. Der Länderkampf ist da absolut förderlich. Richard Freitag hat eine sehr gute Leistung gebracht, wenn man es genauer durchleuchtet sieht man, dass er der Springer war, der einfach mit keinen Problemen zu kämpfen hatte.

... im Gegensatz zur ÖSV-Manschaft?

Richtig, bei uns war sehr viel in Bewegung. Daher bin ich auch stolz darauf, wie alles gemeistert wurde. Etwa David Zauner, den ich schon letzte Woche angekündigt habe, weil ich wusste, was in ihm steckt. Es war sehr bitter für ihn, ohne Punkte aus Lillehammer abzureisen. Jetzt wurde er Vierter und Siebter. Genauso Manuel Fettner, auch er hat sich wieder positioniert. Da haben wir die richtigen Sachen gemacht, damit wieder alles passt. Auch ein Thomas Morgenstern, der seinen neunten Platz als Enttäuschung sah und mit uns gemeinsam daran arbeitete und am Sonntag Zweiter wurde.


David Zauner: Zeigte in Harrachov auf.

Die Tendenz zeigt bei allen Springern, die derzeit zum Einsatz kommen, ansteigende Form. Egal ob Martin Koch, Manuel Fettner, David Zauner. Hinzu kommt noch Wolfgang Loitzl, der in der Heimat trainiert. Die Aufstellung für die Tournee und auch Engelberg (kommendes Wochenende) dürfte Kopfzerbrechen bereiten?

Natürlich mache ich mir bereits Gedanken. Mit dem muss man sehr verantwortungsvoll umgehen. Das ist ganz wichtig für mich, darum werde ich auch noch eine Nacht drüber schlafen, mit welcher Besetzung wir nach Engelberg fahren. Da muss ich die richtige Balance und Energien finden. Als Coach muss man da sehr viel aufnehmen von den Athleten, damit man sie unterstützen kann.

Es wird also ein Balanceakt?

Bei diesen Entscheidungen muss man sehr gut abwiegen, was man tut, um das Schiff ganz vorne perfekt zu lenken. Ich werde das nicht auf die leichte Schulter nehmen und sagen, wir haben sowieso gute Springer, es ist egal. Es ist nicht egal, denn wenn einer nicht dabei ist, kann er schon beim nächsten Mal wieder ganz vorne mitmischen.

Harrachov im Rückspiegel. Ein österreichischer Trainer wird die Frage nicht oft hören: Bist du "froh", dass auch andere Athleten wieder ganz vorne dabei waren, damit der Sport nicht nur einen rot-weiß-roten Anstrich bekommt?

Hätten wir ein Wochenende gehabt, wo wir ganz unbeschwert durchgegangen wären, dann könnte es sein, dass ich nicht so zufrieden bin wie jetzt. Jetzt hat sich so viel getan, was uns in der Zukunft wieder weiterbringt. Das hat alle Athleten betroffen, das ist sicher sehr positiv. Wir haben ein Mal gewonnen und wurden zwei Mal Zweiter. Da muss man auf dem Boden bleiben und sagen: Jawohl, das war in Ordnung und auch gut. Sonst werden die Siege eine Selbstverständlichkeit.

Man muss für jeden Sieg dankbar sein, darf nie überheblich werden. Kein Sieg ist normal, Rekorde aufzustellen ist nicht selbstverständlich. Wir haben uns wieder weiterentwickelt, werden mit erhobenen Hauptes aus Harrachov abreisen und sagen: 'Danke, es war großartig.'

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