Pointner sind andern nicht
 

Pointner: "Da sind die anderen nicht so gut"

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  • 28.11.2011 | 07:56 | (sport10)

    ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner analysiert auf sport10.at das Geschehen im Adlerhorst. Teil 2: Warum die Siege nicht überraschen und er die schwierigste Entscheidung seiner Karriere fällen musste.

    Es war ein Auftakt nach Maß für die ÖSV-Springer in Kuusamo. Das lange Warten auf die Wettkämpfte hat sich ausgezahlt. Am ersten Adventsonntag feierte Sieger Andreas Kofler und Co. schon verfrüht Weihnachten und beschenkte sich mit dem Triumph im Team und dem Dreifach-Erfolg in der Einzelkonkurrenz selbst. Auf sport10.at erklärt Cheftrainer Alex Pointner in der Chefadlerlyse, warum ihn der Erfolg nicht überraschte, die Vorbereitung der Triumph ist und er sich am Sonntag selbst etwas schimpfen musste.

    sport10.at: Alex, Teamspringen mit Rekordvorsprung nach einem Durchgang gewonnen, dazu der Dreifach-Sieg in der Einzelkonkurrenz. Bist du von dieser Dominanz selber etwas überrascht?

    Alexander Pointner: Ich muss ehrlich sagen, ich war sehr überzeugt von unserer Vorbereitung. Man muss sagen, wir haben nun nach dem zweiten Wettkampf fünf Schneesprünge absolviert. Es ging sogar so weit, dass die drei Top-Springer, die am Sonntag die Positionen eins bis drei belegten, den Probedurchgang und die Qualifikation ausgelassen haben. Es geht bei uns um andere Dinge.

    Die da wären?

    Wir haben einen anderen Zugang. Wir setzten auf eine gezielte Vorbereitung, wo es egal ist, ob ich gestern einen Sprung absolviert habe, letzte Woche, oder wie bei Andreas Kofler, es schon zweieinhalb Monate aus ist. Eine ähnliche Situation werden wir nächste Woche bei David Zauner haben, der ebenfalls wegen seiner Verletzung so lange nicht springen konnte.

    Was auffiel war die Lockerheit und gleichzeitig die mentale Stärke, mit der die Adler in die Wettkämpfe gingen. Ist das alles auf die Vorbereitung zurückzuführen?

    Das sind unsere Grundsätze. Etwa das Neuro-Coaching oder, dass wir sehr viel auf Regeneration setzen. Nicht nur auf körperliche, sondern auch auf geistige. Gerade, was diese geistige Vorbereitung angeht, wäre es nicht gut gewesen, mit dem ganzen Tross noch irgendwohin zu fahren zur Vorbereitung. Das wäre auch ein geistiger und körperlicher Aufwand gewesen. Wir wollten in Kuusamo einfach frei und ausgerastet an den Start gehen. Das ist eine Challenge.

    Was dabei raus kommt, hat man gesehen. Die anderen sind in diesem Bereich defenitiv nicht so gut.

    Eine Herausforderung, die also auch der Betreuerstab souverän gemeistert hat.

    Die Werkzeuge dazu haben wir uns über Jahre erarbeitet, aber wir haben es zum ersten Mal auf den Punkt ausgeführt. Da bin ich mit der gesamten Mannschaft zufrieden. Überrascht war ich nicht. Ich habe fest daran geglaubt, dass es in dieser Art und Weise möglich ist. Erhofft habe ich es, rechnen kann man damit natürlich nie. Die Art und Weise, wie sie agiert haben, dass war das Ziel. Was dabei raus kommt, hat man gesehen. Die anderen sind in diesem Bereich definitiv nicht so gut.

    Mit deinem Team bist du zufrieden. Gilt das auch für FIS und Jury, die vor allem mit dem Wind und den zahlreichen Verschiebungen zu kämpfen hatten?

    FIS und Jury hatten sicher die schwierigste Aufgabe, sie müssen die Entscheidungen treffen. Ich denke, die haben genauso wie wir einen sehr guten Job gemacht. Es fanden zwei Wettkämpfe zur richtigen Zeit statt. Nur einmal musste ich schimpfen, als sie Thomas Morgenstern im Teambewerb nicht vom Balken ließen. Das war eine Situation, exakt wie letztes Jahr - es war einfach unnötig. Der Wind war im Koridor und man hat den Athleten wieder raus geschickt. Natürlich waren es gute Verhältnisse für Thomas, aber es hätte viel gefährlicher sein können bei diesem Wind in Kuusamo. Es ist dort so kalt, da sollte man die Springer - wenn alles im Reglement ist - runter lassen. Das hat mich kurzzeitig geärgert, weil wir im Vorjahr darüber schon eine Diskussion hatten.

    Im Teambewerb am Vormittag hat Wolfgang Loitzl den Vorzug vor Martin Koch erhalten. Warum diese Entscheidung? Sollte Loitzl auf die Wettkämpfe "scharf" gemacht werden?

    Das hätte ich mit Martin Koch genauso machen können. Dadurch, dass wir wirklich nur zwei Schneesprünge hatten davor, gibt es Argumente für Martin und für Wolfgang. Ich muss sagen, es war eine der schwierigsten Entscheidungen in meiner Trainerkarriere, auch wenn wir schon alles gewonnen haben und es hier keine Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften waren.

    Ich muss sagen, es war eine der schwierigsten Entscheidungen in meiner Trainerkarriere, auch wenn wir schon alles gewonnen haben und es hier keine Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften waren.

    Was hat am Ende entschieden?

    Ich nehme solche Dinge sehr, sehr ernst. Ich hatte einfach bei den beiden Schneesprüngen einen etwas besseren Eindruck von Wolfgang. Doch da wird nie einer - auch ich nicht - sagen können, dass ich damit recht hatte. Wichtig ist, dass die Athleten, die nicht zum Zug kamen, das auch verstanden haben und jetzt ungehemmt weiter arbeiten können.

    Beim Sieger Andreas Kofler, dessen Rückenverletzung ihn eben so lange in die Knie zwang, stellt sich die Frage nach dem Wie. Wie hat man ihn in so kurzer Zeit wieder zum Siegspringer gemacht?

    Das ist genau dieser Unterschied, mit dem wir arbeiten. Viel kann man an der Bewegung ohnehin nicht beeinflussen. Da muss man viel spüren und die Informationen abrufen.  Natürlich auch daran, dass die Athleten mit diesem System auf ihre Intelligenz zugreifen. Genauso haben sie es gemacht. Was natürlich da sein muss: Es braucht eine sehr hohe Basis der abgespeicherten Bewegungsabläufe. Diese Basis war bei Kofler, zu dem Zeitpunkt als er nicht mehr springen konnte, schon vorhanden.


    Andreas Kofler auf der Siegerrunde.

    Bei Manuel Fettner ist es am Sonntag nicht rund gelaufen. Er hat den Finaldurchgang versäumt, bei ihm dürfte das Paket noch nicht ganz stimmen. Jetzt kommt in Lillehammer David Zauner zum Team. Steht die nächste schwere Entscheidung bevor?

    Ich glaube, dass das Paket auch bei Manuel ganz gut ist. Da sind im Wettkampf einfach unglückliche Sachen passiert. Beim ersten Sprung liefen im die Brillen an und er musste einen Blindflug machen. Da ist die Herausforderung, dass er sich von diesem Missgeschick nicht irgendwohin manövriert, wo er sich selbst sagt: 'Jetzt muss ich'. Er soll an sich weiterarbeiten, wie ich es gewohnt bin von ihm. Jetzt fahren wir mal nach Lillehamer und trainieren dort. Dann wird es wieder eine Entscheidung geben. Es ist jedoch nicht so, dass es nach diesem Springen eine defenitive Weichenstellung gibt.

    Die Frage nach den Erwartung für Lillehamer stellt sich nach dem dominanten Auftakt eigentlich nicht. Gilt es jetzt einfach den Spaß vom ersten Wettkampf mitzunehmen, oder gibt es gezielte Maßnahmen, die man diese Woche in Angriff nehmen muss?

    Das Ziel ist, dass wir diese Qualitätsarbeit die ganze Saison durchhalten. Dass wir über die gesamte Saison hinweg eine leistungsfähige Mannschaft zur Verfügung haben. Da gehören Betreuer und Athleten dazu. Daraus ergeben sich dann die Ergebnisse, die auch in Lillehamer wieder von vielen Dingen abhängen werden. Wir konzentieren uns auf die Sachen, die wir beeinflussen können.

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