Schlierenzauer Wegbegleiter Legende
 
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Schlierenzauer: Wegbegleiter zur Legende

Gregor Schlierenzauer fixiert in Harrachov seinen 48. Weltcupsieg. sport10.at unterhielt sich mit fünf Wegbegleitern. Vom Onkel über den Entdecker bis hin zum Trainer.

04.02.2013 | 08:21 | (sport10)

Sein 46. Weltcupsieg in Vikersund brachte ihn in die Geschichtsbücher, sein Doppel in Harrachov lässt ihn nun mit lediglich 23 Jahren endgültig zur lebenden Legende aufsteigen. In Harrachov flog Gregor Schlierenzauer zum bisherigen Höhepunkt in seiner Karriere. Eine Karriere, die immer geprägt war von einem Schlagwort: Außergewöhnlich. Dies bezeugen sport10.at gleich fünf Weggefährten.

In Gesprächen mit Schlierenzauer-Onkel Markus Prock, Jugendtrainer Markus Maurberger, Entdecker Toni Innauer, Stams-Trainer Werner Schuster bis hin zu Adler-Chefcoach Alex Pointner zeigt sich, wie Schlierenzauer zum Rekordjäger geformt wurde.

Vom Kind zum Red-Bull-Sportler

Es gibt nur wenige Manager, die behaupten können ihren Schützling schon von Geburt an zu kennen. Markus Prock gehört als Onkel von Schlierenzauer zu jener seltenen Gattung. Der ehemalige Weltklasse-Rodler erinnert sich daran, als er zum ersten Mal von seinem fliegenden Neffen hörte: "Meine Schwester hat mir erzählt, dass Gregor begonnen hat, ein bisserl Skizuspringen."

Wieder etwas neues, was der junge Schlierenzauer ausprobieren wollte. Talente hatte er schon als Kind genug. "Er bewegte sich sehr gerne, egal ob es Fußball, Tennis oder Einradfahren war", sagt Prock. "Ich lege mich auch fest, dass er in mehreren Sportarten gut geworden wäre." Das große sportliche Talent liegt der Familie übrigens in den Genen. So war Vater Paul Schlierenzauer ebenso ein Talent auf zwei Bretteln, jedoch im alpinen Sektor. Im Skispringen sah die Familie Gregor zum Weltklassenathleten und Red Bull-Aushängeschild heranreifen.

Red Bull will immer die Besten und ich musste erklären, warum ein 16-Jähriger ein ganz Großer wird.

Ein Deal, den Prock einfädelte: "Ich war ja einer der ersten Red-Bull-Sportler. Es war gar nicht so einfach, Gregor hineinzubekommen. Immerhin will Red Bull immer die Besten und ich musste erklären, warum ein 16-Jähriger ein ganz Großer wird. Aufgrund des freundschaftlichen Verhältnisses und dem raschen Aufstieg hat es dann schnell geklappt."

Vom Wunderkind zur Ausnahmeerscheinung

Auf seinem Weg die Karriereleiter hinauf war und ist auch sein Stützpunkttrainer Markus Maurberger ein wichtiger Bestandteil. "Ich erinnere mich noch sehr gut an seine Anfänge. Ich trainiere ihn schon seit er zehn ist, bis er nach Stams kam", sagt der Trainer des SV Innsbruck Bergisel.

Viele Erinnerungen rund um den Ausnahmekönner häuften sich an, wie Maurberger erzählt: "Vor seiner ersten Weltcupsaison war er bei der Vierschanzentournee als Vorspringer dabei. Er sprang aus der gleichen Lucke wie die Weltcupspringer und hätte sich locker für den zweiten Durchgang qualifiziert. Schon im Vereinsleben sah man, dass er ein außergewöhnlicher Springer wird."

Was er erreicht hat, realisiert man erst, wen man nicht mehr der Trainer ist und vielleicht mal seinen Enkerln erzählen kann. Schau, diesen Athleten habe ich trainiert

Noch dazu einer, der sich nicht auf seinem Talent auszuruhen schien. Das fordert der Trainer bis heute: "Bei ihm gab es nie die strikten Anweisungen, es war ein fließender Übergang, er hat es einfach laufen lassen. Dass er keine Fehler macht, kommt bei ihm aus dem Instinkt heraus. Er fordert den Trainer, weil er so stark ist. Ihm kannst du nicht das Blaue vom Himmel erzählen. Mit Sagern wie, "das wird schon werden", kommst du bei ihm nicht weit."

Dass er jetzt die Rekordmarke geknackt hat, kann auch ein so langer Weggefährte kaum fassen: "Was er erreicht hat, realisiert man erst, wen man nicht mehr der Trainer ist und vielleicht mal seinen Enkerln erzählen kann: Schau, diesen Athleten habe ich trainiert."

Von Tirol in die weite Skisprung-Welt

Gleichzeitig mit Maurberger trat auch Toni Innauer ins Leben von Schlierenzauer. Viele sagen sogar, der Ex-ÖSV-Sportdirektor habe den Jung-Adler entdeckt. "Das ist nicht ganz präzise", sagt Innauer, "ich habe mich nur gemeinsam mit Maurberger intensiv um Gregor gekümmert." Innauers Sohn Mario, der nur drei Tage jünger als Schlierenzauer ist, begann seine Karriere ebenfalls beim SV Innsbruck Bergisel, weshalb Toni viel Zeit mit den beiden Youngsters verbrachte.

"Für Gregor war es sehr gut, dass er mit Mario einen Konkurrenten auf Augenhöhe hatte. Sie haben sich gegenseitig gepusht. Ihnen ist gar nicht aufgefallen, dass sie so gut waren. Es war für sie normal, dass sie sich so schnell entwickelt haben. Erst bei den nationalen Meisterschaften hat man gesehen, dass sie ihrer Zeit voraus waren."

Sein Zugang, seine Geschicklichkeit, seine Aufmerksamkeit, seine Andacht – Gregor war schon ein besonderer Bua.

Dass Schlierenzauer seinen Weg in die Weltspitze machen würde, war für Innauer früh klar. "Er ist schon in jungen Jahren in vielerlei Hinsicht aufgefallen. Man hat gesehen, dass er außergewöhnliche Anlagen hat. Sein Zugang, seine Geschicklichkeit, seine Aufmerksamkeit, seine Andacht – er war schon ein besonderer Bua."

 

Ein besonderer Bua, der nur bei einer Sache ziemlich ungemütlich wurde, erinnert sich Innauer: "Er konnte es nie verkraften, wenn er nicht gewonnen hatte." Mittlerweile gibt es nicht mehr viel, dass der 23-Jährige noch nicht gewonnen hat. Lediglich der Olympiasieg fehlt Schlierenzauer noch. "Ich bin nicht der Meinung, dass ihm ein Olympiasieg oder ein anderer Titel fehlt", meint Innauer und fügt hinzu: "Entscheidend ist für mich, dass er sich schon über eine lange Zeit als einer der allerstärksten Springer präsentiert."

Lesen Sie auf der zweiten Seite: Warum es der deutsche Erfolgstrainer Werner Schuster als Privileg empfand, mit Schlierenzauer zu arbeiten und wie ihn sein jetziger Trainer Alex Pointner reifen sah.

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