Schlierenzauer Punktlandung Mensch
 

Schlierenzauer: Punktlandung als Mensch

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  • 06.01.2013 | 18:37 | (sport10)

    Gregor Schlierenzauer gewinnt zum zweiten Mal in Folge die Vierschanzentournee. Dabei macht er nicht nur einen großen Sprung auf der Schanze, sondern auch abseits davon.

    Was muss es für ein Gefühl sein, wenn man ohne den Tourneesieg in der Tasche schon vor dem Absprung zu einem entscheidenden Durchgang ein Lächeln auf den Lippen hat. Vielen Athleten kann man diese Frage nicht stellen. Doch Gregor Schlierenzauer ist so einer. "Ich muss selber lächeln, wenn ich sehe, wie ruhig ich derzeit bin", sagt der 22-jährige Tiroler nach seinem überragenden Triumph am Bergisel.

    Nun, zwei Tage später und einen Tag vor seinem 23. Geburstag krönte er sich zum Sieger der 61. Vierschanzentournee. Klar, jetzt, nach dem Tagessieg in Bischofshofen (45. Erfolg insgesamt) verschwindet das Lächeln garantiert nicht mehr aus seinem Gesicht.

    Die ruhige Jagd nach Rekorden

    Zu groß ist die Freude über den zweiten Gesamtsieg in Folge und somit der dritte Österreicher nach Ernst Vettori und Hupo Neuper zu sein, dem dieses Kunststück gelingt. Zu erhaben ist das Gefühl, der Leader eines Teams zu sein, das seit der Saison 08/09 den Tourneesieg nicht mehr aus der Hand gegeben hat.

    Der Ausnahmesportler Schlierenzauer konnte selbst bei seinem Kindheitstraum noch eines drauflegen. Dennoch fühlt sich der Triumph bei der 61. Tournee ganz anders an, als noch bei der 60. Tournee.

    Der Auftakt zur letzten Tournee war der Startschuss für eine Wandlung Schlierenzauers, die ihn derzeit von Sieg zu Sieg trägt. "Er ist sehr ausgeglichen und zeigt seine Reife. Gregor hat sich gewandelt", erklärt ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner. Schon im letzten Jahr gab Schlierenzauer die Devise aus, solche großen Siege können nicht erzwungen werden, sie müssen passieren.

    Weg vom Messer zwischen den Zähnen ...

    "Wenn ein Sportler so weit ist, dass er nicht immer mit den Messern zwischen den Zähnen springt, sondern rechtzeitig loslassen und beim Wettkampf dass Erarbeitete ausspielen kann, dann ist er auf einem hohen Level der Wettkampfperformance", erklärte Pointner gegenüber sport10.at.

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    Das Resultat ist nun hinlänglich bekannt: Von Beginn weg war er die große (und bald auch einzige) Hoffnung auf einen österreichischen Gesamtsieg. Das Schlagwort ist Konstanz, die er mit Hinblick auf Sotschi 2014 schon vor der Saison als wichtigsten Faktor nannte. "Das ist mein Hauptziel", sagte er gegenüber sport10.at.

    Kein Wunder also, dass er bei dieser Tournee nie schlechter als Zweiter wurde. Über die vielen Jahre, die die Skisprungwelt Schlierenzauer beim Erwachsenwerden zusah, entwickelte er sich zu einem Springer, der es nun schaffte die Ergebnislisten aus dem Kopf streichen zu können und sie dann wieder zurückzuholen, wenn es darum geht sich neu zu motivieren.

    ... hin zum eigenen Weg

    So legte er über die Jahre hinweg einen Pflasterstein nach dem anderen, für seinen ganz eigenen Weg zum Erfolg. Auch heuer in der Vorbereitung. "Ich bin heuer einen ganz eigenen Weg gegangen. Habe viel im Grundlagenbereich gearbeitet und erst sehr spät mit dem Krafttraining begonnen." Ungewöhnlich, da Skispringer vor allem die Schnellkraft im Vordergrund steht, nicht aber die Ausdauer. Schlierenzauer machte sich seine eigenen Gedanken.

    Er ist sehr ausgeglichen und zeigt seine Reife. Gregor hat sich gewandelt

    Jetzt erntet er einmal mehr die Früchte seiner Arbeit. Davon hielt ihn auch die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit seit Oberstdorf nicht ab. "Der Druck war sehr groß, aber wir haben unsere Werkzeuge, um diesen Druck zu meistern", sagt Pointner. Gemeint ist damit das im ÖSV so beliebte Neuro-Coaching.

    "Hier kennt sich Gregor aus, wie kein anderer", verrät sein Trainer. Es wird nicht allein das Gehirntraining gewesen sein, auch die veränderte Vorbereitung wird nicht das Geheimrezept sein und eine gewandelte, gereifte Persönlichkeit gewinnt auch kein Weltcupspringen.

    Setzt man diese Faktoren jedoch zusammen, ergibt es den erfolgreichsten Skispringer der Gegenwart. Denn was dachte sich der Sieger, als er vor dem letzten Sprung ganz oben saß? "Unter extrem Druck, reifen die richtig großen Diamanten."

     

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