wird sehr viel aussen
 
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"Es wird viel von außen hereingetragen"

Jacobsen rüttelt am ÖSV-Tournee-Thron, aber Sportdirektor Ernst Vettori bleibt gelassen. Auch der "Wunderschuh" macht ihn nicht nervös.

03.01.2013 | 18:35 | (sport10)

Die ÖSV-Dominanz, sie bröckelt allmählich.

Nach vier Jahren Alleinherrschaft rütteln die Norweger ordentlich am Tournee-Thron, den die österreichischen Adler seit 2009 belagern.

Anders Jacobsen geht als Halbzeit-Leader in die letzten beiden Bewerbe und darf immerhin fast 13 Punkte Vorsprung auf Gregor Schlierenzauer sein Eigen nennen.
Für Sportdirektor Ernst Vettori trotzdem kein Anlass zur Sorge.

Jacobsen war nie Pensionist

"13 Punkte Rückstand sind okay, ich bin wirklich zuversichtlich, dass Gregor nach Bischofshofen ganz oben steht", zeigt sich der Tiroler im Gespräch mit sport10.at zuversichtlich.

Dass Jacobsen, der seine Karriere aufgrund von Motivationsproblemen eigentlich 2011 beendet hatte, nun wieder ganz vorne mitmischt, verwundert Vettori nicht wirklich.

Er war ja nie in Pension. Er ist immer gesprungen und hat nie aufgehört - das muss man schon auch wissen.

"Er war ja nie in Pension. Er ist immer gesprungen und hat nie aufgehört - das muss man schon auch wissen. Er hat zwar keine Reisen gemacht, das heißt aber nicht, dass er nicht viel gesprungen ist."

Außerdem sei es ein immenser Vorteil, so Vettori, dass der 27-Jährige die Tournee schon einmal gewonnen hat. 2007 sicherte sich der gelernte Klempner überraschend die Krone.

Tournee-Sieger unter sich

Wobei dieser Vorteil genau genommen keiner ist, weil sein schärfster Rivale, nämlich Gregor Schlierenzauer, ebenfalls weiß, wie sich so ein Triumph anfühlt.

Beim 22-jährigen Titelverteidiger ist es noch nicht einmal ein Jahr her, dass er sich den großen Kindheitstraum erfüllte.

Von der Vergangenheit können sich aber beide nichts kaufen. Die Gegenwart heißt Innsbruck, wo das Duell in die vorletzte Runde geht.

"Anders ist nicht besser"

Und obwohl sich Jacobsen derzeit von nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lässt und seinen Flow-Zustand genießt, sieht Vettori den Norweger - logischerweise - hinter seinem Schützling.

"Er ist zwar fast 13 Punkte voran, aber Anders ist momentan nicht besser als Gregor. Er war in Oberstdorf zwar etwas besser, in Garmisch waren sie dann wieder gleich. Wenn man alle Sprünge zusammenzählen würde, dann wäre Gregor sicher vorne."

Wir sind absolut nicht nervös.

Keine Rede vom "Wunderschuh"

Wie viel Anteil der vielzitierte "Wunderschuh" an Jacobsens Höhenflug hat, vermag der ÖSV-Sportdirektor nicht zu sagen. So hoch wie er medial gehängt wird, will ihn der 48-Jährige jedenfalls nicht hängen.

"Es geht bei den Schuhen primär um die Stützen, um die Keile, die hinten drin sind. Tatsache ist, dass das genau zwei Springer von den Norwegern verwenden. Eben Anders und Tom Hilde - der Rest kann damit nichts anfangen."

Nervosität oder gar Verunsicherung im ÖSV-Lager weist der ehemalige Weltklasse-Springer entschieden zurück.
"Bei uns ist das überhaupt kein Thema. Wir sind auch absolut nicht nervös. Unser Fokus liegt auf den letzten beiden Springen und nicht auf irgendwelchen Stützen in Schuhen. Da wird sehr viel von außen hereingetragen."
Man suche eben gerne nach Gründen, wenn es einmal nicht so laufe.

Erwartungshaltung als Hemmschuh

Bei einer derart erfolgsverwöhnten Mannschaft kommt schnell ein Krisengerede auf, sollte so wie derzeit nur ein Springer vorne mitmischen.

"Es ist typisch, dass man zweite Plätze als Niederlage sieht, wenn man jahrelang fast alles gewonnen hat. Wenn man bei der Tournee die ersten drei Plätze belegt, glaubt man, dass es selbstverständlich ist. Aber das ist es eben nicht. Zum Abholen ist nie etwas."

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