Norwegen oeSV PsychoKrieg
 

Norwegen vs. ÖSV: Der Psycho-Krieg

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  • 03.01.2013 | 08:43 | (sport10)

    Materialkniffe, Psychotricks und Flowzustand. Wie die Norweger rund um Leader Anders Jacobsen die ÖSV-Adler aus dem Tritt bringen und wie das österreichische Team antwortet.

    Die Skisprungsupermacht Österreich ist angeschlagen. Gab es bei der letzten Tournee noch einen Dreifachsieg in der Gesamtwertung durch Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern, so liegt es nun in Innsbruck und Bischofshofen alleine an Schlierenzauer die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Alle, die mit einem Zweikampf gegen Deutschland rechneten, wurden eines Besseren belehrt. Ausgerechnet die Norweger mit dem Tiroler Alex Stöckl als Chefcoach haben uns gewaltig in die Suppe gespuckt.

    Anders Jacobsen, beim Weltcupstart noch so sprunghaft in seinen Leistungen wie ein Aktienkurs in der Wirtschaftskrise, jagt nach zwei Siegen plötzlich den Grand Slam und das gesamte Team präsentierte sich im Gegensatz zu Österreich mit Jacobsen, Hilde und Bardal geschlossen stark. sport10.at sprach mit beiden Teams und versuchte die Gründe für den plötzlichen Machtwechsel zu finden.

    1. Der Materialtrick

    Wie sehr das neue Schuh- und Anzugsystem den Wikingern auf die Sprünge hilft, ist noch nicht klar. Fakt ist, die längere Zunge stabilisiert das Schuh-Fuß-System. "Es macht das Springen auch sicherer", erklärt Stöckl. Österreichs Chefcoach Alex Pointner ist da ganz anderer Meinung: "Jacobsen hatte bei seinem Fast-Sturz Glück, weil das neue System das Korrigieren erschwert." Ein anders vernähter Anzug soll den Norwegern ebenfalls Vorteile bringen.

    Es ist wie in der Formel-1 mit Red Bull. Die Leute schauen erst genau, wenn man erfolgreich ist.

    Stöckl versteht die ganze Aufregung nicht: "Wir hatten beides schon in Engelberg und da hat es keinen interessiert. Es ist wie in der Formel-1 mit Red Bull. Die Leute schauen erst genau, wenn man erfolgreich ist." Wo sich Stöckl und Pointner einig sind: Beide bezeichnen die Schuhinnovation der Norweger nicht als Materialrevolution wie es in Vancouver Simon Ammanns gebogene Bindung war. Deshalb werden auch die Österreicher jetzt nicht fieberhaft an einem ähnlich Modell werken: "Wenn wir jetzt in die Apotheke gehen und einen Stützstrumpf kaufen, werden wir deshalb auch keine Ehrenrunde in Innsbruck fliegen", scherzt Pointner.

    2. Der psychologische Vorteile

    Zumindest ist es den Norwegern gelungen, die Österreicher zu verunsichern. Besonders Gregor Schlierenzauer regte sich über die Materialinnovation der Norweger auf, zeigte bei seinem zweiten Sprung in Garmisch offenbar Nerven. "Es ist ein Spaß für uns zu sehen, wie das Ganze die Österreicher beschäftigt", lacht Jacobsen. "Alleine das Gefühl etwas zu haben, was die anderen nicht haben, macht einen stärker", sieht Stöckl vor allem einen psychologischen Vorteil, der dem ganzen Team helfe.

    Es ist ein Spaß für uns zu sehen, wie das Ganze die Österreicher beschäftigt

    Denn immerhin verwenden nur Hilde und Jacobsen das neue System. "Meine Leute hatten durch die Bank ausgezeichnete Sprünge. Das sieht jeder, der an der Schanze steht", verweist Stöckl auf die sportliche Topleistung seiner Schützlinge. Jacobsen sieht das genauso: „Die Österreicher sollten lieber auf unsere Technik schauen, als auf unsere Schuhe."

    3. Der Flow-Zustand

    Die Österreicher hatten ihn bei ihren Tourneesiegen, Sven Hannawald hatte ihn bei seinem Grand-Slam und Anders Jacobsen hat ihn offenbar auch gefunden - den Flow-Zustand, sprich die Leichtigkeit, die einen zum Seriensieger macht. Wiederentdeckt habe er ihn beim intensiven Training nach Weihnachten in Oberstdorf. Seit dem Auftaktsieg in Oberstdorf schwebt der Gesamtsieger 2006/07 auf Wolke 7.


    Jacobsen jubelt in die Welt hinaus.

    Hingegen scheint bei den Österreichern von Beginn an der Wurm drinnen zu sein: Die Disqualifikation von Kofler, das Ausscheiden im ersten Durchgang von Loitzl und Morgenstern. Und nun die Aufregung um die Materialtricks der Norweger. Doch Schlierenzauer scheint diese Situation auch positiv anzustacheln: „Es geilt mich eher noch auf." ... im sportlichen Sinn freilich.

    4. Norweger ohne Druck

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    Die Erwartungshaltung in Österreich war nach den letzten Erfolgen gewaltig: "Wir haben gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Aber bei der großen Leistungsdichte im Moment kann es auch mal so eine schwierige Phase geben", erklärt Pointner. Die Norweger gingen hingegen laut Stöckl völlig ohne Druck in die Vierschanzentournee. "Keiner hat Wunderdinge von uns erwartet. Dass alle vom Duell Österreich gegen Deutschland gesprochen haben, hat uns sehr geholfen. Dass wir so stark sind, hat mich sogar selbst überrascht" Erst jetzt, mit Jacobsens Erfolgen, ist eine neue Euphorie im Mutterland der Nordischen entstanden.

    Eine Million Norweger verfolgten via TV das Neujahrsspringen in Garmisch. Viele Medien schicken nach den Erfolgen von Jacobsen nun extra Reporter zur Tournee. Doch solange Gregor Schlierenzauer Jacobsen die Stirn bietet, ist Österreichs Welt noch in Ordnung. Man darf sich auf einen Showdown Jacobsen gegen Schlierenzauer in Innsbruck und Bischofshofen in einem rot-weiß-roten Flaggenmeer freuen.

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