Favorit spielt keine Rolle
 

"Wer der Favorit ist, spielt keine Rolle"

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  • 28.12.2012 | 09:33 | (sport10)

    Vor der Tournee ist bei sport10.at ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner am Wort. Über den Genussfaktor, Morgensterns Vaterschaft und die deutsche Welle.

    Die 61. Vierschanzentournee steht vor der Tür. Bald gleiten die Adler innerhalb weniger Tage wieder über die vier Schanzen in Österreich und Deutschland, um zu entscheiden, wer derzeit der Beste ihrer Zunft ist. Es ist "das Konzert der Großen", wie es ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner nennt. In der Chefadlerlyse spricht er mit sport10.at über die hart erkämpften Siege, den so hohen Genussfakter, warum für ihn die Favoritenrolle egal ist und was er sich von der "neuen deutschen Welle" erwartet.

    sport10.at: Kein Sieg ist eine Selbstverständlichkeit, dieser Ausspruch war dir vor der Saison wichtig. Müssen Siege heuer einen Tick härter erkämpft werden?

    Alexander Poitner: Jein. Es war durch die Disqualifikation im Mixed-Bewerb ein schwieriger Start in die Saison. Damit sind wir heuer mehr "hineingeschippert", ganz anders, als im letzten Jahr, wo wir an einem Tag einen Mannschaftssieg und am nächsten Tag die Plätze eins bis drei im Einzel erreicht haben. Es war genau so, wie ich es vor der Saison gesagt habe: Wir müssen um jeden Sieg hart kämpfen, was wir gerade zu Beginn des Winters ganz intensiv erlebt haben. Wenn du beim Mixed-Bewerb nach einem Durchgang die Schanze verlassen musst und wenige Tage später den ersten Sieg feierst, merkst du erst, was bei so einem Erfolg mitschwingt.

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    Ein Wort, welches man bei den bisherigen Saisonsiegern Kofler und Schlierenzauer immer wieder hört: Der Genuss-Faktor.

    Wenn man eine ganz junge Mannschaft hat und dann gewinnt, wird man fast etwas getrieben. Die Erwartungshaltung ist dann sehr, sehr groß. Bei unserer Mannschaft merkt man, wie sie reift, wie sie die Wettkämpfe mehr genießen kann und keine Welt zusammenbricht, wenn man einmal nicht ganz oben steht.

    Es bricht keine Welt zusammen, wenn wir mal nicht ganz oben stehen.

    Bleiben wir bei Andi Kofler. Letztes Jahr Seriensieger, heuer zu Beginn abgestürzt, ehe es in Sotschi die Explosion gab. Was war heuer anders?

    Im Prinzip ist mir so ein Verlauf fast lieber, weil er jetzt auf einem breiteren Fundament steht. Letztes Jahr sind wir mit lediglich zwei Schneesprüngen in die Saison gestartet, dann gab es gleich diese Seriensiege. Irgendwann hat sich dann auch Andreas Kofler gedacht, er möchte noch etwas verbessern. Obwohl diese Überlegung zum damaligen Zeitpunkt sicher falsch war. Heuer ging es Schritt für Schritt, Baustein für Baustein. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er ganz oben stehen würde.

    Auch wenn der Saisonstart für ihn misslungen war.

    Es war für ihn eine kalt/warm-Dusche beim Mannschaftsbewerb in Kuusamo. Aber dort war er noch nicht so stabil, um ihn zwingend für die Mannschaft aufstellen zu müssen. Mir war klar, dass er wenig später auf der Großschanze ein gutes Bild abgeben wird, ehe es in Sotschi mit dem ersten Podestplatz tatsächlich so weit war. Das ist etwas besonderes für den Athleten, weil er merkt wie er dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen ist.

    Ist Gregor Schlierenzauer nach seinem Triumph bei der letzten Tournee, heuer ein größerer Favorit, als er es noch letztes Jahr war?

    Ob wer mehr oder weniger Favorit ist, spielt für mich überhaupt keine Rolle. Vier Springer in unserem Team, die die Tournee bereits gewonnen haben, sind in der Verfassung, sie wieder zu gewinnen. Gerade auf Gregor trifft der Genussfaktor heuer besonders zu. Er hat es selbst schon gesagt, dass er so weit ist, die Wettkämpfe viel mehr genießen zu können. Wenn ein Sportler so weit ist, dass er nicht immer mit den Messern zwischen den Zähnen springt, sondern rechtzeitig loslassen und beim Wettkampf dass Erarbeitete ausspielen kann, dann ist er auf einem hohen Level der Wettkampfperformance.

    Thomas soll die ereignisvolle Zeitepoche in vollen Zügen genießen können.

    Zur Situation von Thomas Morgenstern. Mit der Geburt von Tochter Lilly stand ein entscheidendes Lebensereignis an. Wie geht man im Team mit ihm um?

    Er ist ganz gut aufgehoben in unserem Team. Er hat da einige Kollegen, die bereits Papa wurden. Etwa Wolfgang Loitzl, Co-Trainer Alex Diess, Physio-Therapeut Herbert Leitner oder auch ich. Wir haben alle schon erleben dürfen, wie es ist, Vater zu werden. Er wird zum ersten Mal merken, dass nicht nur die Weihnachstzeit an sich etwas sehr schönes ist, sondern dass es auch etwas ganz besonderes ist, Vater zu werden. Es wird für Thomas eine ereignisvolle Zeitepoche und ich hoffe, dass er es in vollen Zügen genießen und dann auch bei der Tournee befreit an den Start gehen kann.

    Martin Koch ist bei der Tournee ein Fixstarter, für ihn ist es noch nicht nach Wunsch gelaufen. Woher kommt dieses Vertrauen?

    Das ist sicher das Vertrauen, welches wir in den letzten Jahren aufgebaut haben. Wir kennen ihn ganz genau und ich bin der Überzeugung, dass er sowohl technisch als auch körperlich auf einem hohen Nivau ist. Die Herausforderung besteht darin, ihn so zu coachen, dass er sein volles Potential abrufen kann. Ich bin mir sicher zu wissen, wie wir es noch besser machen können. Wenn ich mir vorstelle, dass er letztes Jahr in Engelberg mit so starken Rückenschmerzen gesprungen ist, dass er fast nicht in den Sprunganzug gekommen wäre, dann weiß man, dass man in sein technisches Muster nicht eingreifen muss, um Leistung zu bekommen.

    Der Glaube in ihn ist also ungebrochen.

    Wenn man Martin Koch jetzt in die Tournee schickt und er es so richtig laufen lassen kann, dann bringt er seine Performance auch auf das Papier. Gerade was die Zeit nach der Tournee angeht, ist es wichtig, ihn jetzt nicht ins Training zu schicken. Wenn es zum Skifliegen geht, kann er schließlich seine Spezialität zeigen. Außerdem ist er in ganz wichtiger Faktor im Team, sein Alter, seine Erfahrung, seine Ruhe, dass sind wichtige Bausteine.

    >>>Was Pointner zur Konkurrenz aus Deutschland sagt, warum Loitzl erfrischend ist und was es mit dem roten Knopf auf sich hat, lesen Sie auf der zweiten Seite!<<<

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