Wenn Goldberger Kamera fliegt
 
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Wenn Goldberger mit der Kamera fliegt

Wenn Andreas Goldberger bei der Vierschanzentournee über die Schanze springt, sind hundertausende Menschen dabei. Sein Kamerasprung gehört einfach zum Programm. Mit sport10.at spricht er darüber.

29.12.2012 | 02:56 | (sport10)

Da sitzt er auf dem Bakken, nochmals wird die Bindung kontrolliert, unter der Brille die Nase gerumpft und der Helm richtig festgezogen. Dann geht es ab in die eisige Spur. Beschleunigung und Abflug, bei der Vierschanzentournee auf durchschnittlich 30.000 Zuseher. Und dennoch ist es kein normaler Sprung bei der Tournee.

Denn bei dem gerade beschriebenen Abflug kleben an guten Tagen knapp eine Million Österreicher vor dem Fernsehschirm und fliegen mit. Die Rede ist von Andreas Goldberger und seinen mittlerweile legendären Kamerasprüngen.

Am Anfang hielten sie ihn für deppert

Als Pionier nahm er seine Tätigkeit als Kameraspringer für den ORF auf, "mitterweile machen es schon viele", sagt Goldberger im Gespräch mit sport10.at. Eine interessante Entwicklung, immerhin musste sich der 40-Jährige am Beginn seiner Kameraflugtätigkeit mit ganz anderen Aussagen auseinandersetzen. "Am Anfang haben viele gesagt: Bist du deppert?"

Das würde sich heute niemand mehr trauen. Gerade in Zeiten der Vierschanzentournee sind seine Kameraflüge ein fixer Programmpunkt. In den letzten Jahren hat der ehemalige Weltklassespringer viel getüftelt. "Ich will die Faszination Skispringen für die Zuschauer greifbar machen. Skifahren kann jeder irgendwann mal gehen, Skispringen jedoch nicht", erklärt Goldberger seinen Antrieb. "Bei mir soll der Zuschauer zum Passagier werden."


Goldberger und sein Hightech-Helm.

Goldberger, der fliegende Kamermann

Dafür ist regelmäßiges Training nötig. "Rund um Weihnachten habe ich noch Extraschichten eingelegt. Ich hatte bisher nur wenig Training, bin aber körperlich gut in Form." Aussagen, bei denen noch immer der Profisportler in Goldberger durchkommt. Ganz so eng - im wahrsten Sinne des Wortes - nimmt er es heuer aber nicht mehr. "Die engen Anzüge tu ich mir nicht mehr an." Mit weiten Anzügen und viel Anlauf geht Goldberger auf die Schanzen, die die Welt bedeuten. So kann er ein echtes Fluggefühl vermitteln. "Ich muss nicht mehr auf den letzten Zacken springen, ich könnte heute auch gar nicht mehr im Weltcup mitspringen."

So geht er neben der Tätigkeit als fliegender Kameramann gleichzeitig auch als offizieller Vorspringer über die Schanze. Nur das Fluggefühl unterscheidet sich doch deutlich von früher. "In der Flugphase wirken sich die Kameras doch deutlich aus. Ich habe zwei auf dem Kopf und eine am Ski - jeweils mit 150 Gramm", sagt Goldberger. Immerhin liefert er selbst in der Luft noch HD-Bilder in die Wohnzimmer der Passivspringer.

Nächster Schritt: 3D-Aufnahmen

Nicht immer ist der Sprung eine ästhetische Meisterleistung. Eine Tatsache, die für Goldberger wichtig ist: "Auch wenn ein Sprung nicht gut ist, gehört er hergezeigt. Damit man weiß, wie schnell es in dieser Sportart gehen kann." Ein solcher Sprung passierte "Goldi" etwa beim Tourneefinale im letzten Jahr in Bischofshofen (siehe Video). "Bei schlechten Witterungsverhältnissen kann es schon kritisch werden. Da kannst du auch nicht immer kontrollieren, was du jetzt sagst."

Das große Ziel sind 3D-Aufnahmen, ich glaube noch näher kannst du nicht dran sein.

Nicht nur für die TV-Zuseher sind seine Kamerasprünge interessant. "Ein polnischer Trainer wollte mal die Aufnahmen haben, um sie für Mentaltraining nutzen zu können", erzählt Goldberger. Bald will er übrigens die nächste Stufe erreichen. "Das große Ziel sind 3D-Aufnahmen, ich glaube noch näher kannst du nicht dran sein."

Diese Neuerung ist freilich noch Zukunftsmusik, da ist die 61. Tournee schon viel näher. Wer diese gewinnt? "Die Favoriten kommen eindeutig aus Österreich, Deutschland und Norwegen. Im Schatten des Länderkampfs könnte sich auch eine ander Nation profilieren." Es wird also spannend, aber mit Goldberger und seinen Kameras ist man ohnehin ganz nah dran.

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