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ALPINE SKIING - FIS Ski WC Vail/ Beaver Creek 2015
 
Bild: (c) GEPA pictures/ Christian Walgram

Disput mit dem ÖSV: Anna Fenninger droht mit Rücktritt

11.05.2015 | 19:02 | (sportnet.at)

Österreichs Ski-Queen Anna Fenninger schmettert die Verbandsforderung ab: "Werde mich von meinem Manager nie trennen!" Die Salzburgerin droht sogar mit Rücktritt.

Im Dauerstreit zwischen dem Österreichischen Skiverband und Alpin-Aushängeschild Anna Fenninger ist die nächste Eskalationsstufe erreicht. In einem der SportWoche-Chefredaktion exklusiv zugespielten Mail des Skistars an ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, Spordirektor Hans Pum, Generalsekretär Klaus Leistner, Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum, Speedtrainer Roland Assinger, ihren Vertrauenscoach Meinhard Tatschl, Konditrainer Peter Meliessnig und Pressesprecher Christoph Malzer schreibt sich die Olympiasiegerin den Frust von der Seele und droht sogar mit Rücktritt.

Hintergrund des Konflikts sind die wiederkehrenden Forderungen der Verbandsspitze, Fenninger müsse sich von ihrem externen Manager Klaus Kärcher trennen. Eine Forderung, der Fenninger laut eigenen Aussagen "nie" entsprechen werde: "Ich arbeite nun seit drei Jahren mit meinem Management sehr erfolgreich zusammen, meine größten Erfolge konnte ich in dieser Zeit erzielen. Das heißt nicht, dass Klaus für meine sportlichen Leistungen verantwortlich zeichnet, aber er gibt mir den Rückhalt, den mir nur ein unabhängiger Berater geben kann, der nicht in ständigen Interessenkonflikten gefangen ist und der auch den nötigen Weitblick für eine individuelle Vermarktung mitbringt. Vor diesem Hintergrund empfinde ich das Verlangen nach einer Trennung als hochgradig unangemessen, um nicht von Nötigung zu sprechen. Ich will nun ausdrücklich klarstellen, dass das vom Verband mit der nunmehr auch sportlichen Druckausübung verfolgte Ziel mit Sicherheit nicht zu erreichen ist. Bevor ich diesem Wunsch entspreche, werde ich meine aktive Karriere beim ÖSV mit sofortiger Wirkung beenden."

Für den Fall ihres Rücktrittes kündigte Fenninger an, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren.

Fenninger: "Das ist für mich unerträglich"

Weiters kritisierte Fenninger die Hinhaltetaktik des Verbandes bezüglich ihrer sportlichen Betreuung scharf. "Die Unklarheiten im Hinblick auf meine sportliche Betreuung, insbesondere die Beschäftigung von Peter Meliessnig, sind für mich unerträglich. Das ist nicht die Art Unterstützung, die ich von meinem Verband erwarte, den ich in sportlicher Hinsicht nach Kräften unterstütze. Ich fordere Euch daher auf, in den nächsten 3 Tagen eine klare Aussage zu machen, ob und wie Peter vom Verband für mich eingesetzt wird." Sollte es zu keiner für sie befriedigenden Lösung kommen, werde sie mit ihren Partnern über eine Finanzierung des Konditrainers sprechen. Eine Lösung innerhalb der gesetzten Frist scheint indessen unwahrscheinlich. ÖSV-Präsident Schröcksnadel begibt sich am Donnerstag für zehn Tage außer Landes.

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Posted by Anna Fenninger on Sonntag, 19. April 2015

Im letzten Absatz des Mails lässt Fenninger noch einmal keinen Zweifel dran aufkommen, wie entschlossen sie gegen Behinderungen wirtschaftlicher und sportlicher Natur seitens des ÖSV vorzugehen gedenke.

Da ich nicht dafür gemacht bin, halbherzige Dinge zu tun – schon gar nicht im Skisport – werde ich in diesem Fall zu drastischen Maßnahmen greifen.

"Abschließend will ich klarstellen, dass ich mir eine (weitere) Beschneidung in sportlicher Hinsicht nicht gefallen lassen werde. Seit Jahren lebe ich damit, dass beim ÖSV nach sachfremden Kriterien differenziert wird, die mit sportlichen Leistungen rein gar nichts zu tun haben. Aber es war immer eine gerade noch hinreichende, wenngleich keinesfalls optimale Unterstützung gewährleistet. Auch mit der Ausübung von Druck wegen Vorgängen, die sich im nicht sportlichen Bereichen abspielen und den Verband damit rein gar nichts angehen, habe ich mich abgefunden. Womit ich mich nicht abfinden werde, ist eine Einflussnahme auf meine sportliche Förderung, weil dies letztlich in absehbarer Zeit dazu führt, dass ich hinter meinen Möglichkeiten zurückbleibe. Da ich nicht dafür gemacht bin, halbherzige Dinge zu tun – schon gar nicht im Skisport - werde ich in diesem Fall zu drastischen Maßnahmen greifen."

War vom Verband zunächst keine Stellungnahme zu bekommen, bezog der ÖSV am Dienstag via Presseaussenund Stellung.

Erinnerungen an den "Fall Hirscher"

Szenekenner fühlen sich an den "Fall Hirscher" erinnert, als der ÖSV dem Gesamt-Weltcupsieger vor drei Jahren empfahl, sich von seinem damaligen Manager zu trennen. Einziger Unterschied: Anna Fenninger scheint absolut nicht gewillt zu sein, klein bei zu geben.

Der Skiverband hat nun vier Möglichkeiten: einlenken und einen Präzedenzfall schaffen, auf stur schalten und den Rücktritt des Aushängeschildes riskieren oder so tun als ob nichts wäre, im stillen Kämmerlein Schadensbegrenzung betreiben und den Gesichtsverlust möglichst gering halten. Das wahrscheinlichste Szenario aber sieht folgendermaßen aus: Der Skiverband gibt in der Managerfrage nach, Fenninger erhält ihr Team im Team, muss dieses aber selbst finanzieren. Nach dem Vorbild von Lara Gut, die bis vor drei Jahren ein solches Modell innerhalb des Schweizer Skiverbandes praktizierte.

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