ging depperte Glaskugel
 

"Ging nur um den depperten Glasbecher"

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  • 17.03.2012 | 14:44 | (sport10)

    Die RTL-Kugel hat er fix, die Gesamt-Weltcup-Kugel so gut wie. Marcel Hirscher über seine Gefühlslage, warum er das Skifahren lassen könnte und den Slalom am Sonntag.

    Zwei Riesentorlauf-Durchgänge gab es beim Weltcup-Finale in Schladming am Samstag und zwei Kugeln für Marcel Hirscher. Jeweils eine nach jedem Durchgang. Im ersten rutschte der US-Amerikaner Ted Ligety weg, mit einem Rückstand von elf Sekunden überquerte er die Ziellinie, damit war klar, Marcel Hirscher hat den Riesentorlauf-Weltcup für sich entschieden.

    Im zweiten Durchgang konnte Hirscher damit voll angreifen. Und er tat dies auch. Der 23-Jährige fuhr schließlich auf den ersten Platz und überholte mit seinem neunten Saisonsieg Beat Feuz im Gesamt-Weltcup. 25 Punkte beträgt nun der Vorsprung auf den Schweizer vor dem letzten Saisonrennen, dem Herren-Slalom.

    Es ist brutal, was sich seit Jänner abspielt. Jeder redet nur noch von dem depperten Glasbecher.

    Die große Kristall-Kugel ist Hirscher eigentlich nicht mehr zu nehmen. "Ich kapiere jetzt noch gar nichts, habe das nicht realisiert", sagte Hirscher. "Was muss man werden, damit man die 25 Punkte aufholt?", fragte er danach. Dafür wäre ein Platz unter den ersten Zehn nötig. Dieser ist Feuz im Slalom nicht zuzutrauen.

    Hirscher ist überwältigt

    "Es ist ein sehr großer Schritt getan. Ich glaube, ich habe in meiner Karriere noch nie so riskiert, wie da jetzt im zweiten Durchgang", erklärt Hirscher. "Es ist brutal, was sich seit Jänner abspielt. Jeder redet nur noch von dem depperten Glasbecher. Das macht dich irgendwie fertig. Egal wo ich hinkomme, mit wem ich rede, es geht immer nur um das. Das wegzublenden ist nicht einfach. Dass ich es jetzt geschafft habe, bedeutet mir natürlich umso mehr. Besser kann es nicht werden, vielleicht muss ich das Skifahren jetzt dann auch lassen."


    Obwohl er von diesen ganzen Rechnereien nichts wissen wollte, hatte er in der Vergangenheit natürlich an den Gesamt-Weltcup gedacht und auch geschaut, wie es sich ausgehen könnte.

    "Sicher rechnet man. Die Chance muss man natürlich auch sehen. Wenn ich normal fahre und meine Erfolge so fortsetze, dann geht es sich eh aus. Aber es darf halt auch nichts dazwischenkommen. Ich hab mir eingeredet, dass es heute eigentlich um nicht mehr geht, als im Jänner bei irgendeinem Rennen. Es gibt auch nicht mehr Punkte. Im Jänner hat sich keiner aufgeregt, wenn ich eingefädelt habe. Da hat es geheißen schade, aber schau weiter. Jetzt ist jedem das Gesicht runtergefallen. Das habe ich versucht, auszublenden."

    Ich hab mir eingeredet, dass es heute eigentlich um nicht mehr geht, als im Jänner bei irgendeinem Rennen.

    Hirscher gab nie auf

    Oft lag er in dieser Saison im Hintertreffen, oft schien der Gesamt-Weltcup außer Reichweite zu sein. "Es ist schon zwei Mal gelaufen gewesen", erinnert sich der 23-Jährige. Einmal war er 200 Zähler hinter Ivica Kostelic, jetzt waren es 160 Punkte auf Beat Feuz. "Kämpfen zahlt sich aus", sagt er und fügt an: "Glück braucht man natürlich auch."

    Wichtig war es für Hirscher am Samstag, dass er nach dem ersten Durchgang die RTL-Kugel bereits in der Tasche hatte. "Wenn ich im zweiten auch noch unter Druck gestanden wäre, wäre das eine zusätzliche Belastung gewesen. So habe ich gesagt, passt und jetzt gib alles, was du hast. Ich habe mir als Ziel gesetzt, dass ich eine von diesen drei Kugeln gewinnen wollte", so Hirscher.

    Wenn ich im zweiten auch noch unter Druck gestanden wäre, wäre das eine zusätzliche Belastung gewesen.

    Jetzt hat er vor dem Slalom am Sonntag, wo er 50 Punkte Rückstand auf Kostelic und noch immer die Möglichkeit auf eine weitere Kristallkugel hat, schon zwei eingefahren.

    Hirscher in einem elitären Kreis

    Hirscher ist mit seinen 23 Jahren der jüngste österreichische Gesamt-Weltcup-Sieger. Und überhaupt erst der fünfte nach Karl Schranz, Hermann Maier, Stephan Eberharter und Benjamin Raich. "Jetzt warten wir bis morgen. So bald ich das Ding in der Hand halte, dann können wir fachsimpeln", so Hirscher.


    Vielleicht dann schon mit drei Kugeln. "Ich werde Gas geben, so viel ist sicher. Wenn es nicht funktioniert, dann setze ich mich auf die Tribüne und sonne mich und schaue mir ein geiles Rennen an. Jetzt habe ich natürlich leicht reden und kann meine Klappe groß aufmachen."

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