Fenninger Vier Gruende fuer
 

Fenninger: Vier Gründe für vier Medaillen?

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  • 02.02.2013 | 09:34 | (sport10)

    Noch drei Tage bis zur WM: Warum Anna Fenninger mit Bodenturnen, einer Wunderwaffe, neuem Selbstbewusstsein und mentaler Stärke so gut wie nie zuvor ist und sie "Idiot Maier" versteht.

    Anna Fenninger erging es früher ähnlich wie dem Schauspieler Til Schweiger – wenn der in der Weltelite mitspielt ("Inglourious Basterds"), dann hat er keine Zeile Text. Doch mittlerweile ist bei Fenninger alles anders: Die schweren Zeiten, in denen sie nur die Nebenrollen spielte, hat sie längst hinter sich – seit zwei Jahren ist sie eine der großen Hauptdarstellerinnen im Ski-Zirkus.

    Das zeigt die 22-jährige Salzburgerin besonders in dieser Saison: Sechs Podestplätze in drei Disziplinen, davon ein Sieg (Riesentorlauf in Lienz) und Rang vier im Gesamt-Weltcup. Viele Experten sprechen deshalb von der "besten Anna aller Zeiten", die bei der WM in Schladming sogar bis zu vier Einzel-Medaillen gewinnen könnte. Aber was macht Fenninger heuer so stark? Die SportWoche kennt vier Gründe.

    Neues Training

    "Bei mir ist es immer so, dass ich im Laufe des Winters an Gewicht, sprich Muskelmasse, verliere. Aber die brauche ich für Abfahrt und Super-G", erklärt sie. Deshalb hat sie vor der Saison auch weitaus mehr Kraft-Training gemacht, als die Jahre zuvor. Auch, weil das neue Material beim Fahren mehr Kraftaufwand erfordert, als das alte. "Sie hat sich körperlich sehr stark weiterentwickelt", weiß Meinhard Tatschl (42), ihr Trainer in der Speed-Gruppe, der Fenninger seit fünf Jahren betreut.


    Fenninger mit Trainer Tatschl.

    Dazu hat Fenninger in der Saison-Vorbereitung ein neues Trainings-Element in ihr Programm aufgenommen: nämlich Bodenturnen. Die Idee dahinter: "Dass ich beweglicher werde und auch bleibe", erklärt sie. "Es ist ein perfektes Ganzkörpertraining, vor allem im koordinativen Bereich. Man lernt dabei, sehr gut mit dem eigenen Körper umzugehen." Davon profitiert sie jetzt auf der Skipiste – hatte sie letzte Saison noch einige Probleme mit dem Halten der Linie, dem In-Position-bleiben und der Stabilität am Ski, so ist sie ist jetzt "skitechnisch viel stabiler", wie Tatschl weiß. "Wir probieren im Training immer, eine freche Linie zu fahren. Letzte Saison war das nicht so möglich, weil sie körperlich noch nicht so entwickelt war wie jetzt eben."

    Spezial-Material

    Selbiges gilt für sie auch für den Material-Sektor. Tatschl: "Hier hat Anna in den letzten zwei Jahren sehr große Fortschritte gemacht." Für Fenninger war das Material eher Liebe auf den zweiten Blick: "Früher bin ich mit dem gefahren, was ich bekommen hab. Aber ich habe in den letzten Jahren die Erfahrungen gemacht: Wenn das Material nicht passt, dann fährt man auch anders. Seitdem beschäftige ich mich viel mehr damit. Beim Setup ist wirklich jedes noch so kleine Detail wichtig, deshalb muss man sich so gut auskennen. Und durch die Zusammenarbeit mit meinem Servicemann Mike Jöchl habe ich sehr viel darüber gelernt – und das kommt mir jetzt zugute." Vor allem auch, weil sich viele Läuferinnen nicht so intensiv mit dem Material beschäftigen. Tatschl: "Läuferinnen, die ihrem Servicemann ein gutes Feedback geben können, haben sicher einen gewissen Vorteil."


    Fenninger und ihr Material harmonieren bestens.

    Noch dazu, wenn sie von ihrem Ausrüster einen Spezial- Ski bekommen: Umgelegt auf die Damen, ist es der Ski, den Riesentorlauf-Dominator Ted Ligety verwendet – die Wunderwaffe mit der KERS-Technologie, die im Kurvenausgang noch zusätzlich beschleunigt. Tatschl meint dazu nur vielsagend: "Wir haben beim Riesentorlauf- Material etwas gefunden, das für Anna perfekt passt."

    Selbstbewusstsein

    Mit der körperlichen Stärke und dem Vertrauen ins Material passt bei Fenninger jetzt auch das Selbstbewusstsein – trotz der drei Ausfälle zu Saisonbeginn (Riesentorlauf in Aspen, Super-G und Riesentorlauf in St. Moritz). Tatschl: "Früher hat sie über Ausfälle immer sehr lange nachgedacht, aber jetzt hat sie sich gesagt: Ich bin gut drauf, ich kann es. Auch hier hat sie sich sehr gut weiterentwickelt. Sie steckt Rückschläge viel besser weg, hakt das ganze viel leichter ab."

    Und selbst ein brutaler Sturz wie im Abfahrts-Training in Cortina kann sie scheinbar nicht aus der Bahn werfen. "Es hat ein paar Gespräche gebraucht, aber sie hat das sehr gut weggesteckt", so Tatschl. Aber auch außerhalb der Skipiste ist Anna viel selbstbewusster geworden. "Ich schaue jetzt mehr auf mich", betont sie.

    Früher habe ich mir auch gedacht: Der Hermann Maier ist so ein arroganter Idiot. Aber jetzt, wo ich auch in der Öffentlichkeit stehe, verstehe ich sein Verhalten.

    Arroganz-Vorwürfe nimmt sie zur Kenntnis und erklärt sie so: "Wenn ich keine Zeit habe, dann habe ich eben keine. Dafür muss ich mich nicht rechtfertigen. Wenn ich sie habe, komme ich ohnehin allen Wünschen gern nach. Es belastet mich aber selbst, wenn ich Kindern kein Autogramm geben kann, weil ich weiter muss. Früher habe ich mir auch gedacht: Der Hermann Maier ist so ein arroganter Idiot. Aber jetzt, wo ich auch in der Öffentlichkeit stehe, verstehe ich sein Verhalten. Man muss sich eine Schutzwand aufbauen, um nicht angreifbar zu sein – und da kann es schon mal passieren, dass manche darunter leiden."

    Mentale (Heim)Stärke

    Eine Schutzwand, die sie in Schladming auch brauchen wird – und die sehr stark sein muss. Denn sie gilt als größte heimische Medaillen-Hoffnung und geht mit Ausnahme von Kathrin Zettel als einzige ÖSV-Siegfahrerin in die WM. Damit lastet eine sehr große Erwartungshaltung auf ihren Schultern. Verspürt sie mehr Druck oder wäre ihr lieber, es gäbe mehr potenzielle Siegkandidatinnen, damit sich nicht alles auf sie konzentriert? "Natürlich würde ich mich nicht beschweren, wenn wir als Team noch mehr Chancen hätten", sagt sie, "aber die Situation ist, wie sie ist." Ihrer Ausgangsposition mit Medaillen-Chancen in vier Einzel-Disziplinen ist sich Fenninger durchaus bewusst, stapelt aber tief: "Wenn ich mit einer Medaille abreise, bin ich schon zufrieden."


    Fenninger weiß, wie sich Heimsiege anfühlen. (Bild: Lienz 2011)

    Dabei fühlt sie sich mittlerweile bei Heimrennen so richtig wohl – ihre beiden Weltcup-Siege feierte sie in Österreich: 2011 beim Riesentorlauf in Lienz, 2012 beim Riesentorlauf am Semmering. Zuletzt die Plätze zwei (Super-G) und drei (Abfahrt) in St. Anton. Die Fans entlang der Strecke empfindet sie nicht mehr als Belastung, sondern mittlerweile als Motivation: "Ich habe dieses Stadium erreicht, in dem mich die Fans beflügeln und nicht unter Druck setzen." Beste Voraussetzungen also, um in Schladming die alleinige Hauptrolle zu spielen.

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