Melzer Ziel sind Top20
 

Melzer: "Das Ziel sind die Top-20"

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  • 03.01.2013 | 12:27 | (sport10)

    Österreichs Nummer eins, Jürgen Melzer, im sport10.at-Interview über die vergangene Saison, seine Ziele, das neue Trainerteam und wie ihn die Hochzeit verändert hat.

    Nach dem guten Start in Brisbane war für Jürgen Melzer im Viertelfinale gegen Grigor Dimitrov Schluss. Dennoch bestätigte er dem Einzug in die Runde der letzten Acht den Aufwärtstrend, der Ende der letzten Saison seinen Anfang genommen hat.

    Im sport10.at-Interview spricht der Niederösterreicher über das durchwachsene Jahr 2012, seine Ziele für die kommende Saison, Veränderungen in seinem Spiel und wie in die Hochzeit mit Iveta Benesova verändert hat.

    sport10.at: Das Jahr 2012 ist vorbei, wie lautet dein sportliches Resümee?

    Jürgen Melzer: Es war ein durchwachsenes Jahr. Ich bin ganz schlecht in die Saison gestartet, habe in Australien nichts gewonnen, doch mit dem Viertelfinale in Zagreb, dem Daviscup gegen Russland und dem Turniersieg in Memphis habe ich meine Form gefunden. Dann habe ich mir in Indian Wells einen Virus eingefangen und ab da ist es nicht mehr so gut gelaufen. Zuerst habe ich mir ein Band im Sprunggelenk gerissen, dann hatte ich Hüftprobleme und habe erst wieder in Wimbledon wieder normal spielen können. Ich bin immer von einem Ding ins nächste gelaufen, konnte nicht ausreichend trainieren und bin körperlich immer schwächer geworden. Am Ende vom Jahr habe ich dann wieder besser spielen können, aber im Großen und Ganzen war es zu wenig, für das was ich mir eigentlich vorgestellt habe.

    Auch wenn es nicht immer nach Wunsch verlaufen ist, konntest du dein Ranking verbessern. Was waren deine Saison-Highlights?

    Der Turniersieg in Memphis ist sicher sehr hoch anzusiedeln. Es war ein sehr gut besetztes Turnier und ich habe starke Leute geschlagen. Der Daviscup gegen Russland war ganz speziell, weil wir dadurch unser erstes Viertelfinale erreicht haben und wir es als Mannschaft geschafft haben. Das Semifinale in Valencia am Saisonende war für mich auch ganz wichtig, da ich gesehen habe, dass ich mit meinem neuen Team Erfolg habe.

    Der Turniersieg in Memphis ist sicher sehr hoch anzusiedeln.
    Wie sieht das neue Team rund um Jürgen Melzer für die kommende Saison aus?

    Alex Waske ist mein Tennis-Trainer und Christian Rauscher ist für das Konditionstraining zuständig. Diese beiden werden auch zum Großteil mit mir auf der Tour unterwegs sein. Für die Grand-Slams, die Woche davor und wenn dazwischen Bedarf herrscht, habe ich mit Mathieu Grandgirard einen neuen Physio.

    Der sportliche Bereich wurde komplett verändert, inwiefern hat sich das in der Vorbereitung ausgewirkt?

    Ich habe mich fünf Wochen sehr sehr intensiv, mit mehr Stunden als in den Jahren zuvor, auf die neue Saison vorbereitet. Im Vergleich zu den letzten Jahren wurde auch weniger Rücksicht auf meinen Körper genommen, da ich mich für meine Verhältnisse schon fürchterlich bewegt habe. Die Schnelligkeit war immer eine meiner Stärken und das wollten wir wieder herstellen. Im Tennisbereich haben wir auch versucht im Aufschlag ein bisschen was zu verändern. Alex Waske war einer der besten Aufschläger auf der Tour. Da haben wir uns einiges vorgenommen. Das ist aber ein Prozess, der nicht von Heute auf Morgen geht. Wenn man jahrelang den selben Aufschlag hat, ist eine gewisse Routine vorhanden und Muster eingefahren. Aber es sind Dinge, die jemand, der sich nicht jeden Tag mit Tennis beschäftigt und gut auskennt, wahrscheinlich gar nicht sieht.

    Wie kam die Zusammenarbeit mit Alexander Waske zustande?

    Ich habe mir schon vor dem Turnier in Wien meine Gedanken gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, etwas verändern zu wollen. Alex hat mir dann in Wien gesagt, dass er aufhört, sich fortan um seine Akademie kümmert, sich aber auch vorstellen kann, einen Spieler auf der Tour zu begleiten. Ich habe mich schon immer sehr gut mit Alex verstanden und auch über den guten Ruf seiner Akademie Bescheid gewusst. Er hat dann sofort ja gesagt, das rechne ich ihm auch hoch an. In der Woche nach Wien hat sein Vater seinen 70. Geburtstag gefeiert, er ist aber mit mir nach Valencia geflogen. Von da an wusste ich, dass er das will und voll motiviert ist.

    2005 spielte Melzer mit Waske im Doppel bei den Australian Open.

    Alexander Waske hat seine Tennis-Akademie in Offenbach, wo wird dein Tennisstützpunkt sein, wenn du nicht gerade bei Turnieren bist?

    Das wird sich ergeben. Ich werde aber bestimmt nicht die ganze Zeit in Offenbach sein. Wenn du das ganze Jahr unterwegs bist, dreht man auch irgendwann durch. Die Vorbereitung habe ich zwar in Offenbach gemacht, aber ich will schauen, dass ich während der Saison mal dort, mal in Wien trainiere.

    In der vergangenen Saison warst du vom Pech und vom Verletzungsteufel verfolgt, wie ist es um deinen körperlichen Zustand zur Zeit bestellt?

    Im Vergleich zu den Jahren davor, wo immer wieder was gezwickt hat, bin ich sehr gut durch die Vorbereitung gekommen und zur Zeit in einem guten körperlichen Zustand. Christian Rauscher hat da auch eine sehr gut Dosierung im Aufbau-Programm gefunden.

    Wie sieht die Zielsetzung für die kommende Saison aus?

    Ich habe am Ende vom Jahr noch einmal richtig gut gespielt und gute Leute geschlagen. Das gibt einem natürlich das Selbstvertrauen und das Wissen, dass ich es nicht ganz verlernt habe (lacht). Am Anfang der Saison heißt es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Egal wie die Turnierplanung heuer aussieht, möchte ich am Ende der Saison wieder in den Top-20 stehen. Das muss das Ziel sein. Ich glaube auch, dass ich bei dem ein oder anderen Grand Slam wieder mitmischen kann.

    Seit September bist du mit Iveta Benesova verheiratet, inwiefern hat dich das persönlich verändert?

    Es ist eine gewisse innere Ruhe eingekehrt. Man fühlt sich geborgener, angekommener, einfach wohler.

    Auf und abseits des Platzes ein Paar: Melzer und Benesova.

    Werdet ihr zusammen auf der Tour unterwegs sein?

    Zur Zeit ist sie mit mir unterwegs, da sie verletzt ist und ihre Therapie mit meinem Physio macht. Es ist natürlich nicht leicht, aber man schaut schonn, dass man die Turniere, wo man gemeinsam spielen könnte, dann auch gemeinsam spielt.

    Du bist jetzt 31 Jahre alt, verheiratet, den Wunsch nach einer Familie wird es geben. Denkt man da vielleicht auch schon ein wenig darüber nach, Tennis-mäßig ein wenig kürzer zu treten?

    Das ist sicher etwas, was man gut planen muss, damit man die Zeit für sich findet. Aber solange wir spielen, und das wissen wir beide, ist es nicht so einfach. Man kann Tennis nicht mit 99 Prozent betreiben, wenn man das macht, gewinnt man relativ wenig. Wir werden aber bestimmt unsere Wochen haben, die wir uns einplanen und gemeinsam unterwegs sind. Aber solange wir beide noch spielen, wird das Tennis eine sehr große Rolle in unserem Leben spielen.

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