Japan Grand Prix Angst
 

Japan: Grand Prix der Angst

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  • 02.10.2011 | 12:00 | (sport10)

    Unweit der Katastrophen-Region Fukushima gastierte am Sonntag die Motorrad-WM. Die Fahrer gaben sich ängstlich, auch in der Formel 1 geht man auf Nummer sicher.

    Die Motorrad-WM gastierte am Samstag, trotz einiger Sicherheitsbedenken, in Japan. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima ist noch immer nicht aus den Köpfen der Weltbevölkerung verschwunden (und wird sie wohl auch nie), trotzdem wurde nur 120 Kilometer vom Unglücksort entfernt das viertletzte Saisonrennen der WM ausgetragen.

    Grand Prix der Angst

    Das Rennen in der "Königsklasse" MotoGP gewann Daniel Pedrosa aus Spanien vor Landsmann Jorge Lorenzo und Honda-Teamkollegen Casey Stoner. Stoner verpasste als Dritter somit eine Vorentscheidung im Kampf um den WM-Titel, führt aber noch mit 40 Punkten vor Titelverteidiger Lorenzo.

    Das Rennen in Motegi wurde schon im Vorfeld als "Grand Prix der Angst" bezeichnet und hätte eigentlich schon am 24. April über die Bühne gehen soll. Der Unglücksfall in Fukushima verhinderte die Austragung, weswegen es verlegt wurde.

    "Ich will dort nicht fahren."

    Wie sehr das Rennen in Gefahr war, beweisen Aussagen der Fahrer. Valentino Rossi kündigte im Juni an: "Ich will dort nicht fahren." Weltmeister Lorenzo strebte gar eine Boykottbewegung an: "Ich werde versuchen, so viele Fahrer wie möglich zu überzeugen, nicht in Japan zu starten."

    Im Juli sprach sich bei einer Fahrerversammlung eine Majorität der Fahrer gegen die Austragung aus. Der Weltverband blieb aber hart, die Fahrer beugten sich dem Druck. "Das Problem ist, dass alle Fahrer einstimmig etwas sagen müssen. Manche haben aber für die kommende Saison noch keinen Vertrag", erklärte Rossi das Ende des Protestes.

    "Das Strahlenrisiko ist während der Veranstaltung ohne Zweifel vernachlässigbar."

    Auch die Mechaniker gerieten unter Druck, ihnen wurde mit Kündigung gedroht, falls sie nicht nach Motegi fahren würden. So kam es, dass alle geschlossen ins Rennen gingen, niemand sich aber wohl dabei fühlte. Einige Teams heuerten Leiharbeiter an und ließen ihre Mechaniker daheim.

    Riesige Wassertanks und Nahrungsmittel wurden mitgenommen, obwohl der Motorrad-Verband versuchte zu beruhigen: "Das Strahlenrisiko ist während der Veranstaltung ohne Zweifel vernachlässigbar." Trotzdem gaben einige Piloten an, ihre Kleidung vor dem Rückflug wegwerfen zu wollen.

    Wie reagiert die Formel 1?

    Knappe 700 Kilometer von Fukushima entfernt wird am 9. Oktober der Große Preis von Japan in der Formel 1 ausgetragen. Sauber-Pilot Kamui Kobayashi, der sich privat für die Opfer der Katastrophe engagiert, lud einen Mädchenchor aus der Region Fukushima nach Suzuka ein, um vor dem Rennen die japanische Nationalhymne zu singen.

    "Mir kam sofort Tschernobyl in den Sinn."

    Während der Katastrophe befand sich der Fahrer in Barcelona bei Probefahrten. "Mir kam sofort Tschernobyl in den Sinn und ich habe mich gefragt, ob ich jemals wieder nach Hause kann", so Kobayashi.

    Der Mädchenchor wird von Eltern und anderen Angehörigen begleitet, der 25-Jährige kümmerte sich um die Anreise, Hotelzimmer und Tickets. "Das Rennen ist ein großes Ereignis. Es ist etwas sehr Positives für die Menschen, auch für das Land. Wir bekommen internationale Wahrnehmung."

    Kamui Kobayashi hätte nichts gegen eine Karaoke-Party.

    Die könnte Sebastian Vettel nach der Zieldurchfahrt auch bekommen, wenn er sich nach 15 von 19 Rennen zum Weltmeister krönt. Nur ein Punkt fehlt ihm dazu. "Die Karaoke-Partys an der Rennstrecke sind legendär", weiß Kobayashi.

    Sollte es zum Feiern kommen, werden Getränke und Nahrungsmittel jedoch nicht aus Japan stammen. Red Bull lässt nämlich sämtliche Verpflegung einfliegen. Teamchef Christian Horner hat vom Essen an anderen Orten angeblich abgeraten. Ganz sicher fühlt man sich also nicht in Japan.

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