Klitschko Chisora Himmel gegen
 

Klitschko vs. Chisora: Himmel gegen Hölle

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  • 18.02.2012 | 08:02 | (sport10)

    Vitali Klitschko steigt am Samstag (23 Uhr) gegen Dereck Chisora in den Ring, um seinen WM-Titel zu verteidigen. Dabei kämpft der brave Politiker gegen "die Pest", die Hölle und sich selbst.

    Auf den ersten Blick könnte kaum etwas den Kampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora besser darstellen, als die ewige Schlacht zwischen Gut und Böse. Auf der einen Seite der gutmütige, großherzige Ukrainer, der nur im Ring zur Eisenfaust wechselt und sich außerhalb der Kampfstätten mit der Politik in seinem Land beschäftigt. Auf der anderen Seite ein Boxgroßmaul unter vielen, vorbestraft, vorbelastet und vorgeführt. Ein niedergeschriebener Kampf zwischen Himmel und vermeintlicher Hölle.

    Klitschko, der Strahlemann

    Im Boxring gehen Klitschko langsam aber sicher die Gegner aus, die den amtierenden Weltmeister noch fordern können. Der 40-Jährige sucht nun in der Olympiahalle von München seine nächste Herausforderung gegen den 28-jährigen Chisora. Klitschko nennt seinen Gegner "einen der stärksten der Welt", er sei ein "ungewöhnlicher Gegner." Pragmatische Ansagen eines Weltmeisters, an dessen Sieg nur die wenigsten zweifeln.


    Kann Chisora Klitschko tatsächlich biegen?

    Doch pragmatische Ansagen gehören seit geraumer Zeit zum Sittenbild des Boxers aus dem Gastgeberland der Fußball-EM 2012. Seit 2004 ist er in der Politik tätig, trat 2006 und 2008 zur Bürgermeisterwahl in Kiew an. Noch 2012 will er in seiner Heimatstadt den nächsten Versuch wagen. Niederlagen sind eben nicht die Sache eines Klitschkos. Warum neben dem Sport auch die Politik sein Brut in Wallung bringt? "Weil es wichtig ist, sich für die gute Sache zu engagieren. Die Ukraine braucht die Hilfe eines jeden Demokraten, und wenn ich etwas bewegen kann, dann kämpfe ich dafür", sagt Klitschko. Aussagen, mit denen sein Gegenüber wohl nur wenig anfangen kann.

    Millionen, Boxen und der Knast

    Der in Simbabwe geborene Chisora war nie wirklich auf den Boxsport angewiesen. Die Geschichte, wie der Sohn von Millionären zu seinem Sport kam erinnert an eine Aggressionsbewältigungstherapie: Nach der Scheidung seiner Eltern genügte das Leben als reicher Teenager in London nicht. Die Kriminalität hatte offenbar ihre Reize. Wegen illegalen Waffenbesitzes wurde er in die Obhut eines Bewährungshelfers übergeben. Dieser schickte ihn in den Ring statt hinter Gittern.

    Das Talent im Boxring kann man Chisora nicht absprechen, wenngleich ihm der Fight außerhalb der Arena offensichtlich noch leichter fällt. "Vitali mag Doktor sein, ich bin die Pest", erklärt er fast lyrisch. Mit "100 Meilen pro Stunde" will er kämpfen und Klitschko in der achten Runde K.O. schlagen. Der gewählte Song für den Einmarsch "Mama said to knock you out" kommt eben nicht von irgendwo (siehe Video).

    Große Töne - weiche Schläge?

    Die großen Töne sind nicht das Probelm von Chisora. Immerhin biss er wie einst Mike Tyson schon einem Gegner ins Ohr, 2010 küsste er zur Provokation seinen Gegner Carl Baker bei einer Pressekonferenz auf den Mund. Kurz vor dem Kampf watschte er Klitschko ebenfalls bei der Pressekonferenz ab, dieser blieb jedoch ruhig. "Von jemanden, der seine Frau schlägt kann man nichts anderes erwarten", spielt Klitschko auf die Verurteilung von Chisora im Jahr 2010 an.

    Weiche Küsse hat Chisora im Ring von München jedenfalls nicht zu erwarten. Klitschko, der sich auf den Kampf zum Teil beim Stanglwirt in Tirol vorbereitete, kann bei einem Sieg in Sachen Titelverteidigung - es wäre seine neunte - mit Tyson gleichziehen. Ein Faktum, ganz ohne große Ansage.

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