Gerald Enzinger

23.04.2012
12:55

Schumachers Gummi-Problem

von Gerald Enzinger

Wie die Reifen der neuen Saison eine Legende entblößen.

Michael Schumacher ist der Verlierer der Stunde in der Formel 1. Bei Mercedes gerät er, nach einem starken Start in die Saison, gegen Nico Rosberg wieder ins Hintertreffen. Kimi Räikkönen rast schon im vierten Rennen um den Sieg mit und aufs Podest - einen Ort, den Schumi in den 42 Rennen seit seinem Comeback nicht gesehen hat. Und die Schuld findet er, wieder einmal, an einem anderen Ort: Heftig kritisiert der siebenfache Weltmeister die Unberechenbarkeit der Reifen, deren Einfluss auf die Rennen zu groß sei.

Als es in der Formel 1 noch kein Testverbot gab und Schumacher mit den schier unendlichen Budgets von Ferrari und Bridgestone zehntausende Übungskilometer abspulte und die Konkurrenz so nach den ganz logischen Gesetzen der Marktwirtschaft hinterherhecheln musste, hat es Schumacher nicht gestört, dass die Reifen die Rennen entschieden.

Jetzt, so sagt er, sei es nicht gerade spektakulär, wenn man manche Kurven nur mit 60 oder 70 Prozent fahren könne.

Was für ein Unsinn. Kein Mensch, kein Fan kann von der Tribüne aus erkennen, ob ein Rennwagen mit 170 oder 195 in eine Kurve fährt. Sehr wohl aber sieht er die spannendste und in der Breite ausgeglichenste Formel 1 aller Zeiten: Vier Teams haben in den ersten vier Rennen gewonnen, alle 18 (!) Fahrer der arrivierten Rennställe haben schon gepunktet, und am Podium stehen immer völlig andere Leute. Das Reifen-Management trägt seinen Teil dazu bei, weil es heuer noch unberechenbarer ist als zuvor. Es fördert die Intuitions-Piloten wie Kimi Räikkönen oder Sebastian Vettel, und es ist ein Alptraum für die reinen Streber, die immer Ordnung wollen - wie Michael Schumacher.

Auch Jenson Button zeigt sich ein bisschen ratlos: "Im vergangenen Jahr bauten die Reifen auch schon stark ab, doch wir verstanden die Pneus. In diesem Jahr werden wir einfach nicht schlau aus ihnen", meint der McLaren-Pilot. "Das soll jetzt aber keine Entschuldigung sein."

Das ist eben der Unterschied: Gentleman-Driver Button sieht die ganze Herausforderung, die von den Piloten weitere Skills verlangt und alles noch spannender macht. Andere suchen nur Ausreden.

 

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