Vettel Mensch Maschine Teamplayer
 

Vettel: Mensch, Maschine, Teamplayer

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  • 26.11.2012 | 08:16 | (sport10)

    Was machte Vettel zum Dreifach-Weltmeister? sport10.at begab sich auf Spurensuche und fand drei Faktoren, die Vettel heuer zum Platz an der Sonne führten.

    "Man hat uns alle Steine in den Weg gelegt, doch es hat sollen sein", sagte Sebastian Vettel nach seinem dritten Weltmeistertitel in Serie. Mit einem großen Kraftakt schrieb Vettel Geschichte, krönte sich zum jüngsten Dreifach-Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Im Endklassement machte der Unterschied zu Fernando Alonso lediglich sechs Punkte aus.

    Sechs Punkte, die am Ende über großen Erfolg und bittere Enttäuschung entschieden. Was machte Vettel heuer stark? sport10.at mit drei Siegfaktoren.

    Faktor Mensch

    Als Doppelweltmeister in die Saison präsentierte sich Vettel in seinem Red Bull heuer nicht so dominant wie in den Jahren zuvor. In den ersten 13 Saisonrennen reichte es für den Deutschen "nur" zu einem Sieg. Für einen, der das Champion-Gen zu seinem Erbgut zählt, eine harte Zeit. Vettel wirkte für die Öffentlichkeit oft dünnhäutig, speziell bei den ersten Statements kurz nach einem Rennen. Auch weil bei dem Sonnyboy der Spagat zwischen Sieg und Niederlage heftiger wirkt, als bei den Konkurrenten Fernando Alonso und Lewis Hamilton.

    Doch selbst diese Eigenschaft hängt mit dem dritten Weltmeistertitel in Folge zusammen, wie Gerald Enzinger, Formel-1-Experte der SportWoche und Vettel-Kenner, erklärt: "Er lebt die Emotionen auch im negativen aus. Danach hat er einen totalen Reset. Eine Stunde nach dem Rennen ist er wieder nach vorne gerichtet und freundlich wie immer. Das ist der Unterschied zu Leuten, die in der Niederlage so mit sich hadern, dass sie in einer Negativspirale gefangen sind."

    Für Enzinger der Knackpunkt in dieser Saison: "Als Vettel in Monza ausgeschieden ist. Jeder dachte, die WM ist für ihn vorbei, er selbst sagte die Chancen sind wie eh und je." Der Mensch Vettel reifte an der Erfahrung der letzten Jahre. Das Leben auf der Überholspur der Königsklasse prägt eben, was sich nicht zuletzt im letzten Rennen der Saison beweisen sollte. Trotz Drehers in der ersten Runde, trotz Regens, trotz Problemen am Boxenfunk fuhr Vettel das Ergebnis ein, welches ihm zum dritten Weltmeistertitel in Serie reichen sollte.

    Faktor Technik

    Der RB8  - von Beatles-Fan Vettel heuer "Abbey" getauft - war nicht immer die Herzdame des 25-Jährigen. Motorsport-Experte Alexander Wurz erklärt gegenüber der SportWoche, warum: "Sie hatten eine viel zu aggressive Aerodynamik. Wenn das Auto in der Kurve seitlich rutschte, war es zu inkonstant – damit konnte der Vettel nicht leben. Bei dem muss das Auto an der Hinterachse etwas rutschen, und jetzt musste er plötzlich zwei, drei Mal in die Kurve einlenken." Was Vettel braucht, zeigte er bei den Wintertests in Barcelona: "Reinfahren, hinten rutschen, genau wissen, was passiert."

    Darum war sein Teamkollege Mark Webber zu Beginn der Saison auch besser unterwegs als der jetzige Weltmeister. Wurz: "Webber rutscht nicht mit der Hinterachse, sondern macht alles mit der Vorderachse. Er stellt das Auto dann so ein, dass er leichtes Untersteuern und kein Übersteuern hat. Deshalb war er am Saisonanfang zum Teil besser als Vettel. Sein Fahrstil verlangt nicht, dass das Auto rutscht."

    Als sich das Team bei der Entwicklung wieder auf Vettel konzentrierte, drehte sich der Spieß um. "Weil der Vettel wieder in seinem natürlich Fahrstil ist. Der Mark ist nicht schlechter, aber der Sebastian kann jetzt mit dem Auto wieder so fahren, wie er will. Er fährt in die Kurve, das Auto rutscht ganz leicht, und er steuert den Grip alleine über die Hinterräder. So spürt er das Auto. Das siehst du auch beim Zuschauen. Das konnte er vorher nicht, weil die Aerodynamik nur in einem schmalen Fenster funktioniert hat." Den Vorwurf, dass Vettel nur aufgrund des Zauberboliden in dem er sitzt Weltmeister wurde kann man übrigens nicht so stehen lassen. Immerhin hat es Teamkollege Webber mit dem gleichen Mateial in den Jahren zuvor nie geschafft, Vizeweltmeister zu werden.

    Faktor Team

    Vettel ist nicht nur ein Fahrer bei Red Bull Racing, er ist ein inniger Teil des Teams. Es ist seine Heimat, hier hat er sich seine Homebase aufgebaut. Experte Enzinger: "Vettel hat das Vertrauen des Teams gerechtfertigt. Wenn du auf ihn gesetzt hast, ist er gekommen." Außerdem harmonieren er und Superhirn Adrian Newey perfekt. "Newey weiß, dass es nur wenig Leute gibt, die sein Auto fahren, wie es ist. Umgekehrt weiß Vettel, was er an Newey hat.

    Auch von Newey abwärts wird der nunmalige Dreichfachweltmeister respektiert und geschätzt. Das Zauberwort: Kommunikation. Schon zu seiner Zeit bei Torro Rosso schnappte er schnell einige italienische Floskeln auf, um mit den Mechanikern kommunizieren können. Bei Red Bull war es nicht anders, er weiß, wie er den britischen "Schme" bei der größtenteils britischen Belegschaft anwenden muss. In ernsten Zeiten weiß er, wann er das Wort ergreifen muss. Sind die Mechaniker zu einer Nachtschicht gezwungen, ist Vettel der erste, der sich für die Überstunden entschuldigt.

    Dieser gegenseitige Respekt, das Vertrauen, sein persönlicher Reifeprozess verbunden mit dem großen fahrerischen Können - schlag nach bei Interlagos - brachten ihn nun zu seinem dritten Weltmeistertitel in Folge.

     

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