Austin Vettels Kroenung Ecclestones
 

Austin: Vettels Krönung, Ecclestones Rettung?

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  • 16.11.2012 | 07:04 | (sport10)

    Sebastian Vettel könnte sich bei der Premiere in Texas erneut zum Weltmeister krönen. Doch auch im Hintergrund ist es spannend: Der Austin-Grand-Prix muss ein Erfolg werden.

    Auf eine Konstante kann sich der Formel 1-Zirkus vor dem US-Grand Prix in Austin (Texas) auf jeden Fall verlassen: Macht Sebastian Vettel beim kommenden Premierenrennen 15 Punkte mehr als sein Konkurrent Fernando Alonso, kann ihm die WM-Krone niemand mehr streitig machen. Gelingt ihm das nicht, spitzt sich das WM-Rennen zu bis zum Finale in Sao Paulo (25.11.). Ist aus sportlicher Sicht für Zündstoff gesorgt, brodelt es hinter den Kulissen ganz gewaltig.

    Warum Austin ein Erfolg werden muss

    Das Rennen auf dem "Circuit of the Americas" ist für das Unternehmen Formel 1 und Boss Bernie Ecclestone vielleicht die letzte Chance, auf dem so wichtigen US-Markt Fuß zu fassen. Denn bisher war die Beziehung zwischen der Königsklasse des Motorsports und der US-Bevölkerung mehr ein Rosenkrieg, als eine Liebesbeziehung.

    Einen US-Grand Prix gibt es schon seit 1961. In Watkins Glen wurden bis 1980 Rennen gefahren, danach wollte man sich was neues suchen, auch aufgrund gravierender Fanprobleme am alten Standort. Viele Projekte scheiterten. Der Grand Prix von Long Beach - bekannt auch als das "Monaco der USA" war nur ein Name hinter einem leeren Rennen. Das Rennen in Las Vegas, auf dem Parkplatz (!) des Caesars Palace gilt noch heute als eine der schlechtesten Strecken aller Zeiten. Da half auch das vorbildliche Motiv - Las Vegas das Mafia-Image abzuwaschen - nur wenig. Der Rennversuch in Phoenix endete unfreiwillig unter Ausschluss der Öffentlichkeit - mangels Interesse der Bevölkerung.


    Austin scheint bereit zu sein.

    Die Schande von Indianapolis

    Wie eine schwarze Regenwolke über Austin hängt auch nach wie vor die "Schande von Indianapolis" im Jahr 2005, als aufgrund des Reifenfiaskos nur sechs Autos am Grand Prix teilnahmen. Die wenige Anerkennung, die man bei den an sich motorsportverrückten Amerikanern noch hatte, war somit endgültig dahin.

    Nach Indianapolis schien die Formel 1 in den USA endgültig am unteren Ende der Popularität angekommen zu sein. Kein Rennen, kein Rennstall, kein Pilot mit US-Wurzeln. Das Teamprojekt USF1 wurde im Jahr 2009 ins Leben gerufen, um 2010 als gescheitert bezeichnet zu werden. Selbst das Rennen in Austin stand lange an der Kippe, wurde von Ecclestone zwischenzeitlich bereits für tot erklärt.

    Die Formel 1 hat in den letzten Jahren nicht genug Wert auf Entertaiment gelegt

    Die Cowboys und die "neue" F1 sollen es richten

    Jetzt sieht die Welt anders aus. Austin, als weltoffene Stadt im so konservativen Texas bekannt, soll das Rennen ankurbeln. Der Rennsonntag ist ausverkauft, 200 Millionen Euro Umsatz sollen fließen. Gekostet hat der Kurs, der großteils von privaten Investoren finanziert wurde, 400 Millionen US-Dollar. Die Stadt strengt sich an. Ein "Fan-Fest" findet während des gesamten Grand-Prix-Wochenendes statt, an der Strecke laufen die letzten Arbeiten auf Hochtouren. Eine Zeitung veröffentlicht noch einen "Crash-Kurs", um die Formel 1 zu verstehen. Denn hier liegt der Hund begraben.

    Für die US-Zuschauer war die Formel 1 bisher nicht nur wegen des fehlenden Bezugs unattraktiv, sondern auch wegen der komplizierten Herangehensweise. "Der nordamerikanische Sport konzentriert sich stark auf Entertainment und die Formel 1 hat über die Jahre vielleicht nicht genug Wert darauf gelegt", erklärt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Technische Dinge wie DRS sollen jetzt Abhilfe schaffen.

    "Die Formel 1 ist viel unvorhersehbarer und als Konsequenz viel unterhaltsamer als vor ein paar Jahren." Bei den Fahrern, die die neue Rennstrecke jedenfalls als unterhaltsam einstufen, sieht die Sachlage nochmals anders aus. Neben dem WM-Fight zwischen Vettel und Alonso sind noch ganz andere Dinge ein Thema. "Hoffentlich sehe ich dort ein paar Cowboys", wünscht sich Sauber-Pilot Kamui Kobayashi. Der Formel 1 ist eben jedes Hilfsmittel recht.

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