Dane Herron baut gerade einen Traum von Strecke...
 
  • Bild: (c) Jörg Mitter/Red Bull Photofiles
  • Senden
  • Drucken

Rockstar unter Kursbauern

Hast du jemals davon geträumt, deinen Hinterhof in einen MotoX-Spielplatz umzubauen? Da gibt es einen Menschen, der dir mit Sicherheit alle Wünsche erfüllen kann: Dane Herron, Designer und Erbauer der X-Games und X-Fighters FMX-Strecken. Der Rockstar unter den Kursbauern gab Espn.com ein Interview.

06.11.2009 | 00:00 | (sportnet.at)

Espn.com: Du hast mal mit (X-Games Goldmedaillen-Gewinner) Tommy Clowers und Jeff Tilton zusammen gelebt. Wieso bist du nicht FMX-Star geworden?
Dane Herron:
„Der Grund ist ziemlich einfach: Zu dieser Zeit haben FMX-Typen nicht viel Geld gemacht – sie sind sich ihre Ärsche wund gefahren und haben verrückte Dinge getan und ich hatte die Wahl, entweder das zu tun, oder mir etwas Besseres zu überlegen. Ich habe damals schon Motorrad-Strecken gebaut oder zumindest gerade damit angefangen und ich hatte professionelles Foto-Equipment – also entschied ich mich, beides zu tun. Ich konnte weiter networken, mehr Geld mit Fotos und Baujobs verdienen und noch immer zum Spaß fahren.“

Wo hast du gelernt, wie man Strecken baut?
„Ich habe mein ganzes Leben im Baugewerbe gearbeitet. Als ich 18 Jahre alt war, habe ich für einen Freund von meinem Dad gearbeitet – sein Name war Carl Scanlon und er managte Glen Helen und einige lokale Motocross-Strecken. Mit Carls Equipment Motocross-Strecken zu bauen und sie dann samstags und sonntags zu fahren, das ging einfach Hand in Hand.“

Mit welchem Gerät arbeitest du am Liebsten?
„Meine Lieblingsgeräte sind die Kompaktlader, weil wenn ich sie einsetze, mache ich die Strecke gerade fertig. Die Take-Offs mit dem Kompaktlader zu bauen ist für mich der Heilige Gral ganz zum Schluss.“

Was war dein härtester Bau-Job?
„Wahrscheinlich die X-Games 2008. Durch die Erweiterung um die Adaptive Racing und Speed&Style Contests und die große Anzahl an Events haben wir die Arbeit einfach unterschätzt. Ja, auf jeden Fall X-Games 2008… Nein, warte! Am Härtesten war die Strecke für die Red Bull X-Fighters Germany 2008. Einfach nur wegen dem Wetter: Es hat jeden einzelnen Tag geregnet und wir mussten alles umändern. Es war auf jeden Fall Deutschland.“

Was gefällt dir an deinem Job am Besten?
„Die erste Runde des Trainings. Diese Jungs zu sehen, wie sie begeistert die Daumen hoch halten und mir sagen, wie gestoked sie sind. Das macht die ganze Arbeit wett.“

Du bist schon eine Weile im Geschäft und hast viel gesehen – wen im FMX-Zirkus bewunderst du am meisten?
„Travis Pastrana bewundere ich wirklich, ich denke am meisten von allen. Ich bewundere viele Leute für verschiedene Dinge, aber Travis ist ein Typ, der sich nie beschwert, nie zickt oder jammert… ich glaube sein Motto ist ‚Hoch mit dem Selbstbewusstsein und tu es einfach – wusch!’. Das bewundere ich wirklich.“

Wie oft kommst du selbst zum Fahren?
„Ich komme nie dazu! Als ich aufgehört habe für Red Bull zu bauen, dachte ich, das wird großartig. Ich wollte wieder Dirt Bike Strecken bauen und jeden Morgen vor der Arbeit fahren. Ich habe mir eine brandneue 450 gekauft und bin in den letzten zwei Jahren fünf Mal damit gefahren.” 

Welche Strecke, die du heuer gebaut hast, hat dir am meisten Spaß gemacht?
„Entweder Texas X-Fighters oder ESPN Moto-X World Championships. Bei den Championships konnte ich zum ersten Mal alle verschiedenen Events auf einem Feld integrieren und das war wirklich spannend. Aber wenn ich an einen reinen Freestyle-Kurs denke, waren es die Texas X-Fighters.“

Auf Seite zwei erfährst du mehr über die Zukunft des FMX... Was hast du bis jetzt noch nicht in einen Freestyle-Kurs integriert?
„Ich will große Drops bauen, einige Step-Downs und Step-Ups. Eine Quarterpipe mit ins Programm zu nehmen war ein großes Ding, aber ich glaube nicht, dass sie genug genutzt wurde… Ich habe auch andere Ideen, aber die gehen mehr in Richtung Freeride.“

In welche Richtung geht FMX deiner Meinung nach in Zukunft?
„Das werde ich die ganze Zeit gefragt. In gewisser Weise habe ich das Gefühl, dass es ein bisschen stirbt, aber das kommt daher, dass die Jumps gerade sind. Ich meine, dank den X-Fighters und den X-Games werden manche Kurse jetzt mehr im Park-Stil gebaut und die Leute verstehen, dass alles viel spannender wird, wenn wir diese Kurse im Park-Stil bauen, mit mehr original Freestyle-Designs. Dann wüsste man nicht immer vorher, was gezeigt wird. Nicht jeder würde dieselben Jumps fahren und es gäbe eine Variation in den Läufen. Das wäre überraschend und um vieles spannender.“

Wer sind momentan deine Top drei Fahrer?
„Mat Rebeaud, Nate Adams und immer Twitch (Jeremy "Twitch" Stenberg). Twitch hat einfach den coolsten Style von allen, Nate ist einen unglaublich langen Weg gekommen und Mat ist der Techniker.“

Was war der bisher beste Moment deiner Karriere?
„Die Double-Section bei den X-Games in Philadelphia zu bauen und dann Mike Metzger zwei Back-To-Back Backflips drüber springen zu sehen. Es war ein ziemlich aufregender Tag und er ging für uns alle in die Geschichte ein. Für mich war es eine wirklich spannende Zeit. Und nicht zu vergessen, die gute Zeit, die wir in Philadelphia hatten.“

Es gab mal eine Zeit, als du deine Designs auf Servietten und andere Papierfetzen gezeichnet hast. Ist das noch immer so?
„Die Servietten hielten länger, als ich dachte. 24 Stunden bevor wir die Designs abgeben mussten, lief das meistens so: ‘Ok, wir müssen ein Design fertig kriegen, morgen ist es fällig. Also, bestellt mir zwei Bier und bringt mir eine Serviette!’ (lacht). Aber wir sind mittlerweile einen weiten Weg gegangen. Es ist wie in jedem Business eine Evolution da. Du musst besser werden und du bekommst verschiedene Anfragen von Kunden. Es ist, wie wenn du in einem Sport besser werden willst – ich sehe meinen Job wie einen Sport und ich will jeden Tag besser werden. Ich bin von Servietten auf SketchUp (Google 3D Design Programm) umgestiegen und ich bin sicher, eines Tages wird es CAD sein, aber SketchUp ist schon ein ziemlich großer Schritt.“

In früheren Tagen war ein professioneller Kursbauer ja fast eine Märchenfigur. Wie fühlt es sich an, an einem Punkt angekommen zu sein, wo das wirklich etwas ist, womit man Geld verdient? Dachtest du, dass es mal so kommt?
„Ehrlich, wenn du mich vor zehn Jahren gefragt hättest, hätte ich gesagt: ‚Ja, genau! Ich mache etwas komplett Neues, das wird sicher irgendwann zu Ende gehen’. Zu wissen, dass es jetzt mein Job ist und mich täglich Leute wegen irgendwelchen speziellen Strecken anrufen, ist unglaublich, und ich bin glücklich, diesen Job zu haben.“

Hier geht’s zur englischen Langfassung des Interviews aus espn.com.
Mehr auf sportnet.at
    Mehr im Web