Toni Huemer

05.02.2013
14:06

Insel der Schurken?

von Toni Huemer

Im Fadenkreuz der Wettbetrugsermittler: Immer wieder, Österreich!

Europol hat nach 18 Monaten Ermittlungsarbeit eine Angst einflößende Bilanz vorgestellt: 425 Personen - Schiedsrichter, Spieler, Kriminelle - werden verdächtigt an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. 680 Matches in 30 Ländern stehen im Fokus. 50 Personen wurden bereits in Haft genommen.

Wühlt man sich weiter durch den Datenberg, tauchen Details auf, die den heimischen Verantwortlichen den Angstschweiß auf die Stirn treiben wird. Nach anfänglichen Ermittlungen in Deutschland, Finnland und Ungarn wurden sie auf Slowenien und Österreich ausgeweitet. Europaweit die größte Zahlung an eine Einzelperson gab es auch hierzulande.

Die britische BBC berichtet von einer Zahlung von 121.000 Pfund (umgerechnet etwa 139.000 Euro). Österreich eine Insel der Seligen? Sicher nicht in Sachen Spielmanipulationen, eher schon eine Insel der Schurken. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren massive Verdachtsmomente. Rausgekommen ist dabei verdammt wenig. Was im Ausland immer wieder für Kopfschütteln sorgte. In der Schweiz oder selbst in Kroatien griffen Politik und Sportverbände viel schneller durch. Ein Top-Insider: "Die Rahmenbedingungen für Wettbetrüger sind in Österreich ideal. Fast in allen anderen Ländern ist das Risiko aufzufliegen größer."

Die übliche Reaktion hierzulande zusammengefasst: Nur keine Wellen. So lautete auch der Titel einer Exklusiv-Story im Sportmagazin im Frühjahr 2012, in der das laxe Vorgehen in Österreich angeprangert wurde. Seit Jahren verfolge ich die Reaktionen der Big Player: Große Worte, ja. Große Taten, um mit den Missständen aufzuräumen? Selbst wenn man die Lupe zückt: Nein.

Aber es soll von meiner Seite nicht immer nur lamentiert werden. Denn hinter den Kulissen tat sich nach Jahren des Tiefschlafes zuletzt doch etwas. Im Sommer berichtete ich für die SportWoche von der Gründung einer Organisation, die sich der Bekämpfung der Spielmanipulationen in Österreich verschrieben hat. Die offizielle Bezeichnung klingt sperrig: "Verein zur Wahrung der Integrität im Sport."

Als glaubwürdiges Gesicht konnte Ex-Rapid-Präsident Günter Kaltenbrunner verpflichtet werden. Was mich allerdings stutzig macht: Die Präsentation der lobenswerten Initiative (die von Sportminister Norbert Darabos ausging) wurde immer wieder nach hinten verschoben. Warum? Fehlen die Mittel? Mit welchen Kompetenzen ist der Verein ausgestattet? Bleibt man auf halbem Wege stehen? Der Europol-Weckruf sollte auch die letzten Zauderer überzeugen. Es muss etwas passieren. In Österreich. Sofort. Von der Prävention bis hin zur Jagd auf die Hintermänner. Es gibt viel zu tun. JETZT.

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