Manfred Behr

24.02.2011
17:52

Aussage gegen Aussage

von Manfred Behr

Es kommt mal wieder Bewegung in die Doping-Thematik. Zeit wird's.

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  • Es kommt mal wieder Bewegung in die Doping-Thematik. Zeit wird's. 23 Monate ist es her, dass Walter Mayer in Untersuchungshaft genommen wurde, 23 Monate, in denen nichts unversucht gelassen wurde, dem ehemaligen ÖSV-Langlauf- und Biathlon-Verantwortlichen die Weitergabe von Dopingmitteln nachzuweisen. Selbst bei Gastwirten nahe Mayers Wahlheimat Anger wurde ermittelt. Herauszukommen scheint nun wenigstens eine Anklageschrift - und wohl ein Verfahren im Mai, an das zwischenzeitlich nur mehr die wenigsten glaubten.

    Der durchgesickerte Inhalt der Anklageschrift lässt vermuten, dass nicht rasend viel neue Munition gesammelt werden konnte. Im Mittelpunkt steht nach wie vor das vermutete Doping-"Netzwerk", dessen sich Walter Mayer bedient haben soll. Dessen Schlüsselfiguren: ein gebürtiger Villacher, der eine Apotheke in Wien-Simmering betrieben hat, und dessen Landsmann Karl-Heinz R., ehemals F., der als Bodybuilder und Hobby-Langläufer einschlägige Erfahrungen in Sachen Doping gesammelt hat und mit Mayer ins Geschäft gekommen sein will, nachdem er am Dach von dessen Radstädter Haus professionell Hand angelegt hatte. R. und dessen frühere Lebensgefährtin berichten von mehrmaligen Besuchen in Kärnten und einigen Übergaben von EPO, Dynepo und anderen Doping-Substanzen. Mayer jedoch will lediglich potenzsteigernde Mittel und eine Katze erstanden haben.

    Selbst wenn Richterin Lewy dem Dachdecker Glauben schenkt - eng könnte es für Mayer nur dann werden, wenn man ihm die Weitergabe dieser Dopingmittel, speziell nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetztes am 8.8.2008 nachweist. In den Vernehmungen der SOKO Doping deutete nichts darauf hin, alle mit Mayer in Verbindung stehenden Sportler bestreiten, entsprechende Substanzen konsumiert, geschweige denn von Mayer entgegen genommen zu haben. Gut möglich, dass sie (als Zeugen werden die Langläufer Christian Hoffmann, Jürgen Pinter, Roland Diethart, der Biathlet Wolfgang Perner und Ex-Weltmeister Alois Stadlober geladen) diese Version auch vor Gericht zum Besten geben.

    Für Aufsehen sorgte zudem die Ankündigung der Staatsanwaltschaft, gegen Ex-Rad-Ass Georg Totschnig und Ex-Langlauf-Weltmeister Michail Botwinow Verfahren wegen falscher Zeugenaussagen anzustrengen. Im Fall von Totschnig steht Aussage gegen Aussage: Mayers Ehefrau Gerlinde hatte einst darüber schwadroniert, dem Tiroler vor dessen Etappensieg bei der Tour de France 2005 Blutbeutel überbracht zu haben, ob drei Zeugen ihre gleichzeitige Anwesenheit in der Steiermark bezeugen. Auch Totschnig bestreitet. Vermutlich zurecht. Der wahre Kurier blieb bisher unentdeckt, wie Insider zu wissen glauben. Michail Botwinow wiederum wird, wie auch Totschnig, mit der Wiener Plasmapherestation Humanplasma in Verbindung gebracht. Dort kann sich aber niemand mit absoluter Sicherheit an die beiden "Patienten" erinnern. Transfusionsmediziner Professor Paul Höcker zog sich bereits im Prozess gegen Marathonläuferin Susanne Pumper auf diese Position zurück.

    Egal, wie dick oder dünn die Suppe der Anklageschrift sein wird. Der Prozess gegen Mayer wird alles bieten, was das Herz des Gerichtskiebitz höher schlagen lässt. Ein Stück Justizgeschichte. Nicht mehr, aber sicher nicht weniger.

     

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