Daniel Kendler

17.12.2012
09:46

Stöger: Eine Win-Win-Situation

von Daniel Kendler

Was ihn zur Nummer eins in Österreichs Coachingzone macht.

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  • Zugegeben, als Austria-Berichterstatter hat man es in dieser Saison um einiges leichter als noch im Frühjahr. Wenn es so rund läuft, wie derzeit bei den Veilchen, sind die Spieler gesprächiger, die Verantwortlichen und Fans besser gelaunt und die Geschichten über die verschiedenen Erfolgsfaktoren fliegen dir nur so zu. Den Löwenanteil daran, dass mir das Berichten und der Austria das Spielen leicht fällt, hat in meinen Augen Peter Stöger.

    Ich kann mich noch gut an seine Bestellung erinnern. Damals war von der jetzigen Euphorie noch nichts zu spüren. Im Gegenteil, nach dem Vastic-Fehlschlag wurden schnell erste Stimmen laut, die die Stöger-Lösung als - gelinde ausgedrückt - als suboptimal bezeichnet haben. Wieder einer dieser Trainer, die über die Spielerlaufbahn zum Trainerjob gekommen sind. Was damals noch schlimmer war: Durch die Absage von Franco Foda musste sich Stöger rasch mit dem Image der zweiten Wahl auseinandersetzen. Wie ging der jetzige Erfolgscoach damit um? Er machte einfach keine große Sache daraus.

    Im Gegenteil, er nimmt sie sogar mit Humor. Im aktuellen Sportmagazin sagt Stöger über Foda: "Wir haben uns im Herbst im Sky-Studio getroffen, da habe ich mich vorweg einmal dafür bedankt, dass er nach Deutschland gegangen ist." Es ist diese offene Art, die Stöger in der Mannschaft so beliebt macht. In zahlreichen Interviews schwärmen die Veilchen von ihrem Trainer, dreht man das Mikro ab, geht das schwärmen weiter. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man weiß, was man oft Off-Records serviert bekommt.

    Stöger hat in Sachen Teambuilding alles richtig gemacht, sein gezielter Zuwachs im Sturm namens Philipp Hosiner lässt Tore für sich sprechen. Das Thema Roland Linz hingegen lässt Stöger gar nicht erst aufkochen. Die einfachste, aller Strategien: Er macht keine große Sache daraus.

    Der pure Realismus und der unbeirrte Weg, den er mit seinem Trainerteam geht, machen ihn für mich derzeit zum besten Mann in Österreichs Coachingzonen. Bei fast allen Klubs der heimischen Liga stand in dieser Saison der Trainer schon mal am Pranger. Peter Schöttel kämpfte bei Rapid mit der Doppelbelastung, Salzburgs Roger Schmidt mit dem Düdelingen-Trauma, Peter Hyballa mit seinen ständigen Rotationen, Didi Kühbauer mit der Gegentorflut, Ried und Wacker tauschten den Coach überhaupt aus. Und was macht Stöger? Der lacht von oben, nur eine große Sache macht er daraus nicht. Noch nicht.

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      1. ist (schon immer) Redakteur von sport10.at

        studiert (noch immer) an der Uni Wien Medienwissenschaften.

        spielt letztklassigen Fußball ohne Erfolg und liebt es.

        findet, dass seine Heimat Ebensee unterschätzt wird.

        maturierte in der Tourismusschule, kann jedoch nicht kochen.

        hat zwei Schuldirektoren als Eltern, mag trotzdem keine Beistriche.

        ging am 29.12.11 Skispringen und hat es überlebt.

        singt sich in kleinen Bands die Seele aus dem Leib.

        ist Technik-Spielzeug-Freak.

        sah 3/4 seiner gelben Karten wegen Kritik.

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