Christoph König

07.02.2013
14:00

Schlierenzauer beim Heurigen?

von Christoph König

Adler über Wien: 14.000 Kids, ein großes Talent & Hirngespinste.

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  • Nicht jede Geschichte, die einem jemand auftischt, ist auch eine Story. So geistern derzeit Pläne von einer Skisprunganlage am Cobenzl durch die Österreichischen Boulevardmedien. Zitiert wird dabei ein Döblinger Wirt, der für das Projekt Feuer und Flamme sein soll. Die Heurigengäste sollten besser nicht allzu enttäuscht sein, wenn nicht bald Gregor Schlierenzauer an ihrem Stammtisch vorbeifliegt, sind die Chancen dafür laut einem echten Insider doch sehr gering. Aber man lässt sich gerne eines Besseren belehren.

    Freilich böten die reinen Fakten zum Thema "Skispringen in Wien" genug Brisantes und Berichtenswertes. So hat der 16-jährige Mario Mendel, den die SportWoche schon vor zwei Jahren im Zuge einer Story über die Wiener Stadtadler vorstellte, gerade seinen ersten Austria-Cup in Hinzenbach gewonnen - als einziger Wiener unter 26 Startern! Damit darf er als erster Adler aus der Bundeshauptstadt Österreich beim European Youth Olympic Festival (EYOF) in Rumänien vertreten. Bereits letzten Sommer wurde er in der Edel-Talenteschmiede Stams aufgenommen. Vielleicht kommt damit tatsächlich endlich Bewegung in die seit Jahren festgefahrene Idee von einer Kinderschanze in Wien.

    (c) Christian Hofer
    Jugendspiele statt U-Bahn: Mario Mendel (li. beim SportWoche Shooting) ist Wiens größtes Skisprungtalent. Er vertritt Österreich beim European Youth Olympic Festival.

    Das Interesse der Wiener Kids am Skispringen ist jedenfalls gewaltig. Zwischen Oktober und April werden beim Superadler-Wettbewerb heuer bereits zum dritten Mal Talente gesucht und mit einem Testparcour in Schulen gescoutet. Als Zugpferd dient niemand geringerer als Thomas Morgenstern. Die Organisatoren können sich vor Teilnehmern gar nicht erwehren. Beim ersten Mal waren bereits 2.000 dabei, dann 6.000 und heuer sind es unglaublicherweise bereits 14.000 Schüler. 180 qualifizieren sich für den Abschlussbewerb im April. Die 25 Sieger dürfen bei einem Trainingslager in Mürzzuschlag auf eine Skisprungschanze gehen. Andi Goldberger tingelt mit seinem "Goldi-Cup" durch ganz Österreich und schwärmt vom Talent seiner Wiener Teilnehmer.

    Ex-Skispringer Christian Moser, der mit seinen Wiener Stadtadlern seit vielen Jahren mühsame Pionierarbeit leistet, hat mittlerweile bereits 40 Mädchen und Buben in seinem Skisprungklub. Und das, obwohl seine Junghüpfer regelmäßig die eineinhalb stündige Fahrt zum Training nach Mürzzuschlag auf sich nehmen müssen. Jene kleine Anlage, auf der auch mein geschätzter Kollege Daniel Kendler seine ersten Skisprungversuche startete.

    Jene, auf der unser Fotograf Christian Hofer (ist selbst als Kind skigesprungen) das erste Shooting mit Wiener Skispringern machte. Und die Schanze in Rasnov auf der Mendel beim EYOF abhebt, durften die SportWoche und sport10.at bereits im Vorjahr im Zuge einer Rumänien-Reise in Lokalaugenschein nehmen. Sie sehen, wer sich wirklich mit der Materie beschäftigt, hat genug Geschichten im Köcher. Freilich würden die Wiener Skisprungkids vor Freude Luftsprünge machen, würde sich die Idee von der "Heurigenschanze" am Cobenzl nicht nur als Hirngespinst entpuppen.

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