Natuerlich schaut Wehmut
 

"Natürlich schaut man mit Wehmut zu"

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  • 28.02.2012 | 16:45 | (sport10)

    Einst galt Michael Zaglmair als Österreichs größtes Keeper-Talent. Doch die große Karriere blieb dem U20-WM-Helden versagt. Im sport10.at-Talk erklärt er, warum - und zieht Parallelen zu Heinz Lindner.

    Im Jahr 2007 war Michael Zaglmair am Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Bei der U20-WM in Kanada hatte er mit seinen Alterskollegen überrascht und war bis ins Halbfinale vorgestoßen. Zusammen mit Bartolomej Kuru und Andreas Lukse war er das Rückgrat einer Mannschaft, die schließlich den vierten Platz belegte.

    Österreich schien damals eine Goldene Generation an Tormännern heranzuwachsen. Doch mittlerweile ist das Helden-Trio von einst vom ÖFB-Radar verschwunden. Eine ganze Torhüter-Generation - einfach weg.

    Ex-LASKler Zaglmaier spielt mittlerweile beim SV Horn in der Regionalliga. Dort will er den nötigen Anlauf nehmen, um den Turnaround zu schaffen. Auf sport10.at spricht der 24-Jährige über die Gründe seines Neustarts, fehlende Generationen im Nationalteam und Österreichs Torhüter-Problem. Außerdem warnt er die Austria, bei der Keeper-Talent Heinz Lindner zwischen Platz und Bank pendelt. Eine Situation, die Zaglmair nur zu gut kennt.

    sport10.at: Michael, am Mittwoch spielt Österreich gegen Finnland, womöglich mit Robert Almer im Tor. Denkst du dir manchmal: "Das könnte jetzt ich sein"?

    Michael Zaglmair: Natürlich schaut man da ein bisschen mit Wehmut zu, aber man kann es im Moment eben nicht ändern. Das Ziel eines jeden Fußballers ist die Nationalmannschaft, und auch meines war bzw. ist es, mein Land zu vertreten. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Ich hatte mit Vereinswechseln eben viel Pech, darum hat es nicht geklappt.

    Vor wenigen Jahren galtst du noch als vielversprechender Mann für's Nationalteam, jetzt bist du von dem Posten weit entfernt. Was ist passiert?

    Beim LASK habe ich leider nie das Vertrauen bekommen, dass ich mich über einen längeren Zeitraum beweise. Entweder ist mir zu Saisonbeginn eine Verletzung dazwischen gekommen, oder die gesamte mannschaftliche Leistung hat nicht gepasst oder ein neuer Trainer ist gekommen, der auf andere gesetzt hat. Es war einfach ein Hin und Her. Ich habe zehn Spiele gespielt, dann wieder nicht. Und das ist für einen Tormann nicht ideal.

    Keeper-Talent Heinz Lindner muss jeden Spieltag wie du um seinen Platz bangen...

    Konstant zu spielen ist wichtig für junge Torhüter. Es ist einfach ganz normal, dass man eine Partie mal nicht gut spielt oder unsicherer ist. Das kann man nicht abstellen, schon gar nicht am Beginn einer Karriere. Mir kommt vor, dass die Trainer dann oft sagen, man sei zu jung und würde das nicht schaffen. Viele Coaches ändern dann einfach etwas an der Tormann-Position, obwohl das Übel oft ganz woanders liegt. Das ist unser Los als Torhüter.


    Mal spielt er, mal nicht: Heinz Lindner.
    Tun sich Eigengewächse prinzipiell schwerer im Klub?

    Wenn man aus dem eigenen Nachwuchs kommt, ist man vielleicht weniger wert, als Spieler, die verpflichtet wurden. Oft sind Talente aus dem eigenen Nachwuchs besser als irgendwelche eingekauften Spieler, verdienen aber nur die Hälfte. Trotzdem tut sich der Trainer leichter, einen jungen Mann auf die Bank zu setzen, als einen 30-Jährigen, der schon jahrelang in der Bundesliga spielt - und das, obwohl der Junge vielleicht um keinen Deut schlechter ist als der Ältere.

    In Deutschland ist das genaue Gegenteil der Fall. Marc-Andre ter Stegen und Lars Unnerstall rocken die Bundesliga. Was läuft bei uns falsch?

    In Deutschland heißt es: Friss oder stirb. Es zählt die Leistung. Wenn ein Mann das Zeug zur Bundesliga hat, wird ihm die Chance gegeben. Und es ist nicht so, dass er beim nächsten Fehler wieder auf der Bank sitzt. Wenn ein junger Spieler weiß, dass er das Vertrauen vom Trainer, vom Team und den Fans hat, wird er die Leistung bringen. Aber wenn du als Talent immer denken musst: "Okay, das könnte mein letztes Spiel sein", dann ist das natürlich schlecht. In Deutschland herrscht diesbezüglich eine andere Mentalität.

    Lesen Sie auf Seite zwei, warum Zaglmairs Generation im Nationalteam fehlt, Österreich kein Torhüter-Problem hat und was Michael Zaglmair den Jungen empfiehlt.

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