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Konrad: "Haben einen Nachholbedarf"

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  • 11.11.2011 | 08:03 | (sport10)

    Österreich ist auf der Suche nach seiner Nummer eins. Teamtormann-Trainer Otto Konrad spricht über das Trio Lindner, Almer, Grünwald, das Tormannproblem und eine Einbürgerung von Thomas Gebauer.

    Österreich hat keine guten Tormänner mehr, heißt es. In der Vergangenheit erlaubten sich die Schlussmänner zu viele Patzer, um den Anspruch zu stellen, eine klare Nummer eins zu sein. Für das freundschaftliche Länderspiel gegen die Ukraine berief Neo-Teamchef Marcel Koller Heinz Lindner, Pascal Grünwald (beide Austria Wien) und Robert Almer (Fortuna Düsseldorf) ein.

    Hat einer dieser Tormänner das Potenzial, auf Dauer die Nummer eins zu werden? ÖFB-Tormanntrainer Otto Konrad spricht über die Drei, Torwart-Talente, den Unterschied zu Deutschland und eine mögliche Einbürgerung von Thomas Gebauer.

    Herr Konrad, warum wurden gerade Heinz Lindner, Robert Almer und Pascal Grünwald in den Kader einberufen?

    Otto Konrad: Wir haben das Beste, was Österreich zu bieten hat, aufgeboten. Heinz Lindner und Robert Almer kenne ich bereits von der U21. Wir befinden uns jetzt dennoch in einer Kennenlern-Phase. Dadurch, dass mit Heinz und Pascal Grünwald zwei Tormänner von einem Verein dabei sind, ist es schon etwas skurril. Es kommt nicht oft vor, dass von einem Verein zwei Tormänner dabei sind. Bei der Entscheidung diese Drei zu holen, habe ich den Teamchef unterstützt."

    Wir haben das Beste, was Österreich zu bieten hat, aufgeboten.

    In den vergangenen Wochen wurde viel diskutiert. Österreich hätte keinen Spitzentormann mehr. Sehen Sie das auch so?

    In den goldenen Jahren hatten wir einen Topf, in dem vier, fünf fast gleichwertige Tormänner drinnen waren. Die haben alle auf einem sehr hohen Niveau gespielt und wurden mit ihren Klubs international gefordert. Das fehlt uns jetzt vielleicht ein wenig. Ich will aber nicht von einer Krise sprechen. Aber wir haben einen Nachholbedarf in der Quantität. Wir haben Spiele, wo jemand gleich zur zukünftigen Nummer eins auf Lebzeiten auserkoren wird. Wenn ein, zwei Spiele später etwas daneben geht, dann ist die Stimmung wieder im Keller und dann wird auch wieder diskutiert. Wir hatten auch während der Europameisterschaft dieses Gesprächsthema, wo sich eigentlich keiner als klare Nummer eins herauskristallisiert hat.

    Ich will aber nicht von einer Krise sprechen.

    Mit Lindner, Almer und Grünwald sind drei Tormänner dabei und keiner ist ein echter Stammgoalie. Ist das nicht ein Problem?

    Sie sollten über einen längeren Zeitraum bei ihren Vereinen zum Einsatz kommen. Dort sollten sie sich profilieren können. Bei der Austria sieht man das recht gut, die haben ein absolutes Luxusproblem und nachhaltig jemandem die Chance zu geben, ist oft sehr schwer. Unterm Strich muss man sagen, wir haben ein Tormannthema.


    Heinz Lindner wurde zuletzt zur Nummer eins befördert.

    Wie sehen Sie die Situation bei der Wiener Austria?

    Wenn ich ein Vereinsangehöriger der Austria wäre, dann sage ich es ist ein Luxusproblem. Das bin ich aber nicht, sondern genau auf der anderen Seite. Aus ÖFB-Sicht ist es ein Wahnsinn. Es hängt immer davon ab, aus welcher Perspektive man das sieht. Irgendwann einmal kann es zu einem Problem werden.

    Aus ÖFB-Sicht ist es ein Wahnsinn.

    Was fehlt Heinz Lindner zur Nummer eins?

    Heinz hat einen großen Bonus, das ist kein Geheimnis. Er kann uns auf Sicht wirklich weiterhelfen. Heinz hat sehr viel Potenzial, aber er muss es nützen. Was ihm noch fehlt, ist die internationale Erfahrung und die Routine. Wenn wir über die Grenzen schauen, dann wird in Deutschland auf junge Torleute gesetzt. Das Problem in Österreich ist, dass in der Liga die großen Talente zu den großen Vereinen gehen, aber dann auf der Ersatzbank versumpern, weil man ihnen anscheinend doch nicht zutraut, regelmäßig zu spielen. Heinz hat bei der Austria die Gunst der Stunde genutzt. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So ist ein Stern aufgegangen. Wie hell dieser leuchtet und wir stark der in Zukunft leuchten wird, wird man sehen. Die Prognosen sind nicht schlecht. Wenn man sagt, dass Heinz Lindner die klare Nummer eins ist, dem stimme ich nicht ganz zu. Er kann es werden.

    Er kann uns auf Sicht wirklich weiterhelfen.

    Muss man Thomas Gebauer einbürgern, um das Tormann-Problem zu lösen?

    (überlegt lange) Er ist ein guter Tormann, ich habe auch das Heimspiel gegen Bröndby (in der Europa League-Qualfikation; Anm.) gesehen, wo er ein unglaublich gutes Spiel gemacht hat. Die könnten bis heute spielen, Gebauer hätte kein Tor bekommen. Doch diese Leistungen muss er bestätigen, damit man sagen kann, das ist nachhaltig. Wenn er es nicht schafft, über einen längeren Zeitraum, ohne regelmäßige Aussetzer fehlerfrei zu bleiben, dann fehlt mir zur internationalen Klasse sehr viel. Das macht nämlich den Unterschied.

    Woran sind Leute wie Michael Gspurning oder Ramazan Özcan gescheitert?

    Es passiert relativ oft, dass Berater Spieler zu Vereinen verkaufen, wo sie aber kaum Chancen auf Einsatzzeiten haben. Das Wichtigste ist, Spiele zu spielen. Ramazan Özcan war eines der größten Torwarttalente, hat auch den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft, doch irgendwann lief es nicht mehr nach Wunsch und aus diesem Tief hat ihm keiner herausgeholfen. Es hat alles Gründe, warum diverse Leute bei ihren Vereinen nicht spielen. Für einen Tormann ist es extrem wichtig, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

    Ramazan Özcan war eines der größten Torwarttalente

    Abschließend: Wer wird am Dienstag in der Ukraine im Tor stehen?

    Die Abstimmung zu dem Thema wer spielen wird, läuft diese Woche. Der Teamchef will sich ein Bild machen. Diese Woche zählt! Marcel Koller schaut im Training sehr oft bei uns vorbei und sieht sich genau an, wie sich die drei Torleute verhalten. Diese Entscheidung wird gemeinsam getroffen. Ich gebe den Input.

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