Muessen aufhoeren schlecht reden
 

"Müssen aufhören, uns schlecht zu reden"

  • Bild:
  • 29.03.2012 | 08:35 | (sport10)

    Veli Kavlak im Interview mit sport10.at. Warum er seinen Besiktas-Durchbruch auch Peter Pacult zu verdanken hat, er angepöbelt wurde, Erfolg eine Frage der Mentalität ist und man aufhören sollte, alles schlecht zu reden.

    Seit mehreren Jahren wurde Veli Kavlak mit türkischen Klubs in Verbindung gebracht. Immer wieder hatte Besiktas bei Rapid angeklopft und wollte den Dribbler abwerben. Im vergangenen Sommer hat der 23-Jährige den Sprung ins Ausland gewagt. Und er hat sich bei Besiktas, einem der Traditionsklubs in Istanbul, durchgesetzt.

    Bei sport10.at lässt der sympathische ÖFB-Teamspieler seine erste Saison am Bosporus Revue passieren.

    sport10.at: Veli, du bist jetzt schon fast ein halbes Jahr in der Türkei. Wie hast du dich eingelebt?

    Veli Kavlak: Mittlerweile habe ich mich sehr gut eingelebt. Ich fühle mich auch sehr wohl. Am Anfang war die Umstellung einfach sehr groß. Aber jetzt kann ich mich schon anfreunden, dass ich hier bis mindestens 2015 spielen werde.

    Rapid ist der größte Klub in Österreich, Besiktas gehört zu den Traditionsklubs in der Türkei. Was war für dich die größte Umstellung?

    Die größte Umstellung war sicher, dass ich in ein extrem fußballverrücktes Land gewechselt bin. In Österreich gibt es ja auch andere Sportarten, in der Türkei gibt es nur Fußball. Die Leute leben den Sport hier. Der Druck ist daher riesig, das ist unglaublich, dass es so intensiv ist, das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.

    Kannst du dich eigentlich frei auf den Straßen bewegen?

    Man kann schon ganz normal hier leben. Natürlich kommt es vor, dass du auf der Straße erkannt wirst. Dann wollen die Leute Fotos mit dir und bitten dich um Autogramme. Aber das ist jetzt nicht unangenehm.

    Die Rivalität ist grenzenlos, die Klubs hassen sich.

    Die Rivalität zwischen Besiktas und den anderen Istanbuler Klubs ist sehr groß. Wie hast du sie miterlebt?

    Die Rivalität ist grenzenlos, die Klubs hassen sich. Es ist deswegen auch so, dass keine Auswärtsfans zu den Derbys kommen dürfen. Das haben sie in dieser Saison eingeführt. Wenn ein Derby ansteht, wird zwei Wochen vorher darüber gesprochen. In der Derbywoche geht es dann so richtig zu. Da kann man den Fernseher schon gar nicht mehr aufdrehen, weil sich alles um dieses Spiel dreht. Da wird so richtig philosophiert. Einfach fußballverrückt! Das Derby an sich fühlt sich dann schon geil an. Mittlerweile habe ich vier erlebt, das ist für mich das Allerschönste gewesen.

    Ist das vergleichbar mit dem Wiener Derby?

    Das Wiener Derby war natürlich auch immer schön, aber ein Unterschied ist natürlich, dass hier nicht vor 20.000 Zuschauern gespielt wird, sondern vor 60.000. Das ist dann schon ein geiles Gefühl, wenn alle gegen dich sind. Die Anspannung ist natürlich auch riesengroß. Die fällt dann nach dem Spiel ab, aber man weiß natürlich auch, dass man bei einer großen Show dabei war.

    Sei froh, dass ich hier arbeite, weil sonst könntest du dir etwas anhören.

    Hast du auch schon negative Erfahrung gemacht, dass du auf der Straße angepöbelt wurdest?

    Einmal ist mir das passiert. Die Leute sind richtig fanatisch hier. Wenn es nicht läuft, sind die Leute unzufrieden, die leben für den Klub. Einmal war ich in der Zeit, als es nicht gut lief, war ich einkaufen und da hat mich einer erkannt. Der sagte dann zu mir: "Sei froh, dass ich hier arbeite, weil sonst könntest du dir etwas anhören." Die sind halt einfach angefressen. Da kommt es auch vor, dass eigene Spieler ausgepfiffen werden, wenn es nicht läuft. Es geht hier schon härter zu, als ich das gewohnt war.

    Du hast 26 Spiele in der türkischen Liga absolviert, insgesamt hast du für Besiktas schon 38 Mal gespielt. Man kann sagen, du hast es geschafft, dort Stammspieler zu werden?

    Naja geschafft, da bin ich immer etwas vorsichtiger. Ich habe versucht, mich durchzusetzen, so viele Spiele wie möglich zu machen. Derzeit haben wir auch einen Trainer, der mir vertraut und auf mich setzt. Ich versuche, meine Leistung zu bringen und mich stetig zu verbessern. Was aber noch wichtiger ist.

    Was denn?

    Dass ich dieses Tempo auch mitgehen kann. Wir haben alle drei Tage ein Spiel gehabt. Das war in den letzten drei Monaten normal. Ich bin gottseidank fit geblieben und habe das Tempo mitgehalten. Das habe ich von Rapid nicht gekannt. Wir haben gespielt, dann sind wir zurückgeflogen und am nächsten Tag ist auslaufen, dann ist schon wieder Abschlusstraining. Das geht extrem auf die Knochen. Ich muss auf Holz klopfen, dass ich fit geblieben bin.

    Bist du überrascht, dass es so viele Einsätze sind?

    Ganz ehrlich, ich habe damit nicht gerechnet. Es ist dann sehr schnell gegangen. Ich habe ein Spiel ganz gut gespielt, dann habe ich im Derby auch meine Leistung gebracht habe. Es hat sich dann entwickelt. Wichtig ist, dass ich fit geblieben bin.

    Peter Pacult hat uns sehr gut auf das Ausland eingestellt.

    Immer wieder hört man von Spielern, die ins Ausland wechseln, dass dort das Training viel härter ist. Siehst du das auch so?

    Da habe ich nicht so einen großen Unterschied gemerkt. Ich habe unter dem Trainer Peter Pacult sehr hart trainiert. Der hat das ja auch aus dem Ausland zu Rapid mitgebracht und dort eingeführt. Deswegen war das für mich und Tanju (Kayhan; Anm.) nicht wirklich etwas Neues. Das ist uns ganz sicher zugute gekommen. Uns konnte das nicht überraschen. Was das Training schon ein wenig unterscheidet: Hier wird aber schon sehr viel mit dem Ball gemacht.

    Unlängst habe ich mich mit Peter Pacult unterhalten, der meinte, dass er euch gut auf das Ausland eingestellt hat.

    Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Ich habe bei ihm auf jeden Fall eine gute Schule durchgemacht, bis ich dann ins Ausland gegangen bin. Unter Pacult habe ich viele harte Zeiten erlebt. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich dadurch weniger Probleme hatte, hier im Training mitzuhalten.

    Wie würdest du das Niveau der türkischen Liga mit der österreichischen Liga vergleichen?

    Ich will die Ligen nicht wirklich miteinander vergleichen. das gehört sich nicht. Ich habe lange genug in Österreich gespielt. Fußball ist überall gleich. Das Problem ist, dass ein schlechtes Spiel vor 40.000 Zuschauern einfach besser ausschaut. Deswegen mag ich diese Vergleiche nicht. Denn wenn in England der Zehnte gegen den 14. spielt, dann ist das meistens auch kein super Spiel, aber die Zuschauer machen da oft den Unterschied aus.

    Mit welchen Spielern sich Veli Kavlak am besten versteht, warum ein Türkisch-, Deutsch- und Tschechisch-Übersetzer in der Kabine sind, was er von Simao und Co. gelernt hat, warum man in Österreich aufhören sollte, alles schlecht zu reden und warum Rapid heuer Meistertitel Nummer 33 holt, lesen Sie auf der zweiten Seite.

    SPORTMAGAZIN ePaper:


    Das SPORTMAGAZIN liefert den Blick hinter die Kulissen und auf die schönsten Seiten des Sports.

    >> Jetzt downloaden!

    Mehr auf sportnet.at
      Mehr aus dem Web

      Schreiben Sie uns Ihre Meinung ()

      >> Hier E-Paper downloaden <<



      • Sportwoche ePaper