Muamba Minuten eigentlich
 

Muamba war 78 Minuten "eigentlich tot"

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  • 21.03.2012 | 18:49 | (sport10)

    Vier Tage nach Fabrice Muambas Zusammenbruch werden immer mehr Details zu der Tragödie bekannt. So erklärte Boltons Klubarzt, dass der Spieler 78 Minuten lang "eigentlich tot" war.

    Vier Tage ist es her, als die Fußballwelt für einen Moment still stand. Boltons Fabrice Muamba brach am vergangenen Samstag während der FA-Cup-Partie gegen Tottenham mit einem Herzstillstand zusammen, musste reanimiert und ins Krankenhaus gebracht werden. Fans und Fußballer-Kollegen beteten und drückten ihr Mitgefühl aus. Alle hofften, dass es der 23-Jährige schaffen würde. Doch Muambas Leben hing am seidenen Faden.

    17 Elektroschocks vergeblich

    Gegenüber der BBC enthüllte Boltons Klubarzt Jonathan Tobin, wie schlimm es wirklich um den Sportler stand. In einem emotionalen Interview erklärte er, dass der Brite nach seinem Kollaps und der Einlieferung ins Spital "eigentlich tot" war - 78 Minuten lang. "Wir haben das Schlimmste befürchtet", so der Tobin, der Muamba am Feld versorgt hatte.

    Der erste, der Muamba nach seinem Zusammenbruch erreichte, war Boltons Physiotherapeut Andy Mitchell. "Er schrie: 'Komm auf den Platz! Komm auf den Platz!' Es war klar: Etwas Schlimmes musste passiert sein", so Klubarzt Tobin. Mittels eines Defibrilators wurde versucht, Muambas Herz wieder in Gang zu bringen. Zwei Elektroschocks erhielt er auf dem Feld, einen weiteren im Tunnel und 13 auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Effekt blieb aus.

    "Ich habe zu Weinen begonnen"

    Als sie im Spital angekommen waren, wurde Tobin das ganze Ausmaß der Tragödie erst bewusst. "Ich bin hineingegangen und habe zu Weinen begonnen. Das ist Fabrice und niemand, der gerade die Straße runtergekommen ist. Ich kenne ihn und seine Familie und scherze jeden Tag mit ihm", so der Mediziner.

    Mittlerweile kann Muamba wieder selbstständig atmen und sprechen, sein Zustand ist jedoch weiter kritisch. Ob er je wieder Fußball spielen wird können, ist fraglich. Angesichts der Tragödie ist das aber ohnehin nebensächlich, immerhin stand lange Zeit nicht fest, ob Muamba überhaupt überleben würde. "Wenn man das Wort 'Wunder' verwenden kann, dann hier", sagte Andrew Deaner. Der Herzspezialist saß während des Vorfalls zufällig auf der Fantribüne und lief auf das Feld, um zu helfen.

    "Etwas ist in mich gefahren"

    "Als ich gesehen habe, dass sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen haben, ist etwas in mich gefahren", sagte der Mediziner gegenüber der BBC. "Man hofft immer, dass nach zwei, drei Schocks mit dem Defibrilator eine Reaktion kommt. Je länger die Wiederbelebung dauert, desto schlechter sind die Überlebenschancen. Aber das ist ein fitter 23-Jähriger und und die, die bei ihm waren, sind in Reanimation ausgebildet", so der Arzt.

    So, wie die Dinge stehen, ist sein Leben nicht mehr in Gefahr.

    Deaner fuhr mit ins Krankenhaus und war dabei, als Muamba seine ersten Worte sprach. "Zwei Stunden, nachdem er wieder zu Bewusstsein gekommen war, habe ich in sein Ohr geflüstert: 'Wie heißen Sie?' Er sagte: 'Fabrice Muamba.' Ich erwiderte: 'Ich habe gehört, Sie sind ein guter Fußballer?' Und er antwortete: 'Ich versuche es.' Ich hatte Tränen in den Augen."

    Außer Lebensgefahr

    Derzeit liegt Muamba noch immer auf der Intensivstation. Er erkenne Familienangehörige und könne Fragen richtig beantworten, hieß es in einer Mitteilung. Auch mit seinem Trainer hat Muamba schon gesprochen. "Wir hatten eine kurze Unterhaltung", sagte Owen Coyle am Dienstag der BBC. "Es wird noch ein langer Weg, aber es sieht wirklich gut aus", ergänzte der Übungsleiter. Deaner kann das bestätigen: "So, wie die Dinge stehen, ist sein Leben nicht mehr in Gefahr."

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