Garics Druck habe fuer
 

Garics: "Druck habe ich Tag für Tag"

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  • 27.02.2012 | 08:30 | (sport10)

    Teamrückkehrer Gyuri Garics im sport10.at-Talk über die Rückkehr in die ÖFB-Elf, warum es für ihn ein Geschenk ist, die Verletzung auch geholfen hat und das Spiel kein Wunschkonzert ist.

    Es war die Schlagzeile bei der Kaderbekanntgabe von Marcel Koller für das Länderspiel gegen Finnland (29.02.). Serie-A-Legionär Gyuri Garics gibt unter dem neuen Teamchef sein Comeback im Nationalteam. Mit sport10.at spricht er über seine Einschätzung der Nationalmannschaft, erklärt welche Position er derzeit ausfüllt und warum er ohne Verteidigerschule in Italien keinen Grashalm sehen würde.

    sport10.at: Im September 2011 bist du nach deinem Kreuzbandriss wieder in den Profibetrieb bei Bologna eingestiegen, jetzt folgt die Rückkehr in die Nationalelf. Wie sieht es aus mit der Gefühlslage?

    Gyuri Garics: Die Freude ist natürlich groß. Man kann es auch als Geschenk nach der Verletzung bezeichnen. Ich bin wieder voll zurück, kann wieder das tun, was ich am besten kann. Nach den letzten Leistungen, die ich bei meiner Mannschaft gebracht habe, ist es wirklich eine schöne Sache.

    Wann und wo hast du von der Einberufung erfahren?

    Ich habe mit dem Teamchef letzten Sonntag telefoniert.

    Deine Rückkehr in die Nationalmannschaft war nie ganz vom Tisch, unter Didi Constantini jedoch unmöglich. Wie war diese Zeit für dich?

    Dass ich nicht spielen konnte, habe ich damals selbst entschieden. Das muss man hier aufwiegen. Nach meiner Verletzung habe ich nur sehr wenig daran gedacht. So gesehen hat mir damals die Verletzung "geholfen", diese Phase zu überwinden. Als ich wieder fit war, war es natürlich ein Ziel. Aber zuerst war es wichtig, in Bologna wieder meine Leistung zu bringen und mich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Ohne dem wäre es nicht möglich gewesen. Gott sei Dank hat es geklappt (lacht).

    Welchen Eindruck hast du bisher von Marcel Koller?

    Ich habe einen sehr positiven Eindruck. Bis jetzt hatten wir erst ein 24-minütiges Telefonat, da kann ich natürlich noch sehr wenig über ihn sagen. Was ich aber sagen kann: Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen. Es ist für mich leichter jemanden vor mir zu haben und direkt mit ihm zu sprechen.

    Die rechte Abwehrseite ist ein Problemfall in der Nationalmannschaft. Spürst du Druck, bei deiner Rückkehr gleich überzeugen zu müssen?

    Druck haben wir in Italien Tag für Tag. Ich mache mir da keine großen Gedanken. Ich werde hinkommen und wenn ich die Möglichkeit bekomme, werde ich so gut wie möglich auftreten, um den Anforderungen des Teamchefs gerecht zu werden.

    Du hast diese Saison bei Bologna bereits rechter Verteidiger und auch im rechten Mittelfeld gespielt. Hast du eine persönliche Präferenz?

    Dieses Mittelfeld ist so zu verstehen: Beim Angriff werde ich zum Mittelfeldspieler, beim Verteidigen zum Abwehrspieler. Es sieht auf dem Platz aus wie eine Fünferkette bzw. in der Verteidigung eine Viererkette. Das hängt auch damit zusammen, wohin wir verschieben, wer den Ball hat.

    Diese Art ist mir lieber, als 'nur' Viererkette zu spielen. Aber man passt sich an, du kannst dir nicht immer aussuchen, wo du spielst. Dort will ich dann die Leistung bringen, nur so kannst du nach vorne kommen. Wenn du in Italien nicht verteidigen kannst, spielst du sicher sehr wenig.

    Marcel Koller lobte vor allem dein taktisches Verständnis. Die italienische Schule zahlt sich wohl aus.

    Ich bin jetzt seit sechs Jahren in Italien. Egal unter welchem Trainer, egal bei welchem Verein ich gespielt habe: Ich konnte und musste mir diese Qualitäten aneignen. Ansonsten kann man hier nicht Fuß fassen. Natürlich will ich jetzt nicht prahlen, aber der Teamtrainer wird diese Qualitäten genau beobachtet haben. Ich will damit ihm und dem ÖFB helfen.

    Vor kurzem gab es einen 3:0-Sieg über Inter Mailand, zuletzt gab es im Nachtragsspiel einen 2:0-Erfolg über Florenz. Wie viel Bedeutung haben solche Siege über Traditionsmannschaften für dich?

    Es ist immer schön, solche Spiel zu gewinnen. Auswärts ist es natürlich umso schöner. Wir können alle froh darüber sein, man gewinnt nicht täglich gegen Vereine wie Inter. Es gibt sehr viel Kraft und Vertrauen, wir dürfen es jedoch nicht überbewerten - es sind und bleiben drei Punkte. Wenn wir danach wieder verlieren, verliert auch dieser Sieg wieder an Bedeutung. Doch auch mit dem Sieg gegen Fiorentina haben wir jetzt wieder wichtige Punkte gemacht, die uns den Klassenerhalt sichern können.

    Du bist wieder in die Stammformation von Bologna zurückgekehrt, jetzt die Rückkehr in die Nationalmannschaft. Insgesamt: Ein persönlicher Triumph für dich?

    Es ist die Bestätigung für alles, was ich im letzten Jahr abseits des Fußballplatzes geleistet habe. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich noch stärker zurückkomme. Es ist eben so, dass eine solche Verletzung ein Teil von unserer Karriere sein kann. Wenn man sich von dem nicht unterkriegen lässt, kann man genauso wieder zurückkommen. Doch es ist der erste Schritt.

    Du gehst persönlich also ein hohes Tempo.

    Ich habe noch große Ziele, bin auch noch nicht so alt (lacht) und komme jetzt ins beste Fußballalter. Die mittelfristigen Ziele, die ich mir gesetzt habe, sind erreicht, vielleicht sogar früher als erwartet. Doch da will ich nicht stehen bleiben, ich will weiter arbeiten.

    Was sind deine langfristigen Ziele im besten Fußballer-Alter?

    Ich möchte einen Titel in Italien holen. Natürlich wird das nur möglich sein, wenn man bei einem der ersten acht Vereine spielt. Das strebe ich an. International gesehen ist das Ziel sicher ein großes Turnier. Da habe ich wahrscheinlich noch zwei Möglichkeiten mit 2014 und 2016. Daran glaube ich.

    Muss ein solches Turnier auch die Zielsetzung der Nationalmannschaft sein?

    Ich war jetzt sehr lange weg. Natürlich habe ich es mitverfolgt. Es kommen immer mehr Legionäre, was natürlich irrsinnig positiv ist für die Nationalmannschaft. Im Ausland sammelt man doch internationale Erfahrungen und das Woche für Woche. Wenn man mit der Nationalmannschaft etwas erreichen möchte, ist es wichtig auf diese Erfahrungen bauen zu können. Wir haben sicher bessere Einzelspieler, als die Leistungen der gesamten Mannschaft zeigen. Aber wie gesagt: Mehr will und kann ich derzeit nicht sagen, dafür war ich zu lange weg.

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