Jetzt geht Spielchen vorne
 

Scharner: "Sehe die Zukunft in Hamburg"

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  • 31.05.2013 | 17:31 | (sport10)

    Nach der Achterbahnfahrt in England geht es für Paul Scharner zurück nach Deutschland. Im sport10.at-Interview spricht er über Vergangenheit und Zukunft.

    Bei Paul Scharner ist viel passiert. Im Winter verlieh der Hamburger SV den Österreicher zu Wigan Athletic. Im beinharten Abstiegskampf absolvierte Scharner alle Liga- und Cupspiele. Im FA-Cup feierte der kleine Verein in der Nähe von Manchester mit dem Titel den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Und stieg wenige Tage später ab.

    Viel Klubgeschichte in wenigen Wochen. Nun hat der Trouble vorerst ein Ende: Mit der Familie geht es nun nach Ibiza und Mallorca - zum Trainingsauftakt ist Scharner wieder in Hamburg. Im Interview mit sport10.at spricht der 33-Jährige über seine letzten Monate in England und seine Zukunft beim HSV.

    sport10.at: Paul, du hast ereignisreiche Wochen hinter dir.

    Paul Scharner: Am Sonntag nach dem letzten Spiel gegen Aston Villa habe ich mich von meinen Mitspielern und allen im Verein verabschiedet. Das war sehr emotional. Viel emotionaler, als das letzte Mal, als ich die Insel verlassen habe. Ich hatte damals im Frühjahr nur wenige Spiele und mein Abgang war lange Zeit beschlossen. Ich konnte mich gut darauf vorbereiten. Jetzt, durch den Erfolg im FA-Cup und die 18 Spiele, die ich absolviert habe, hat mich der Abschied schon getroffen.

    Den FA-Cup feiern sie wohl noch immer. Das hat ihnen Selbstvertrauen und den Glauben an den direkten Wiederaufstieg gegeben.

    Wie kann man sich deine Gefühlslage zwischen dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte und Abstieg vorstellen?

    Ich bin ziemlich zwiegespalten. Als totaler Underdog den FA-Cup zu gewinnen, ist einfach unglaublich. Ein paar Tage darauf war der Abstieg besiegelt. So ist Fußball. Aber im Endeffekt haben wir den FA-Cup für die nächsten 100 Jahre - und oft wird Wigan diesen Pokal nicht mehr holen. Den Wiederaufstieg kann der Verein hingegen sofort wieder schaffen.

    Wie haben die Fans das Saison-Finish aufgenommen?

    Sehr positiv. Den FA-Cup feiern sie wohl noch immer. Das hat ihnen Selbstvertrauen und den Glauben an den direkten Wiederaufstieg gegeben.

    Wie schwierig wird das Comeback für Wigan? Die Championship ist ein hartes Pflaster.

    Es hängt viel von Präsident Dave Whelan ab. Er ist extrem motiviert, den Verein wieder zurückzubringen. Schwierig wird es hingegen, Trainer Roberto Martinez zu halten. Die Tendenz geht eher Richtung Abgang. Nächsten Montag wird es eine Entscheidung geben. Die Anzeichen stehen auf kompletten Neuanfang.


    Scharner im Gefühlsdusel: Auf den FA-Cupsieg folgte der Abstieg

    Verfolgt man englische Medien, sickert eine besondere Beziehung zwischen dir und Roberto Martinez durch.

    Unser Verhältnis ist spitze, ja. Ich bin ihm dankbar, dass er mir mit der Leihe die Chance gegeben hat. Seit ich da bin, bin ich der einzige Kaderspieler, der 18 Mal über 90 Minuten gespielt hat. Das zeigt, wie viel Vertrauen es zwischen uns gibt. Das erste Jahr, als er zu Wigan kam, habe ich alle 38 Spiele gespielt, das passt einfach zwischen uns.

    Du sprichst dein erstes Jahr in England an. Was hat sich auf der Insel seither verändert?

    In der Breite ist die Liga noch immer sehr gut, aber die Top-Teams haben an Stärke verloren. Das wird in der Champions League besonders auffällig. Seit langem ist kein englisches Team im Halbfinale. Die Top-Teams müssen gegenüber spanischen und deutschen Spitzenklubs aufholen. Als ich 2006 nach England gekommen bin, war der englische Fußball das Nonplusultra. Manchester United hat den internationalen Fußball dominiert. Das hat sich geändert, wenn auch das Leistungsniveau immer noch sehr hoch ist.

    Chelsea hat sowohl die Europa League als auch die Champions League gewonnen. Klingt nach einer englischen Luxuskrise.

    Natürlich. Die Erwartungshaltung ist nach den vergangenen Jahren überproportional hoch. Jetzt hat es einmal nicht so gut funktioniert und jeder sagt, der englische Fußball hätte abgebaut. So krass würde ich die Situation nicht sehen. Chelseas Europa-League-Sieg zeigt, dass Klasse vorhanden ist.

    Ich möchte mich auf die deutsche Bundesliga und den HSV konzentrieren und Fuß fassen. Ich sehe in Hamburg meine Zukunft.

    Paul, wie geht es für dich jetzt weiter? Dein Vertrag beim HSV läuft noch bis 2014.

    Ab 1. Juli bin ich wieder zurück beim HSV. Ich hoffe, dass ich mich als Innenverteidiger durchsetzen kann. Neue Saison, neues Glück sozusagen. In den letzten Monaten habe ich jene Spielpraxis sammeln können, die dem Trainer zuletzt gefehlt hat. Er hat mich beobachtet und das Spielchen geht jetzt von vorne los.

    Hast du mit Trainer Thorsten Fink schon über deine Rolle gesprochen?

    Das Gespräch steht noch an. Ich werde die Mannschaft wiedersehen, das Stadion anschauen, mich akklimatisieren und dann mit dem Trainer sprechen.

    Dein Berater Valentin Hobel hat durchklingen lassen, dass dir ein Verbleib in Deutschland besonders wichtig ist.

    Genau. Das Gesamtkonzept passt hier. Ich hätte die Chance, weiter in England zu spielen, aber das Thema ist definitiv abgeschlossen. Im Endeffekt möchte ich mich auf die deutsche Bundesliga und den HSV konzentrieren und Fuß fassen.

    Bleibst du auch in Deutschland, wenn es beim HSV nicht klappt?

    Ja. Die deutsche Liga ist groß im Kommen. Für mich ist aber auch der Klub wichtig. Der HSV ist ein großer Traditionsverein. Ein Topklub, der in den letzten Jahrzehnten nicht sein Potential abrufen konnte. Ich denke hier ist viel möglich, aber das ganze Spektrum muss passen. Ich sehe in Hamburg meine Zukunft.

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