Ertl Abschied Kapitaen
 

Ertl: Abschied trotz Kapitänsbinde?

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  • 11.01.2013 | 13:56 | (sport10)

    Im Sommer wechselte Johnny Ertl mit großen Erwartungen zum FC Portsmouth. sport10.at verrät der Ex-Teamspieler, warum er "Pompey" nun verlassen könnte.

    Johannes "Johnny" Ertl (30) hatte eine stressige Weihnachts- und Neujahrszeit. Der England-Legionär vom FC Portsmouth beschreibt sie im Gespräch mit sport10.at als "sehr intensiv, aber auch sehr schön." Besonders imponiert hat ihm, wieviele Fans an den Boxing Days und nach Neujahr in die Stadien pilgern. "Intensiv" war es, dass er den 24. Dezember statt mit der Familie daheim in Graz am Weihnachtstisch, am Trainingsplatz verbrachte. Auch an Silvester blieb nur Zeit, um um Mitternacht kurz auf das neue Jahr anzustoßen. Am Neujahrstag wartete das nächste Spiel bei Swindon Town.

    "Ich wusste aber, was auf mich zukommt", sagt Ertl. Fünf Jahreswechsel in England ließen keine außergewöhnlichen Erwartungen auf eine ruhige Zeit aufkommen.

    Was er aber nicht erwartet hätte, ist die sportliche Entwicklung seines Vereins. Ende August, kurz vor Ende der Transferperiode, war der siebenfache österreichische Nationalspieler von Sheffield United zum Zweitliga-Absteiger an die englische Südküste gewechselt. "Das Potential in die Championship rauf zu kommen, ist definitiv da und das ist die ultimative Zielsetzung", hatte er damals zu sport10.at gesagt.

    Abstiegsangst statt Aufstiegskampf

    Etwas mehr als vier Monate später sieht die Realität anders aus. Portsmouth liegt auf dem vorletzten Tabellenplatz der drittklassigen League One, wartet seit Ende Oktober und 13 Spielen auf einen Sieg. Statt um den Aufstieg geht es für Ertl und "Pompey" nur gegen den Abstieg.

    "Leider Gottes läuft es sportlich nicht so gut, weil es in der Führungsetage des Vereins Turbulenzen gibt, die sich auf die Spieler am Feld übertragen", versucht Ertl eine Erklärung für die Talfahrt zu geben. Sein Verein befindet sich in einer großen Umstrukturierung. Sowohl was die Spieler angeht, als auch die Funktionäre.

    Zu Saisonbeginn hatte Trainermanager Michael Appleton eine komplett neue Mannschaft aufbauen müssen. "Ich wusste zwar, dass das eine schwierige Aufgabe ist, wollte mir die Chance aber nicht entgehen lassen, bei diesem Neuaufbau dabei zu sein", sagt Ertl. Es sind die schwierigen Aufgaben, die den 30-Jährigen reizen. "Hier in England sagen wir dazu 'most rewarding', weil man da auch am meisten zurück bekommt."

    Als Ausländer eine englische Mannschaft anzuführen, schafft nicht jeder
    Appleton konnte seinen Neuaufbau nicht zu Ende bringen, Anfang November wechselte er zum FC Blackpool in die zweite Liga. Seitdem hat Guy Whittingham das Sagen. Einen Sieg erlebte der neue Trainer von der Seitenlinie zwar noch nicht. Doch für Ertl ist er genau der richtige Mann: "Whittingham ist Portsmouth durch und durch, er war als Spieler lange Jahre Publikumsliebling und weiß, was zu tun ist." Vor allem die jungen Spieler sollen nun vermehrt in die Verantwortung genommen werden.

    Vertrag läuft Ende Jänner aus

    Eine Rolle, die seit Jahresbeginn auch Ertl ausfüllt: Er ist Whittinghams neuer Kapitän. "Für mich ist das eine der größten Ehren, die mir zu Teil werden konnte. Als Ausländer eine englische Mannschaft anzuführen, schafft nicht jeder." Der ehemalige Verteidiger von Sturm Graz und Austria Wien hat sein persönliches Ziel erreicht. Dieses Vertrauen will er dem Verein zurückzahlen: "Ich gebe meine langjährigen Erfahrungen an die Jungen weiter, will ihnen meine Leidenschaft für den Erfolg vermitteln, damit sie den Kopf nicht hängen lassen." Er will sein Team als geschlossene Einheit zurück nach oben bringen.

    Wie lange Ertl diese Aufgabe noch erfüllen darf, ist aber offen. Sein Vertrag läuft Ende Jänner aus. Gespräche hat es noch keine gegeben. Einige Spieler werden den Verein verlassen. "Mich will Pompey aber unbedingt halten", sagt Ertl. Positive Zeichen habe es für den Kapitän schon gegeben. Nur: zuerst muss das Chaos in der Führungsriege geklärt sein. "Ich bin daher natürlich auch offen für andere Vereine, das habe ich den Verantwortlichen aber auch ehrlich mitgeteilt."

    Ab Mitte Januar will sich Ertl über die Zukunft Gedanken machen. "Zur Zeit schaue ich erstmal, dass ich meine Leistung bringe und der Mannschaft als Kapitän meinen Input gebe."

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