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"Stellt mich Gott vor eine Prüfung?"

Im sport10.at-Interview spricht Daniel Beichler über Gott und seine Leidenszeit. Zudem verrät er einen gemeinsamen Wunsch mit Jakob Jantscher. Sturm-Fans aufgepasst.

26.09.2012 | 08:15 | (sport10)

Alles begann so gut. Gleich im ersten Saisonspiel für die Hertha stand Daniel Beichler in der Startformation. Doch dann erneut ein Rückschlag - nach familiären Problem brach sich der 23-Jährige sein Kahnbein an der Fußwurzel. Rückschlag.

Im Gespräch mit sport10.at spricht Beichler über seinen Glauben, den Menschen hinter dem Fußballer und seinen Kumpel Jakob Jantscher.

sport10.at:
Daniel, du hast dir vor knapp vier Wochen das Kahnbein an der Fußwurzel gebrochen. Wie geht es dir jetzt?

Daniel Beichler: Mein Heilungsprozess verläuft nach Plan, auch wenn es meine gefühlte 77. Verletzung ist. So wie die Ärzte und 'Physios' mit mir reden, gehe ich davon aus, dass ich in drei Wochen wieder mit der Mannschaft trainieren kann.

Wie kann man sich diese Verletzung vorstellen?

Die ersten Tage war ich auf Krücken unterwegs, dann hatte ich bis Mittwoch voriger Woche einen Gehgips. Man sieht mir jetzt auch gar nicht wirklich an, dass ich verletzt bin und es tut auch nicht besonders weh. Aber der Knochen ist noch nicht belastbar.


Wie lief deine Rückkehr nach Berlin? Geht es dir gut?

Ich habe damals die Wohnung hergegeben und die wäre wieder frei gewesen, aber für mich war es von Anfang an klar, da nicht mehr reinzugehen. Das hat nicht viel mit Aberglauben zu tun, aber da es bei meinem ersten Anlauf in Berlin einfach enttäuschend war, wollte ich beim zweiten Mal einfach alles anders machen.

Ich habe damals die Wohnung hergegeben und die wäre wieder frei gewesen, aber für mich war es von Anfang an klar, da nicht mehr reinzugehen.

Sonst geht es mir gut, die Mannschaft ist in Ordnung, meine Vorbereitung war klasse, ich habe beim ersten Spiel gespielt - und ich habe mich in unserem guten Kader, der Erstligaformat hat, durchgesetzt. In der Vorbereitung war ich in der Stammformation, daher ist schon einiges anders als bei meiner ersten Zeit bei der Hertha.

Du sprichst den guten Start an. Wie viel fehlt dir noch, um zu sagen, "jetzt habe ich mich in Berlin durchgesetzt"?

Was mir jetzt momentan fehlt, ist die Fitness. Ich hatte eine Vorbereitung, von der ich die ganze Hinrunde profitieren sollte. Und das hätte ich auch getan. Ich habe sehr gut trainiert und gute Testspiele absolviert. Es ist bei unserem Trainer wirklich so - und das habe ich in diesem Ausmaß auch noch nicht erlebt - er schaut gar nicht auf große Namen, sondern geht lediglich auf Leistung.

Deswegen habe ich es mir vor der Verletzung auch verdient zu spielen. Durch meine Verletzung und die familiären Probleme, durch die ich zuhause war, komme ich nun nicht zu diesen Einsätzen. Die gehen mir ab, ganz klar. Schade.

Wie läuft deine Zusammenarbeit mit Trainer Jos Luhukay? Spricht er mit dir über deine Situation?

Sicher, wenn ich in der Kabine bin. Aber bei uns muss man sich das so vorstellen: Unsere Reha-Sektion ist nicht dort, wo die Mannschaft trainiert. Das ist aus dem Grund, dass die verletzten Spieler nicht jeden Tag der Mannschaft beim Training zusehen müssen, was eine mentale Erschwernis wäre. So ist man etwas abgekapselt, hat seine eigene Reha. Aber wenn man vorbeischaut, spricht man natürlich.

Wie sehr schmerzt es, dass du momentan nicht die Möglichkeit bekommst, dein Potential abzurufen? Dir kommen immer wieder Rückschläge in die Quere.

Natürlich sehr, da bin ich ehrlich. Ich hatte immer wieder Gedanken, wo ich mich gefragt habe, ob es das alles wert ist. Das ist das Tragische. Ich habe, wie du sagst, immer Verletzungsprobleme, seit drei Jahren anhaltende familiäre Schwierigkeiten und auch meine frühere schwere Krankheit, die mich zurückwerfen. Egal ob bei St. Gallen oder hier. Wenn ich die notwendige Fitness habe, kann ich auch hier eine Stütze sein. In Ried war die Rückrunde richtig gut und bei Sturm, wenn ich fit war, habe ich immer gespielt.

Natürlich sehr, da bin ich ehrlich. Ich hatte immer wieder Gedanken, wo ich mich gefragt habe, ob es das alles wert ist.
Die Probleme kamen immer zu Zeitpunkten, wo man sich "Wahnsinn" denkt. Ich komme hierher, mache die Vorbereitung mit, spiele von Anfang an, und dann kommt eine Phase, wo sich die Familie an erster Stelle drängt und ich wieder eineinhalb Wochen weg bin. Ein Zeitraum, der im Fußball essenziell sein kann. Dann komme ich zurück, bestreite ein Testspiel und breche mir das Kahnbein. Das ist nur ein Auszug aus der bisherigen Saison. In St. Gallen habe ich auch sofort gespielt, in der ersten Partie getroffen bis mich eine schwere Krankheit einholte. Manchmal frage ich mich, was ich verbrochen habe.

Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und in gewissen Phasen ist meine Intensität zu Gott gewachsen, sodass ich mir die Frage stelle, ob mir Gott eine Prüfung stellt, die nun schon sehr lange andauert.
Fühlst du dich nicht irgendwie schon verfolgt?

Irgendwann hört man auf, über diese Dinge nachzudenken. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und in gewissen Phasen ist meine Intensität zu Gott gewachsen, sodass ich mir die Frage stelle, ob mir Gott eine Prüfung stellt, die nun schon sehr lange andauert. Ich bin immer wieder auf die Beine gekommen, habe Stand gehalten und das werde es auch jetzt wieder schaffen.

Der Verein scheint dich jedenfalls zu unterstützen. Gibt er dir auch das Gefühl, dass du dich wieder in die Mannschaft kämpfen kannst?

Ja, das ist auf jeden Fall so. Ich mache gar niemanden einen Vorwurf und das ist auch keine Ausrede, aber die Chemie zwischen mir und Markus Babbel hat einfach gar nicht gepasst. Wir haben über Monate hinweg nicht normal gesprochen. Jetzt vertraut mir der Trainer. Das spürt man ja als Mensch und merkt wie man aufeinander wirkt. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, daher war der Schritt, nach einem halben Jahr wegzugehen, einfach der Richtige. Ich hätte unter Babbel nicht gespielt.

An welchem Zeitpunkt Beichler schon über ein Karriereende nachdachte, warum er sich jetzt auf die menschliche Komponente konzentriert und wo er mit Jakob Jantscher nochmals zusammenspielen will, lesen Sie auf Seite zwei!

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