<<< Zur Mobilversion wechseln >>>

Fabian Zerche

03.03.2014
16:40

Sturm Graz kollabiert: Aber Vorsicht, es kann noch dicker kommen

von Fabian Zerche

Sturm Graz taumelt gefährlich nahe am Abgrund. Und man bekommt das Gefühl, dass das Horrorszenario noch ausstehen könnte.

(c) GEPA pictures/ Patrick Leuk FUSSBALL - BL, Sturm vs WAC

Sturm Graz vollbrachte das Kunststück, im Jahr 2013 schwache 39 Punkte aus 37 Spielen zu sammeln. Aufsteiger Grödig brachte es auf 35. Obwohl die Salzburger 16 Spiele weniger absolvierten. Erschreckend. In einer fiktiven Jahrestabelle wäre Sturm 2013 nur knapp dem Abstieg entronnen. Doch wer dachte, es ginge nicht mehr schlimmer, hat sich geirrt. Beim 12er-Stammtisch mit Coach Darko Milanic, Jürgen Pucher und Sky-Stimme Martin Konrad wurde ich vom Publikum noch belächelt, als ich vor dem Auftakt in das Jahr 2014 warnte. Admira, Red Bull, Ried, WAC - vergeigt. Und jetzt? Diese Saison ist Sturm save. Doch was passiert dann?

Die Bundesliga hat jetzt mit Sturm seinen ganz persönlichen HSV. Abstiegskampf - unvorstellbar. Doch das ist vielleicht bald Realität. Bei den Hamburgern ist dank Mirko Slomka Besserung in Sicht, doch auch hier wurde zu spät erkannt, dass ein großer Name und Tradition nicht vor dem Crash schützen. Und so könnte ein Jahr im Keller bevorstehen, tief verstrickt im Kampf um das nackte Überleben. Warum so pessimistisch? Sturm Graz lässt seit der Saison 2010/2011 jegliches spielerische Konzept vermissen. Manche Zyniker sprechen auch der Meistermannschaft fehlende spielerische Qualität ab - jedoch gab der Erfolg dem Verein recht.

Doch seit damals geht die Kurve rasant nach unten. Markus Schopp und Thomas Kristl waren aufgrund fehlender Erfolge nicht zu halten. Der Hoffnungsschimmer Peter Hyballa war schnell erloschen (da für einen modernen Trainer mehr Kompetenzen als Fachwissen erforderlich sind).

Und Darko Milanic schaffte es, die über den Sommer gewachsene Euphorie mit ultra-vorsichtigem Defensivfußball im Keim zu ersticken. Diese "Spielphilosophie" wurde zunächst als Konsolidierungsmaßnahme verkauft - und von mir auch so geschluckt. Denkste. Auch mein Fehler. Mit diesem gefährlichen Cocktail aus Spielanlage, System und Spielermaterial ist die erträumte Dominanz Wunschdenken. Überhaupt von Dominanz zu sprechen und zugleich dem Umfeld zu hohe Erwartungshaltung vorzuwerfen, ist ein kommunikationsstrategischer Super-GAU. Nicht der einzige Fehler auf der Führungsebene.

Doch wären das nur die einzigen Sorgen. Bei Sturm ist es finanziell zappenduster. Das bestätigen mehrere Quellen. Auch von einem Überbrückungskredit ist die Rede. Aber Horrormeldungen wie diese sind kein Einzelfall. Dass alleine die fehlenden Zuschauereinnahmen bis Sommer ein Millionenloch in das Budget reißen werden, wurde vom Verein längst bestätigt. Gegenmaßnahmen gibt es bereits. Zum Beispiel veräußertes Tafelsilber (Wohnungen im Stadionturm), wie Sturm12.at berichtete. Die bedrückende finanzielle Situation lässt nicht nur mit Sorgenfalten in die Zukunft blicken, sondern hemmt auch das Ruder.

Denn dadurch ist Darko Milanic unantastbar. Die gestanzten Vorgänger Peter Hyballa und Ayhan Tumani kosteten dem Verein eine schöne Stange Geld. Um langfristig Konstanz zu schaffen, wurde Milanic mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet, der ihm sogar mehr einbringen soll, als jener von Franco Foda. Und Foda galt als der bestbezahlte Sturm-Trainer der Vereinsgeschichte. In Hinblick auf die verstaubte Kassa ist es fast unvorstellbar, dass Milanic noch in dieser Saison gehen muss. Doch sinkt das schwarz-weiße Boot auch 2014/2015 weiter, ist der Slowene schwer zu halten.

Aber es gibt Hoffnung. Denn dass der Kader für die nächste Saison massiv abgespeckt werden muss, darf als Chance, nicht als Drohung verstanden werden. Hungrige Spieler müssen hochgezogen und zum Verein geholt werden. Und einige von den 14 auslaufenden Verträgen, die finanziell noch aus der Kreuzer-/Foda-Ära in völlig unangemessenen Sphären schweben, müssen dabei belassen werden. Es wäre ein Schritt aus der Abwärtsspirale. Ein lebensnotwendiger. Und vielleicht fühlen sich einige Sturm-Fans dann auch nicht mehr dazu gezwungen, die Stadionkatakomben zu okkupieren. Dann bleibt das vielleicht die einzige Parallele zum HSV.

Ein Kommentar von Fabian Zerche

Post Scriptum: Ruhe in Frieden, Erich Fuchs.

Die UEFA Europa League auf SPORTNET


Alle Spiele & Highlights auf

europaleague.sportnet.at

Schreiben Sie uns Ihre Meinung Kommentare ()


Bundesliga Spielplan

Bundesliga Tabelle

Neue Artikel