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Bild: (c) GEPA pictures/ M. Oberlaender

Valon Berisha im SPORTNET-Interview: "Leipzig? Am Ende entscheidet jeder selbst"

17.03.2016 | 15:31 | (sportnet.at)

Im Interview mit SPORTNET spricht Valon Berisha über Probetrainings in England, Oscar Garcias Spielphilosophie und RB Leipzig.

Valon Berisha lacht, drückt fest die rechte Hand und beginnt zu sprechen. Sein Deutsch ist penibel, perfekt und man verbleibt mit der Frage, wie gut man selbst nach weniger als vier Jahren beinahe akzentfrei norwegisch sprechen würde. Seit Sommer 2012 ist Berisha nun bei Red Bull Salzburg. Damit zählt der 23-Jährige zu den Veteranen der Salzburger. Nur eine Hand voll Spieler wie Christoph Leitgeb, Alexander Walke, Andreas Ulmer oder Christian Schwegler sind schon länger beim Verein. 

Die Karriere des talentierten Berishas begann vielversprechend. Doch im Sommer-Urlaub 2014 zog sich der Offensivspieler einen Kreuzbandriss zu. 200 Tage pausierte er, ehe sein langer Kampf um die Rückeroberung seines Stammleibers begann. Jetzt lacht Berisha wieder - denn er hat seinen Stammplatz zurück. Inklusive 16 Scorerpunkten in der laufenden Saison. Im Interview mit SPORTNET spricht Valon Berisha über Verhandlungen mit Manchester City, die schwarze Wolke RB Leipzig und Oscar Garcias Spielphilosophie. 

SPORTNET: Sehen wir aktuell den besten Valon Berisha aller Zeiten?

Valon Berisha: Ich fühle mich gut, das kann ich ehrlich sagen. Ich bin zumindest in der besten Verfassung seit meiner schweren Knieverletzung. Die vielen Spiele haben mir gut getan. Unmittelbar nach meiner Verletzung habe ich mir immer wieder Sorgen um mein Knie gemacht. Man denkt immer wieder daran, ist sich nicht sicher, ob man in Tacklings gehen soll. Aber jetzt bin ich frei im Kopf und mental stark.  

Bei Red Bull Salzburg bist Du mittlerweile ein Veteran. Wie erlebst Du die Entwicklung des Vereins?

Unter Roger (Schmidt, Anm.) ist es natürlich gut gelaufen. Aber auch bei ihm hat man gesehen: Es dauert, bis man auf ein bestimmtes Level kommt. Im zweiten Jahr unter Roger waren wir voll da. Aber auch mit Adi (Hütter, Anm.) hatten wir eine gute Phase, wurden Meister. Für Peter Zeidler war alles etwas schwierig, er kam ja von Liefering rauf. Oscar ist gerade in der Kennenlernphase, das war besonders in den ersten Spielen bemerkbar. Aber wir machen Schritte nach vorne – die Entwicklung ist gut.

Salzburg hat Dich damals mit ambitionierten Versprechen gelockt. Wie viel ist davon sportlich in Erfüllung gegangen?

Schon viel. Ich habe mir damals alles angeschaut – die Bedingungen sind unglaublich. Salzburg hat sich sehr gut dargestellt und das zurecht. Wir waren immer vorne dabei, darum war der Wechsel ein guter Schritt für meine Entwicklung. Ich bereue nichts.  

Steckbrief.

Valon Berisha

  • Alter: 23
  • Geburtsort: Malmö
  • Länderspiele: 16
  • Vereine: Egersunds IK, Viking Stavanger, Salzburg;
  • Leistungsdaten: 133 Spiele für Salzburg, 22 Tore, 41 Vorlagen;

Du bist damals als eines der größten Talente Norwegens gekommen, hattest Probetrainings bei Chelsea und Manchester City in den Beinen. Warum ist etwa der Wechsel zu City gescheitert?

Eigentlich sind die Verhandlungen gescheitert. Ich war damals 15 Jahre alt und wollte nicht meine Familie verlassen, sondern lieber die Schule fertig machen und in meiner sicheren Umgebung bleiben. Darum habe ich mich über Viking Stavanger herangekämpft. Meine Entscheidung war richtig. Bei Manchester City gibt es viele Talente. In Norwegen wurde ich gepusht, war etwas Besonderes. Hätte ich zum Beispiel meine schwere Knieverletzung in England gehabt, wäre es schwer geworden. Da muss ich mich bei Red Bull Salzburg bedanken – ich war erste Priorität, sie haben alles für meine Gesundheit getan. 

Salzburg ist für Dich natürlich auch Ausland. Aber nur bei wenigen Vereinen wird den Spielern eine ähnliche Komfortzone geboten wie hier.

Ich dachte vor meinen Wechsel zu Salzburg nicht, dass es hier so familiär sein wird. Natürlich fighten wir alle sehr hart um einen Stammplatz, aber wir gehen dabei korrekt miteinander um.

Als Du Manchester City einen Korb gegeben hast, bist Du den konträren Weg wie Dein Nationalteamkollege Martin Ödegaard gegangen. Mit weniger Hype natürlich.

Für mich war es eine gute Entscheidung. Er spielt in der zweiten Mannschaft – der Unterschied zur ersten ist schon massiv. Die Qualität in Österreich ist insgesamt etwas besser als in Norwegen, aber das Niveau im Training bei Red Bull Salzburg ist sehr hoch. Daran wächst man. 

Valon, lass uns über das Spiel gegen den WAC sprechen. Erste Halbzeit war gut. Zweite ehrlich gesagt nicht. Was fehlt euch noch auf den Powerfußball, der euch früher geprägt hat?

Dazu muss man schon sagen, dass wir vom Stil unter Oscar Gracia etwas anders spielen. Aber wie du sagst, erste Halbzeit war gut, aber wir hätten Tore machen müssen. Zweite Halbzeit haben wir nicht gut agiert. Das war zu wenig. Deine Frage ist schwierig – zuhause sieht es bei uns ja anders aus.  

Liegt das auch an den teilweise katastrophalen Plätzen in vielen Stadien?

Ja, es ist schon etwas anders. Vor dem Spiel denken wir uns schon manchmal: Boah, das wird ein hartes Spiel, der Platz ist schlecht. Viele unserer Gegner gehen dann auch hauptsächlich auf zweite Bälle, sind körperlich sehr stark. Gegen den WAC haben wir vielleicht auch die Zweikämpfe nicht ernst genug genommen. Aber ich rede mich nicht auf den Platz raus – erste Halbzeit gegen den WAC waren wir ja auch gut. 

Qualitativ seid ihr die beste Mannschaft der Liga. Doch die Spiele werden gefühlsmäßig enger, Kantersiege nehmen tendenziell ab. Ist die Liga zusammengerückt oder fehlt euch einfach noch etwas?

Ich denke auch Oscar braucht Zeit, um sein System umsetzen zu können. Er ist ein richtig guter Trainer, aber er muss noch mit uns arbeiten. Wir haben ja auch unser Spiel ein wenig umgestellt, haben jetzt mehr Ballbesitz. Das geht nicht von heute auf morgen. Noch können wir nicht 90 Minuten kontrollieren, aber der Weg stimmt. Und ja, die Teams sind alle mehr zusammen gerückt. 

Wie sehr schwebt der Titelkampf im Hinterkopf?

Wie gesagt, die Liga ist zusammengerückt, Rapid etwa hat Qualität. Sie haben sich seit letzter Saison weiterentwickelt, konnten die Mannschaft zusammenhalten. Es wird bis zum Schluss spannend bleiben. Schauen wir mal, wer am Ende gewinnt.

Wie hast Du die ersten Wochen unter Oscar Garcia erlebt? Was ist er für ein Typ und wo siehst Du ideologisch die Unterschiede zwischen ihm und vorherigen Trainer?

Er ist ein ruhiger Typ mit klaren Ansagen. Die Kommunikation funktioniert auch auf Englisch sehr gut. Und man sieht, dass er Fußball gespielt hat. Er ist am Platz sehr intelligent. Ich habe jetzt schon gemerkt, dass ich mich weiterentwickelt habe. Aber ich kann mich nur wiederholen: Er braucht Zeit.

Salzburg heftet sich eine dezidierte Spielphilosophie auf die Fahne. Aber die Ideen der verschiedenen Trainer unterscheiden sich nunmal. Steht Oscar für Red Bull Salzburg?

Gegenpressing haben wir noch immer drauf, unser Umschaltspiel ist gut. Früher haben wir immer sofort umgeschalten. Oscar will jetzt aber auch, dass wir mehr Ballbesitz haben und verlangt von uns Spielern zu erkennen, wann der richtige Moment für den Angriff gekommen ist. Er nimmt uns etwas Hektik aus dem Spiel. Er ist halt ein Spanier – da muss Ballbesitz einfach sein (lacht)

Was hat Dir denn besser gefallen? Das ständige in die Tiefe spielen unter Schmidt, oder Garcias Philosophie?

Unter Roger hat natürlich alles gepasst, jeder war dahinter. Ich mag beides sehr gerne – um Oscars Idee perfektionieren zu können, brauchen wir noch ein wenig.  

Wir sprechen hier eigentlich ständig von verschiedenen Episoden. Die Personalfluktuation ist dabei enorm – bei Spielern und Trainern. Frustriert Dich das?

Natürlich wäre es gut, wenn wir immer alle Spieler halten könnten. Aber das ist eben Red Bull Salzburg bzw. so ist es generell im Fußball: Wir kaufen gute Spieler, sie entwickeln sich weiter und manchmal geht dann einer. Wenn wir alle Spieler hätten halten können, hätten wir wohl noch andere, größere Ziele erreicht – das ist mir bewusst. Aber das ist Fußball. Jeder will in eine höhere Liga. Und wenn er so gut ist, muss er weiter.  

Bei euch habe ich immer das Gefühl, dass immer kurz bevor etwas Besonderes entsteht, entscheidend Qualität abhanden kommt.

Stimmt schon, stimmt schon. Es gab da so ein paar Zeitpunkte. Besonders unter Roger, das war schon schade. Aber damit können wir leben. 

Für die Fans wäre es vielleicht etwas frustrierend, wenn die besten Spieler immer nur nach Leipzig gehen.

Ein Dauerthema ist euer Schwesternverein. Es wirkt, als würde Leipzig wie eine schwarze Wolke über Salzburg liegen. Regionale Fans reagieren mittlerweile ziemlich empfindlich.

Ich denke darüber nicht wirklich nach. Ich habe mir auch noch nie gedacht: Wenn ich in Salzburg gut spiele, gehe ich nach Leipzig und spiele Bundesliga. Aber ich verstehe was du meinst. Für die Fans wäre es vielleicht etwas frustrierend, wenn die besten Spieler immer nur nach Leipzig gehen. Aber bis jetzt waren es ja Ausnahmen. Sadio Mane und Kevin Kampl sind ja zum Beispiel ganz woanders hingegangen. 

Aber Sadio Mane und Kevin Kampl waren nicht für die 2. Bundesliga zu begeistern. Leipzig spielt nächste Saison Bundesliga. Ein Argument mehr, oder?

(lacht) Eine gute Frage. Aber am Ende entscheidet jeder Spieler für sich selbst. Und ich kann nur für mich selbst sprechen: Ich bin mit dem Kopf nur in Salzburg. Erst im Sommer habe ich einen neuen Vertrag unterschrieben. Ich will wirklich hier Meisterschaften gewinnen. Das treibt mich an. Ich hasse es zu verlieren und will immer, immer gewinnen. So ein Spiel wie gegen den WAC ist das Schlimmste für mich.

Ich habe Dein TV-Interview gesehen. Du warst ziemlich sauer.

(lacht) So etwas passiert.

Darfst Du eigentlich sagen: 'Ich will mit Salzburg in die Champions League'?

(lacht) Ja, das bleibt das große Ziel für mich. Ich hoffe mit dieser Mannschaft schaffen wir das. Es war ja schon so oft ziemlich knapp.  

Übrigens: Warum wirst Du "Team-Papa" genannt?

Ich bin ein offener Mensch und versuche zu helfen wo ich kann. Gerade bei jungen Spielern, die aus dem Ausland kommen.  

Deine Eltern sind vor dem Jugoslawien-Krieg nach Schweden geflohen, erst später ging es weiter nach Norwegen. Spieler aus dem Balkan sind stolz auf ihren Spielwitz. Hast Du auch etwas von dieser Mentalität abbekommen?

Sicher, sicher! Ich habe schon sehr viel albanisches Blut in mir! Dieser Härte, dieser Wille zu kämpfen – das habe ich von meinen Eltern mitbekommen, die immer bis Spätabends gearbeitet haben. Jetzt habe ich von Gott diese Chance bekommen, Fußball zu spielen und ein gutes Leben zu haben. Dafür kämpfe ich. Jeden Tag. 

Wie geht es Deinem Bruder Veton? Seit Sommer kickt er bei Greuther Fürth.

Ja dem geht es gut. Vielleicht sollte er noch ein paar Tore machen (lacht). Aber es ist sein erstes Jahr und er ist erst 21 Jahre alt. Er ist genau beim richtigen Verein. 

Wäre er nicht einer für Red Bull Salzburg?

Da musst du bei unseren Verantwortlichen nachfragen (lacht). Weißt du, es hätte mir sicher nicht weh getan, wenn er gekommen wäre. Aber so passt es schon für ihn. 

Und irgendwann spielt ihr vielleicht zusammen.

Das wäre mein Wunsch. Wir haben schon in Norwegen zusammen gespielt, uns das Zimmer geteilt. Unsere Eltern sind sicher stolz auf uns. Aber es wäre extrem geil, mal in einer großen Liga zusammenzuspielen. 

Ihr seid im EM-Quali-Playoff knapp an Ungarn gescheitert. Wie weit ist der norwegische Fußball in seiner Entwicklung?

Österreichs Mannschaft spielt schon lange zusammen, das ist ein Unterschied zwischen unseren Ländern. Aber auch in Norwegen entwickelt sich etwas. Wir sind am richtigen Weg, aber für die EURO hat es noch nicht gereicht. Die Reife hat gefehlt. Aber wenn wir so weiter machen, schaut es für die Zukunft nicht schlecht aus.

Wie gut ist Österreichs Gruppengegner Ungarn?

Sie haben eine erfahrene, kampfbetonte Truppe. Gegen uns haben sie sehr hart gespielt und sind verdient weitergekommen. Aber Österreich ist Favorit – ihr werdet viele Mannschaften überraschen.

Jetzt matchen sich Barca, Bayern, Arsenal und Manchester City um den "neuen Eden Hazard". #sportnet

Posted by sportnet.at on Montag, 14. März 2016

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