Hackmair RoganAussage Wahres
 

Hackmair: "Fußballer verdienen zu viel"

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  • 23.08.2012 | 07:49 | (sport10)

    Karriereende mit 25: Peter Hackmair spricht im sport10.at-Interview über den Mut zum Schlussstrich und erklärt, warum Markus Rogan recht hat und Fußballer zu viel verdienen.

    Knorpelschaden, Kreuzbandriss, muskuläre Probleme, Leistenbruch, Schambeinentzündung, Kreuzbandriss. Peter Hackmair hat im Kampf mit dem Verletzungsteufel den Schlussstrich gezogen und wechselt vom Fußballplatz in die Bestsellerlisten. Mit sport10.at sprach der 25-Jährige über seinen Mentor Paul Gludovatz, die Causa Markus Rogan, überbezahlte Kicker und seine kurze aber erfolgreiche Karriere.

    sport10.at: Peter, du hast deine Karriere im Alter von nur 25 Jahren beenden müssen. Wieso?

    Peter Hackmair: Müssen stimmt nicht ganz, ich hätte ja noch ein Jahr Vertrag in Innsbruck gehabt und auch die Ärzte haben mir ihr o.k. gegeben, dass ich noch weiterspielen könnte. Ich habe aber jetzt den Schritt, meine Karriere zu beenden, ganz bewusst gesetzt: Es war eine Entscheidung für mein weiteres Leben und nicht gegen den Fußball. Es ist jetzt die Zeit für eine Veränderung gekommen.

    Wieso gerade jetzt?

    Ich war vor zwei, drei Jahren bei den ersten Verletzungen noch viel zu sehr auf den Fußball fokussiert. Mit jedem Rückschlag ist der Abstand zum Fußball größer geworden. Jetzt habe ich den Mut aufbringen können, einen Schlussstrich zu ziehen.

    Ich habe den Mut aufgebracht, einen Schlussstrich zu ziehen.

    Wie hat dein Verein Wacker Innsbruck reagiert?

    Sie waren überrascht und schockiert zugleich. Ich muss mich bei den Verantwortlichen bedanken, weil sie sich sehr fair verhalten haben. Sie tun alles dafür, dass mein Knie wieder ganz gesund werden kann. Mein Vertrag ist noch nicht aufgelöst, weil ich noch die Reha absolviere. Ich habe das Glück, dass ich mich langsam von meinen Mitspielern und dem Profigeschäft verabschieden kann.

    Hast du schon während deiner Zeit als Aktiver Alternativpläne zur Kicker-Karriere geschmiedet?

    Ich war schon immer einer, den auch andere Dinge interessiert haben. Nach meiner Matura habe ich 18 Monate eine Fortbildung in Psychologie absolviert und vor eineinhalb Jahren ein Wirtschaftsstudium begonnen. Es war mir immer wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Jetzt bin ich froh darüber, weil ich mir keine Sorgen um meine Zukunft machen muss.

    In Rogans Aussage steckt ein wahrer Kern.

    Um Markus Rogan zu zitieren: Bist du zu intelligent für den Profifußball?

    (lacht) Das ist witzig, dass die Frage kommt, weil ich die Rogan-Aussage in meinem Buch "Träume verändern" behandelt habe. Grundsätzlich steckt ein wahrer Kern in seinen Worten. Ich bin auch der Meinung, dass weniger intelligente Spieler es oft leichter haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass jeder erfolgreiche Kicker ein Dummer ist und jeder schlechte Fußballer intelligent ist. Ich kann nur von meiner Warte aus sagen: Ich habe mir oft zu sehr den Kopf zerbrochen und vieles bis ins letzte Detail hinterfragt. Wenn ich einfach ohne nachzudenken auf 'Teufel komm raus' gespielt hätte, hätte ich vielleicht mehr erreicht.

    Aber wenn du das schon gewusst hast - warum hast du dein Hirn nicht einfach ausgeschaltet?

    Kein Witz: Ich habe es probiert und es ist mir im Laufe der Zeit sogar immer besser gelungen. Am Beginn meiner Karriere war es aber ganz schlimm: Ich habe es - obwohl ich noch so jung war - jedem recht machen wollen. Wenn ich einen Fehlpass gespielt habe, hat mich das drei Tage lang beschäftigt. Ich musste erst eine Technik entwickeln, um das auszublenden.


    "Träume verändern" - ab Ende September im Handel.

    Trotz deiner kurzen Karriere hast du einige herausragende Erfolge feiern können.

    Es waren wirklich unglaublich schöne Momente dabei. Dazu zähle ich die U19-EM, den Cupsieg und den Vizemeistertitel mit der SV Ried und natürlich meine zwei Tore zum Einstand in Innsbruck. Das größte Highlight war sicherlich die U20-WM, aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ich aufbauen konnte, geben mir sehr viel.

    Zu deinem Buch "Träume verändern": Wie bist du auf die Idee gekommen, den Transfer vom Fußballprofi zu den Autoren zu wagen?

    Ursprünglich habe ich nach meinem Kreuzbandriss 2010 Tagebuch geführt und während der Reha meine Fortschritte, Gedanken und Gefühle aufgezeichnet. Bei meiner Schambeinentzündung habe ich dann weitergeschrieben und eine Leidenschaft dafür entwickelt. Es tat mir gut und hat mir geholfen, die Verletzungen zu verarbeiten. Ich habe es dann ein paar Leuten zum Lesen gegeben und die meinten, ich soll es mit positiven Momenten ergänzen und in einem Buch zusammenfassen. Es gab keinen Ghostwriter, jedes Wort kommt von mir und das ist auch das Besondere daran.

    Viele jungen Spieler verdienen zu viel und verlieren den Bezug zur Realität.

    Welche Reaktionen erwartest du dir auf dein Werk?

    Es ist ein bunter Mix aus biografischen Teilen, Tipps und Kritiken, aber nicht nur zur Rogan-Aussage. Ich habe mir Gedanken über viele elementare Fragen gemacht: Wie geht man mit dem Druck im Profigeschäft um? Ist Fußball nicht schon mehr Geschäft als Sport? Bist du als Fußballer mehr Einzel- als Mannschaftssportler? Ich bin schon sehr gespannt, wie die Leute das aufnehmen. Generell will ich jungen Sportlern aber helfen und ihnen Tipps geben, wie sie den Sprung zum Profi schaffen.

    Hast du deinem Förderer Paul Gludovatz ein eigenes Kapitel gewidmet?

    Nein, das nicht, aber er kommt gemeinsam mit Gerhard Schweitzer sehr oft vor. Sie haben mich wie kein anderes Trainerteam geprägt und mich fast acht Jahre betreut. Ich habe tolle Erfolge mit ihnen feiern dürfen, es kommen aber auch noch andere Spieler und Trainer in dem Buch vor.

    Was sagt ein Kicker, der mit 25 Jahren seine Karriere beenden muss zum Vorwurf, Fußballer wären überbezahlt?

    Ich sage das, was ich auch in meinem Buch geschrieben habe: Fußballer verdienen zu viel. Es gibt welche, die nur 1000 Euro verdienen, für die gilt das natürlich nicht. Aber generell gibt es zu viele, die Millionengehälter einstreifen. Der Großteil der Fußballer wird mit Geld zugeschüttet. Man kann darauf kaum Einfluss nehmen, weil der Markt einfach so ist wie er ist. Ich habe aber Vorschläge in meinem Buch niedergeschrieben, wie man darauf einwirken kann.

    Hast du zu viel verdient?

    Zu Beginn meiner Karriere: Ja. Ich war damals noch Schüler, habe aber trotzdem schon ein fürstliches Gehalt bekommen. Natürlich habe ich es genommen und mich gefreut, aber rückblickend gesehen, hätten ein paar hundert Euro als Taschengeld auch gereicht. Viele Menschen verdienen nach 20, 30 Arbeitsjahren nicht das, was mir damals ausgezahlt wurde. Und die mussten es sich hart erarbeiten, ich habe noch keine zählbaren Leistungen dafür erbracht. Dadurch verlierst du als junger Spieler den Bezug zur Realität.

    Das Buch "Träume verändern" von Peter Hackmair ist ab Ende September im Handel erhältlich.

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