Prokopic
 

Prokopic: "Leben ist manchmal ein Kampf"

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  • 18.04.2012 | 08:00 | (sport10)

    sport10.at zu Gast bei Boris Prokopic. Der Montagabend am Kreuz- und Seitenband operierte Rapid-Akteur kann schon wieder lachen, gesteht aber: "Die ersten Tage sind schwierig."

    Boris Prokopic richtet sich langsam auf. Die Krankenschwester war gerade hereingekommen. Sie überliefert Blumen von Bundesliga-Vorstand Georg Pangl und stellt sie auf jenen kleinen Tisch, an dem gestern noch Ex-Kollege Yasin Pehlivan gesessen hatte.

    "Das ist Herr Weitegger", stellt Prokopic seinen Bettnachbar, ein glühender Rapid-Fan, vor. "Er hat die zweite Hälfte des Derbys aufgenommen, wir haben sie gestern gemeinsam analysiert", lächelt der seit kurzem 24-Jährige. Darauf zu sehen ist auch jene Szene, bei der sich Prokopic das Kreuz- und Seitenband riss.

    "Die ersten Tage sind schwierig, aber das Leben geht weiter. Es gibt schlimmere Dinge, das haben wir letztes Wochenende in Italien gesehen", sagt der Rechtsfuß aus dem Fenster blickend.  "Natürlich ist der Zeitpunkt unangenehm. Mein Vertrag läuft aus und ich weiß nicht, wie die Zukunft aussieht."

    Vertragsverlängerung trotz Verletzung?

    Vier der letzten fünf Spiele stand der Steffen-Hofmann-Backup in Rapids Startelf und traf dabei zweimal ins Tor. "Eigentlich wollte der Trainer in dieser Woche auf einen Kaffee mit mir gehen, um meine Zukunft zu besprechen", erzählt Prokopic.

    Daraus wird vorerst nichts. Trotzdem habe sich Peter Schöttel umgehend nach der Operation gemeldet. "Er hat gemeint, ich soll den Kopf nicht hängen lassen, Rapid lässt mich nicht fallen." Prokopic hatte ein Offert aus dem Ausland in der Hinterhand, "aber Rapid hat Priorität."

    Zweieinhalb Stunden dauerte die von Rapid-Arzt Dr. Benno Zifko durchgeführte Operation am Montagabend. "Meine erste richtige", erzählt Prokopic, dessen Krankenakte sich wie ein Auszug aus dem Fußball-Gruselkabinett liest: Bandscheibenvorfall, Schambeinentzündung, Seitenbandriss, Nasenbeinbruch. "Aber die jetzige Verletzung ist am härtesten."

    Derby-Rot hinterließ Spuren

    Nicht körperlich, dafür psychisch litt Prokopic im Herbst. Eine Rote Karte im Derby und die damit verbundenen drei Spiele Sperre warfen den als Stammspieler in die Saison gestarteten Österreicher, der in der Slowakei geboren wurde, zurück.

    "Damit habe ich mir alles...", beginnt Prokopic einen Satz, startet aber von vorne. "Das war nicht gut für mich. Wir haben einen neuen Trainer bekommen, dem sich jeder von der besten Seite zeigen wollte. Von der Sekunde an, als ich das Foul begangen habe, war mir klar: 'Jetzt beginnt der Kampf. Jetzt beginnst du von vorne.'"

    Prokopic verlor seinen Platz in der Mannschaft - und kurzzeitig sogar den Blick für das Wesentliche. "Ich habe den Fokus vor Augen verloren, mich hängen lassen. Das kann man sich im heutigen Berufsleben nicht mehr erlauben."

    Knapp vor Weihnachten dann die Wende. Prokopic lehnt Anfragen aus dem Ausland ab, will nach einer erfolgreichen Probezeit bei Wacker Innsbruck beweisen: "Ich bin fähig, auch bei Rapid ein wichtiger Spieler zu sein."

    Der neuerliche Rückschlag tut weh, aber: "Mit solchen Verletzungen muss jeder Profi rechnen. Es gibt keinen Spieler, der über eine ganze Karriere von Verletzungen verschont bleibt. Zumindest kenne ich keinen", so Prokopic, der "von allen Kollegen aufbauende SMS" erhalten hat.

    "Das Leben ist manchmal ein Kampf"

    Bis Samstag muss er noch im Spital in Wien-Währing bleiben. "Der Physiotherapeut hat mir schon ein paar Stunden nach der Operation erste Geh-Übungen gezeigt." Danach kommen Prokopic' Eltern aus der Slowakei, "vielleicht kann ich ja in drei, vier Tage nach Hause fahren."

    In weiterer Folge steht Aufbautraining auf dem Programm, ein Comeback sollte erst in vier bis sechs Monaten möglich sein. "Das Leben ist manchmal ein Kampf, die nächsten Schritte werden klein sein", weiß Prokopic, der trotzdem optimistisch nach vorne blickt. "Das Positive ist, dass man jetzt Zeit hat, an seinen Schwächen zu arbeiten. Ich will robuster werden, auch im Hinblick darauf, so eine Verletzung künftig zu vermeiden."

    Neue Ziele wurden gesteckt. Mehr kann zurzeit ohnehin nicht getan werden.

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