Wolf einfach nichts gepasst
 

Wolf: "Es hat einfach nichts mehr gepasst"

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  • 17.04.2012 | 11:54 | (sport10)

    Patrick Wolf hatte unter Franco Foda keinen leichten Stand. Wie er die Beurlaubung miterlebt hat und sein Verhältnis zu Foda wirklich war, erzählt er sport10.at.

    Sturm Graz sah am Samstag eigentlich schon wie der sichere Verlierer aus. Doch dann kam Patrick Wolf. Der eingewechselte rechte Mittelfeldspieler erzielte per Kopf den wichtigen Ausgleich zum 2:2-Endstand gegen Red Bull Salzburg. Ausgerechnet jener Wolf, der unter Franco Foda zuletzt nicht mehr gespielt hatte.

    Bei sport10.at bezieht Wolf zur aktuellen Situation bei Sturm Stellung und erklärt, warum es in dieser Saison nicht lief, Schreiduelle in der Kabine nichts Außergewöhnliches sind und warum das Niveau der Liga eng mit den schlechten Platzverhältnissen verbunden ist.

    Patrick, dein Tor gegen Salzburg hat einen Punkt gerettet. Wie groß war der Druck, der von dir abgefallen ist?

    Es war eine Befreiung für mich und eine Genugtuung, weil ich ja in den vergangenen Wochen nicht gerade oft gespielt habe. Ich bin zwar nur eingewechselt worden, aber ich wollte der Mannschaft noch einmal so richtig helfen. Das ist uns super gelungen. Ich glaube, dass das ein ganz wichtiger Punkt war. Ich denke, es ist sehr gut gelaufen für uns. Mein Treffer könnte für uns noch ein ganz wichtiger gewesen sein.

    Wie wichtig war dieses Unentschieden nach den Ereignissen in den letzten Tagen?

    Wir haben eine super Antwort gegeben. Für die Fans, für uns als Mannschaft und für den gesamten Verein war dieses Spiel gegen Salzburg sehr wichtig. Wir haben gezeigt, dass die Mannschaft noch lebt, ein Feuer drinnen ist. Das hat man am Samstag gesehen.

    Wir haben gezeigt, dass die Mannschaft noch lebt, ein Feuer drinnen ist.

    Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, dass es eines der besten, wenn nicht das beste Spiel war, dass Sturm in dieser Saison gezeigt hat?

    Ja, da stimme ich dir vollkommen zu.

    Wieso hat man sich da so lange Zeit gelassen? Es waren ja doch schon 29 Runden gespielt.

    Wenn ich das wüsste, dann hätte ich das der Mannschaft schon viel früher gesagt. Es war der Wurm drinnen. Im Herbst hatten wir diese Doppelbelastung, es waren viele Spieler verletzt. Dann hatten wir auch noch diese Torsperre. Es hat einfach nichts gepasst. Es waren sehr turbulente Wochen und Monate.

    Wie hat die Mannschaft von der Beurlaubung von Trainer Franco Foda erfahren?

    Als ich zum Training gekommen bin, standen lauter Journalisten vor dem Trainingszentrum. Wir haben vorher eine SMS bekommen, in der stand, dass das Training eine Stunde früher beginnt. Als ich dann zum Trainingszentrum kam, habe ich im Internet schon gelesen, dass Foda nicht mehr Sturm-Trainer ist.

    Wie war dann die Verabschiedung?

    Den Trainer hat es sehr berührt. Er war ja eine sehr lange Zeit beim Verein, hatte viele Erfolge. Er hat dann auch gesagt, dass er ohne diese Mannschaft nicht diese Erfolge gefeiert hätte. Es war ein sehr berührender Abschied.

    Wie hast du eigentlich die letzten Tage miterlebt?

    Ich habe es auch nur gelesen. Was da jetzt genau das Problem war, das weiß ich nicht. Das ist aber auch eine Angelegenheit zwischen Gludovatz und Foda oder Sturm und Foda. Das betrifft uns Spieler nicht wirklich und können wir auch nicht beeinflussen. Wir können nur den Erfolg beeinflussen. Es ist unsere Pflicht, einen internationalen Startplatz zu erreichen.

    Dein letztes Spiel hast du Mitte März beim 0:2 gegen die Admira bestritten. Wie war die Zeit für dich, als du nicht gespielt hast?

    Natürlich ist das frustrierend. Natürlich will man jede Partie spielen. Wenn ich das nicht wollen würde, dann hätte ich meinen Beruf verfehlt. Jeder Spieler will auflaufen, der Mannschaft helfen. Wenn man dann auf der Tribüne sitzt, ist man unzufrieden.

    Es war ein ständiges Auf und Ab.

    Es heißt ja, dass einige Spieler nicht gerade gut mit Foda ausgekommen sind. Wie war die Zeit für dich unter ihm?

    Man hat es ja eh gesehen. Ich bin zwischen Startelf, Tribüne und Ersatzbank hin und her gewechselt. Es war ein ständiges Auf und Ab für mich.

    Wie würdest du deine Zeit bei Sturm unter Foda bilanzieren?

    Er hat mich zu Sturm geholt, ich bin Meister geworden. Also es war jetzt keine unerfolgreiche Zeit für mich.

    Es ist aber hinlänglich bekannt, dass du den einen oder anderen Strauß mit Foda ausgefochten hast.

    Ach, das wurde von den Medien etwas aufgebauscht. Ich bin als bekannter Spieler zu Sturm gekommen. Und ich bin ja ständig zwischen Startelf und Ersatzbank hin und her gewechselt. Es ist ja klar, dass dann darüber geschrieben wird, dass ich nicht zufrieden bin. Mit der Person Franco Foda habe ich kein Problem. Aber ich bin, wenn ich auf der Tribüne gesessen bin, schon auf ihn zugegangen und habe mit ihm gesprochen. Aber das ist ja ganz klar. Wie gesagt, ich will spielen, sonst wäre ich Fehl am Platz.

    Mit der Person Franco Foda habe ich kein Problem.

    Nach dieser Cup-Pleite sind einige Dinge nach außen getragen worden. Foda wäre extrem ausgerastet. Was ist nach dem Hartberg-Spiel wirklich passiert?

    Wenn man sich so präsentiert, dann ist es doch klar, dass es in der Kabine lauter wird. Aber was in der Kabine geredet wird, das sollte auch dort bleiben. Ich weiß nicht, wer da immer etwas nach außen tragen muss? Dass da ein Wirbel ist und dass man sich gegenseitig anschreit und dass Emotionen im Spiel sind, ist nichts Neues und ganz normal. Wir wollten den Cup gewinnen und uns direkt für die Europa League qualifizieren. Das ist uns nicht gelungen, gegen den letzten der zweiten Liga. Es war ein Muss für uns, dass man da weiterkommt

    Lass uns in die Zukunft blicken. Am kommenden Wochenende spielt ihr gegen Rapid. Was sind deine Erwartungen?

    Das sind besondere Spiele und wir wollen dort Punkte mitnehmen. Wir haben jetzt sechs Endspiele, das ist das Ziel. Wir müssen jetzt so viele Punkte wie möglich holen.

    30 Runden sind absolviert und ihr habt nach einer mehr als nur mittelmäßigen Saison noch die Chance, einen internationalen Startplatz zu erreichen. Es ist irgendwie doch eine sehr kuriose Saison.

    Gestern war das 24. torlose Remis. Es geht allen Teams gleich. Es hat schon sehr viel mit dem Rasen zu tun. Was da teilweise für Bedingungen sind, ist ein Wahnsinn. Es ist nicht selten passiert, dass die Bälle unmittelbar vor einem Schuss versprungen sind. Es soll jetzt keine Ausrede sein, aber wenn man nach Deutschland oder England schaut, dann fragt man sich schon, was da bei uns falsch läuft. In Innsbruck oder in der Südstadt oder in Kapfenberg, das sind Plätze. Unglaublich. Man muss in die etwas investieren. Natürlich ist das eine finanzielle Sache. Aber das Niveau schwindet natürlich, wenn man das nicht macht und die Plätze so sind, wie sie das jetzt sind.

    In Innsbruck oder in der Südstadt oder in Kapfenberg, das sind Plätze. Unglaublich.

    Dennoch, das Wiener Derby, das du sicher gesehen hast, war fußballerisch ein alles andere als attraktives Spiel.

    Ja, aber man muss schon sehen, um was es da geht. Da will jeder in das internationale Geschäft, da geht es um jeden einzelnen Punkt. Es ist in unserer Liga generell der Fall: Jeder spielt aus einer gesicherten Abwehr heraus, jeder will hinten zu machen und erst dann kommt das Offensivspiel. Alle sind darauf aus, kein Tor zu bekommen. Darunter leidet die Attraktivität. Was aber wiederum auch verständlich ist, dass die Zuschauer Tore sehen wollen.

    Abschließend: Wer wäre deiner Meinung nach der richtige Nachfolger für Foda? Es wurden ja in den vergangenen Wochen schon sehr viele Namen genannt.

    Das ist schwer zu sagen und liegt auch nicht in meiner Entscheidungskraft. Es ist nur meistens so, die genannt werden, die werden es dann nicht. Das war beim Teamchef schon so. Wer hätte schon gedacht, dass Marcel Koller österreichischer Teamchef wird?

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