Derby Ohne Kreativitaet keine
 
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Derby: Ohne Kreativität keine Attraktivität

Nur auf sport10.at: Die "4er-Kette", die exklusive Kolumne aus der Feder von Ex-Profi Marcel Ketelaer. Heute: Das unansehnliche Wiener Derby in Favoriten.

17.04.2012 | 08:22 | (sport10)

Das 301. Wiener Derby war ein Spiel mit richtungsweisendem Charakter. Rapid hätte Salzburg bei einem Sieg als Tabellenführer ablösen können. Die Austria wiederum wäre mit drei Punkten mittendrin im Titelkampf gewesen. Die Vorzeichen für eine interessante Begegnung standen also gut, doch am Ende gab's ein 0:0, das an das matte 300. Duell der Stadtrivalen im Prater erinnerte.

Dabei hatte Rapid-Trainer Peter Schöttel eigentlich auf das richtige Pferd bzw. auf die richtige Taktik gesetzt. Seine Truppe wollte über die schnellen Außen Christopher Drazan und Christopher Trimmel in das Angriffsdrittel kommen. Das Duo sollte die beiden Stürmer Deni Alar und Athde Nuhiu mit Flanken füttern und gleichzeitig den Gegner in der Defensive beschäftigen. Theoretisch wäre das das richtige Rezept, um der Austria beizukommen. Wie immer galt das Hauptaugenmerk von Trainer Ivica Vastic nämlich dem Mittelfeldzentrum, das er um jeden Preis dicht machen wollte. Dementsprechend konzentrierte er seine Kräfte in der Mitte und schuf so eine Überzahl (siehe Rechteck auf der Skizze).

Rapid hätte die Veilchen mit konsequentem Flankenspiel aushebeln können. Vastics Glück war, dass das die Tagesform von Drazan und Trimmel verhinderte. Beide zählten in den letzten Spielen verletzungsbedingt oder aus taktischen Gründen nicht zum Stammpersonal und waren sichtlich nicht in Tritt. Dazu kamen Ungenauigkeiten im Aufbauspiel und die Tatsache, dass Drazan/Trimmel viel Defensivarbeit verrichten mussten. Markus Suttner und Marin Leovac schalteten sich abwechselnd in das Offensivspiel ein, auch Florian Klein hatte vereinzelt Aktionen. Das hatte zur Folge, dass die Rapid-Flügel teilweise 30 Meter vor dem eigenen Tor in Ballbesitz kamen. Dann ist der Weg zum gegnerischen Kasten weit...

Da das Konzept nicht funktionierte, versuchte es Rapid verstärkt mit weiten Bällen durch die Mitte. Doch da stand die Austria bombensicher. Wenn die Gäste einmal durchkamen, räumte Innenverteidiger Kaja Rogulj ab.

In der Offensive tat sich die Austria allerdings schwer. Das änderte sich erst, als Michael Liendl und Roland Linz ins Spiel kamen. Kurzzeitig spielte Letzterer zusammen mit Roman Kienast im Sturm, wobei sich der Neuzugang ein bisschen fallen ließ. Liendl agierte statt Leovac links im Mittelfeld und sorgte zumindest für einen Hauch von Gefahr (siehe Skizze). Als dann aber Marko Stankovic für Kienast ins Spiel kam, ging der Elan flöten und die Austria fiel in alte Muster zurück.

Augenscheinlich wurde, dass der Austria die Kreativität im Mittelfeld fehlt. Auch Rapid agierte zu statisch. Man wartete darauf, dass Trimmel oder Drazan sich durchsetzen - doch das passierte nie. Also bedienten sich die Grün-Weißen weiter Bälle auf die Spitzen, und hatten damit auch keinen Erfolg. Zumindest in der Defensive standen die Hütteldorfer sicher. Mario Sonnleitner war für mich der beste Mann auf dem Platz.

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Marcel Ketelaer mischte zehn Jahre lang die deutsche Bundesliga auf und spielte in Österreich unter anderem für Rapid, Pasching und Austria Kärnten. Damals benutzte er sein fußballerisches Rüstzeug, um den jeweiligen Gegner auseinanderzunehmen. Heute verwendet er dazu Papier und Stift. Seine taktischen Analysen der Bundesliga-Sonntagspartie lesen Sie exklusiv nur auf sport10.at! Jeden Dienstag neu!

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