Sturm beraubt sich seiner
 

Sturm beraubt sich seiner größten Stärke

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  • 10.04.2012 | 08:14 | (sport10)

    Neu auf sport10.at: "Die 4er-Kette", die exklusive Kolumne aus der Feder von Ex-Profi Marcel Ketelaer. Heute: Sturms Patentrezept funktioniert nicht.

    15 Spiele lang musste der SK Sturm auf den ersten Auswärtssieg seiner Saison warten. In Mattersburg hat es endlich geklappt. Rubin Okotie mit seinem Premierentor und Darko Bodul per feinem Schuss sicherten dem Meister die ersten drei Punkte in der Fremde.

    Mattersburgs grundsätzliche Idee war die alt gewohnte: eine massierte Abwehr, davor ein kompaktes Mittelfeld und das Forcieren des Konterspiels. Trainer Franz Lederer schickte seine Truppe in einem 4-1-4-1 aufs Feld. Ivan Parlov postierte sich vor der Abwehr, Manuel Seidl und Christian Gartner trafen auf Manuel Weber und Christian Klem. Patrick Bürger pendelte in der Offensive zwischen den Seiten. Wenig Neues gab's auch bei Sturm, das im bewährten 4-4-2 auflief. Üblicherweise praktiziert die Mannschaft damit ein so genanntes "Spiel auf den Dritten".

    Im Spielaufbau kommen die Stürmer dabei dem Ball entgegen und lassen abtropfen, während die Außen in die Tiefe gehen. Daraufhin folgt meist aus dem zentralen Mittelfeld heraus der tiefe Pass durch die gegnerische Viererkette, der von einem Flügelspieler aufgenommen wird. Dann noch der Pass zur Mitte und - voila - fertig ist das Tor. Das ist das Patentrezept des SK Sturm und die größte Stärke des Meisters. Nur funktionierte dieser Plan in Mattersburg so gut wie gar nicht.

    Der Grund: Die beiden Flügel Haris Bukva und Andreas Hölzl schoben bei Ballbesitz teilweise extrem in die Mitte, wodurch die Flanken vollkommen verwaisten. Sturms Spiel konzentrierte sich völlig auf das Zentrum, dadurch blieb der Raum auf den Außen (auf der Skizze links in hellgelb gehalten) gänzlich ungenutzt. Dazu kam noch, dass die Mattersburger Viererkette immer weit rausrückte und aggressiv agierte. Wenn Okotie dem Ball im Mittelfeld entgegenging, waren Nedeljko Malic oder Adnan Mravac drauf. Das beeinträchtigte das Sturm-Spiel zusätzlich.

    In der Offensive der Burgenländer fehlte der gesperrte Ilco Naumoski und seine Spielweise an allen Ecken und Enden. Er hat die Fähigkeiten, auch mal zwei Gegner zu überspielen oder zumindest einen Freistoß herauszuholen. Damit sorgt er für Entlastung. Thorsten Röcher, der kurz nach der Pause kam, füllte diese Rolle am ehesten aus. Mit seiner Hereinnahme wechselte das System auf 4-4-2 und durch ihn kam Mattersburg dann auch nach vorne. Die Abwehr von Sturm funktionierte trotz der neuen Situation gut, wurde aber auch kaum gefordert.

    Im Spielaufbau fehlten bei Sturm die Räume nach vorne. Bewegung war zwar da, nur in die falsche Richtung. Bezeichnend, dass die beiden Treffer aus Abseitsposition (Okotie) und durch eine wunderschöne Einzelaktion (Bodul) fielen. Die Leistung war nicht berühmt, aber sie reichte für den Sieg, weil Mattersburg offensiv diesmal zu schwach war.

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    Marcel Ketelaer mischte zehn Jahre lang die deutsche Bundesliga auf und spielte in Österreich unter anderem für Rapid, Pasching und Austria Kärnten. Damals benutzte er sein fußballerisches Rüstzeug, um den jeweiligen Gegner auseinanderzunehmen. Heute verwendet er dazu Papier und Stift. Seine taktischen Analysen der Bundesliga-Sonntagspartie lesen Sie exklusiv nur auf sport10.at! Jeden Dienstag neu!

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