Stoeger Sturm haette schon
 

Stöger: "Sturm? Das hätte schon was"

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  • 28.03.2012 | 17:49 | (sport10)

    Peter Stöger exklusiv: Warum in Österreich immer gejammert wird, die 98er jetzt Prügel beziehen, was einen guten Trainer ausmacht und was er im Sommer macht.

    Peter Stöger hat dieser Tage gut lachen. Der Jung-Trainer steht mit dem prognostizierten Fixabsteiger Wiener Neustadt vor dem Klassenerhalt und weckt damit Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Salzburg, Sturm, Ried - sie alle sollen am ehemaligen GAK-Coach dran sein. Nicht schlecht für einen Mann, den vor wenigen Monaten noch kaum jemand auf dem Radar hatte und Grund genug für sport10.at, den 45-Jährigen im Trainingszentrum im burgenländischen Steinbrunn zu besuchen.

    Im ausführlichen Interview spricht der Wahl-Niederösterreicher über einen möglichen Wechsel, gute Trainer, Kritik an der 98er-Generation, den (fast) geschafften Klassenerhalt mit Wiener Neustadt und die Offensivkrise seiner Truppe.

    sport10.at: Herr Stöger, Sie kommen gerade aus der Kraftkammer, wo sich Ihre Truppe auf das Match gegen Mattersburg vorbereitet hat. Wäre ein Torschuss-Training nicht wichtiger?

    Peter Stöger: Das haben wir laufend, auch, wenn man es nicht immer sieht. (schmunzelt) Zu 70 Prozent konzentrieren wir uns auf das Offensivspiel, zu 30 Prozent beschäftigen wir uns mit der klassischen Deckung und dem Defensivverhalten.

    20 Saisontore sind ein eher magerer Wert. Wo liegt das Problem?

    Das Schwierigste für eine Mannschaft ist es, kreativ zu sein. Die wenigsten Tore passieren, weil ein Spieler vier oder fünf Gegner überspielt und den Ball im Kreuzeck versenkt. Treffer passieren, indem man Fehler der anderen ausnutzt. Da haben wir sicher noch Aufholbedarf. Wir haben sehr viele junge Spieler, viele im Offensivbereich kommen aus der Regionalliga. Dort waren sie in der gegnerischen Hälfte viel öfter im Ballbesitz. Bei uns kommt das nicht so oft vor, und das ist eine Umstellung, an der wir im Training arbeiten. Das braucht Zeit.

    Also liegt's nicht an den Stürmern allein, sondern eher im Mittelfeld?

    Jein, es liegt an der gesamten Mannschaft. Wir sind mit dem Ziel in die Saison gegangen, den Klassenerhalt zu schaffen und wir haben es hinbekommen, eine gewisse Kompaktheit zu erreichen. Für eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt, ist das unheimlich wichtig. Der nächste Schritt muss es sein, die gute Defensivarbeit auf das Offensivspiel umzumünzen. Das Spiel besteht hauptsächlich aus Umschaltsituationen, und die zu erkennen ist eine Reifeprozess.

    Andererseits könnte man auch sagen: 29 Punkte mit 20 Treffern, das spricht für große Effektivität...

    (lacht) Ja, eigentlich könnte man sagen: Die Mannschaft ist sehr gut! Je nachdem, wie man die Situation sieht. Vermutlich kann man mit 20 Toren nicht mehr herausholen. Fast bei jedem Match, in dem wir getroffen haben, haben wir auch gepunktet.

    Weil es diese Diskussion gab, habe ich ein paar Artikel herausgekramt aus der Zeit, in der ich noch gespielt habe. Die ähneln stark dem, was man aktuell liest.

    Wiener Neustadt hat bewiesen, dass in der Liga jeder jeden schlagen kann. Das führt aber auch zu Diskussionen, dass die Meisterschaft schlecht ist. Ist sie das wirklich?

    Weil es diese Diskussion gab, habe ich ein paar Artikel herausgekramt aus der Zeit, in der ich noch gespielt habe. Die ähneln stark dem, was man aktuell liest. Damals waren Phasen dabei, wo Österreich mit Salzburg im Europacup-Finale stand. "Ist die Liga gut genug", hieß es da. Das ist etwas, was wir immer haben werden.

    Aktuell haben die Führenden der Schützenliste neun Treffer, und plötzlich sind alle Stürmer schlecht. Als Marc Janko 39 Mal getroffen hat, waren die Verteidiger ein Wahnsinn. "Das muss man doch verteidigen können", hat's da geheißen. Das geht nur bei uns. Damit muss man leben können. Als Trainer musst du versuchen, das Beste aus deinen Spielern herauszuholen. Das wird sich nie ändern. Egal, ob über die Offensive oder die Defensive geraunzt wird.

    Am kommenden Wochenende gastiert Mattersburg in Wiener Neustadt. In der Tabelle liegen die Burgenländer nur zwei Punkte vor Ihrer Mannschaft. Ist das ein Zeichen, dass man in etwa auf Augenhöhe agiert?

    Wir waren lange Zeit vor den Mattersburgern. Bis jetzt mussten sie immer etwas tun, um an uns dran zu bleiben. Jetzt brauchen wir einen Sieg, um an ihnen vorbeizugehen. Im Frühjahr waren sie bisher sehr okay, aber ich bin der Meinung, dass sie gar nicht viel anders spielen als im Herbst. Sie nutzen ihre Situationen einfach besser aus. Ich glaube, dass die Mannschaften zwar nicht zu vergleichen sind, aber das Niveau in etwa ähnlich ist.

    Elf Punkte hören sich sehr viel an.

    Der Umkehrschluss ist dann, dass Kapfenberg bei elf Punkten Rückstand deutlich schwächer als Wiener Neustadt ist...

    Elf Punkte hören sich sehr viel an. Sie hatten eine Phase, in der sie in ein extremes Loch gefallen sind. Die hatten wir nicht. Wir haben nie drei, vier Mal hintereinander verloren und in jedem Meisterschaftsdrittel um die zehn Punkte gemacht. Das ist konstant. Wenn du aber hinten nachrennen musst, ist es schwierig, das wäre es auch für uns. Das ist ein Druck und eine Frage der Qualität, auch der psychischen. Ich glaube nicht, dass der Unterschied zwischen den Kapfenbergern und uns oder Mattersburg so wahnsinnig groß ist. Wir sind nicht klar besser.

    Seit unserem letzten Gespräch im Herbst hat sich vieles getan. Sie haben in Wiener Neustadt eine neue Mannschaft aufgebaut und den Klassenerhalt schon so gut wie geschafft. Stolz auf Ihr Werk?

    (denkt nach) Ich finde es okay, was wir bis jetzt gemacht haben. Wenn ich mir die bisherige Saison anschaue, haben wir regelmäßig gepunktet. Es ist eine gewisse Stabilität vorhanden und es zeigt, dass die Mannschaft etwas mitnehmen hat können. Ich bin alles in allem bis jetzt nicht unzufrieden, aber trotzdem ist es bei uns Thema, dass noch neun Runden offen und 27 Punkte zu vergeben sind. Wir haben vieles in unserer Hand. Kapfenberg kommt noch zu uns, wir haben noch fünf Heimspiele. Wir sollten unsere Punkte schon machen können, aber die Sache ist noch nicht erledigt.

    Also sprechen sie mit der Mannschaft über den drohenden Abstieg?

    Viele sagen: "So etwas spricht man nicht an." Kollege Franz Lederer sagt zum Beispiel, dass er nur nach vorne schaut. Das ist okay und psychologisch sicher richtig. Aber in unserer Truppe besprechen wir das schon durch. Wie ist die Situation und wie gehen wir damit um? So bereiten wir uns vor. Wir haben kein Problem damit zu sagen: Es ist noch nicht erledigt.

    Das "Wir" scheint bei Ihnen ein ganz großes Thema zu sein.

    So ist es. Es beginnt beim Vorstand, geht über meine Trainer und zum Fitnessmann bis zur Mannschaft. Die ist zusammengewachsen, eine Einheit geworden. Die Spieler wissen, dass das Ziel Klassenerhalt heißt. Auf der anderen Seite haben sie die Perspektive auf Entwicklung, siehe Tomas Simkovic. Wir haben gesagt, wir wollen ihm den Wechsel zur Austria nicht verbauen. Und das ist genau das, was wir zur Beginn der Saison transportiert haben. Für die Spieler ist es wichtig, in der Liga zu bleiben - sonst bist du ein Absteiger, und das kommt nicht so gut. Umso größer der Mannschaftserfolg, umso eher kommt man selbst weiter nach oben.

    Aber bei Präsident Manfred Rottensteiner wusste ich, dass ich meinen Job so machen kann wie ich will, wenn es gut läuft.

    Das gilt ja auch für Sie. Dabei hat man Ihnen abgeraten, zu Wiener Neustadt zu gehen.

    Ein paar Freunde und der eine oder andere Kollege haben gesagt: "Du hast ja eh eine super Aufgabe in Graz beim GAK." Und das war auch nicht falsch. Aber bei Präsident Manfred Rottensteiner wusste ich, dass ich meinen Job so machen kann wie ich will, wenn es gut läuft. Nachdem ich drei Jahre von der Bundesliga weg war, dachte ich mir, ich schaue, ob das geht und ob das akzeptiert wird. Nach neun Monaten kann ich sagen: Der Wechsel war absolut richtig. Das ändert aber nichts dran, dass ich mich in Graz wohlgefühlt habe. Und ich hoffe, dass der GAK aufsteigt.

    Dabei haben Sie ja einiges riskiert, immerhin ist Magna ausgestiegen und die Mannschaft musste umgebaut werden. Hatten Sie das im Hinterkopf?

    Angst ist ein schlechter Begleiter. Ich halte nicht viel von diesen Floskeln, aber diese stimmt. Ich habe vorher natürlich darüber nach gedacht, was sein könnte. Übrig geblieben ist dann: Wenn es nicht klappt, klappt es eben nicht. Ab dem Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe "Ich mach's", war ich nur mehr darauf fokussiert, die Mannschaft zu einer funktionierenden Gruppe zu machen. Dabei haben wir vom Kern des Teams immens profitiert. Die Spieler, die geblieben sind, waren überlebensnotwendig - Madl, Schicker, Klapf usw.

    Warum Peter Stöger Andreas Herzog Recht gibt, wenn er sagt, dass die junge Trainergeneration Wörter erfindet, die 98er zuletzt in der Kritik standen und er sich geehrt fühlt, bei Ried, Sturm und auch Salzburg genannt worden zu sein, erzählt Peter Stöger auf der nächsten Seite des Interviews.

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