Schrammel Prozent bereit
 

Schrammel: "Bin zu 100 Prozent bereit"

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  • 12.03.2012 | 22:28 | (sport10)

    Thomas Schrammel fiebert seinem Comeback entgegen. Der Rapid-Linksverteidiger im sport10.at-Interview über sein "getuntes" Kreuzband und eine kuriose rote Karte.

    Thomas Schrammel hat eine schwierige Zeit hinter sich. Bis zu seinem 23. Lebensjahr musste er hart um einen Stammplatz bei seinem "Lebensklub" Rapid kämpfen, ehe er endlich am Ziel angelangt ist. Nach den ersten sieben Runden im Herbst, in denen der Burgenländer in allen Spielen über die gesamten 90 Minuten auf dem Platz stand, folgte der Schock: Ein Kreuzbandriss stoppte die Ambitionen von Schrammel.

    Ersatzmann Markus Katzer spielte seitdem plötzlich wieder wie zu seinen besten Zeiten, der 24-Jährige ist dennoch heiß auf sein Comeback. sport10.at sprach mit ihm über sein neues, "getuntes" Kreuzband, seinen Ausschluss am, vergangenen Wochenende wegen Zuschauerbeleidigung und Mission 33.

    sport10.at: Thomas, vor knapp einem halben Jahr wurdest du durch eine schwere Verletzung zurückgeworfen. Wie geht es dir heute?

    Thomas Schrammel: Mir geht es sehr gut, ich bin Ende des fünften Monats nach meiner Verletzung. Am 15. ist es dann genau sechs Monate her. Ich spüre das Knie nur ganz selten, die Bewegungsabläufe sind kein Problem. Mir fehlt noch ein bisschen die Matchpraxis, aber wenn der Trainer mich braucht, bin ich zu 100 Prozent da.

    Wenn mich der Trainer braucht, bin ich zu 100 Prozent da.

    Dein verletztes Knie wurde bei der Operation "getuned", stimmt's?

    Mir wurde ein Drittel der Patellasehne entfernt und als neues Kreuzband eingesetzt. Das ist von Natur aus zwei- bis dreimal so stark wie das natürliche Kreuzband. Der schnelle Heilungsverlauf ist aber folgend zu erklären: Ich bin sehr ehrgeizig und hatte Glück im Unglück. Ich hatte nur wenig überschüssiges Blut im Knie und kaum Schwellungen, da muss ich mich bei Dr. Zifko bedanken. Ich habe dann Doppelschichten geschoben, um schnellstmöglich fit zu werden.

    Bei den Amateuren bist du bereits wieder zum Einsatz gekommen, am Wochenende musstest du aber aufgrund einer Sperre pausieren. Was ist passiert?

    Gegen Neusiedl habe ich vor meinem Ausschluss eine ähnliche Situation wie bei meinem Kreuzbandriss erlebt. Mir ist ein Gegner von hinten reingestiegen und dann war ich wie im Schockzustand. Ich hatte Angst, dass ich erneut zurückgeworfen werde, es war eine hitzige Situation. Als ich die Rote gesehen habe dachte ich, dass es wegen Foulspiels war. Im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass ich wegen eines Rufs von mir ins Publikum, in dem allerdings keine Schimpfwörter vorgekommen sind, ausgeschlossen wurde.

    Der Schiedsrichter hat es aber als schimpfen gewertet und mit rot geahndet. Das kommt in jedem Spiel tausendmal vor, aber es war auch dumm von mir. Das Strafkommissariat hat übrigens auch gemeint, dass sie das nicht als rote Karte gewertet hätten. Aber das ist jetzt abgeschlossen. Ich habe das Spiel abgesessen und blicke positiv in die Zukunft.

    Spaßvogel Schrammel: Der 24-Jährige kann wieder lachen.
    Wie hast du die 1:3-Niederlage deines Teams gegen Red Bull Salzburg am Wochenende erlebt?

    Beide Mannschaften haben Vollgas gegeben, die Salzburger hatten dann am Ende das Quäntchen Glück auf ihrer Seite. Es gab insgesamt wenig Torchancen, wenn das Spiel mit einem X endet, sagt auch keiner was. Den Punkt hätten wir natürlich gerne mitgenommen, aber es sind noch genug Spiele um wieder an die Tabellenspitze zu kommen.

    Erhoffst du dir einen Platz auf der Ersatzbank nächsten Samstag gegen Mattersburg?

    Ich werde die ganze Woche Vollgas geben, weil ich gegen Mattersburg unbedingt dabei sein will. Natürlich wäre ich enttäuscht, wenn es noch nicht reicht - aber dann würde ich alles für die Amateure geben. Am wichtigsten ist, dass meinem Knie nichts passiert und es mir gut geht. Ich weiß, was ich kann und werde mich mit der Zeit durchsetzen.

    Du wurdest in deiner Karriere bereits drei Mal verliehen. Wie kam es dazu?

    Ich habe die Leihen selbst angestrebt, weil ich gesehen habe, dass ich keine guten Chancen auf Einsätze hatte. Nach meiner Zeit in Lustenau und Innsbruck wollte ich mich dann bei Rapid durchbeißen. Peter Pacult und ich waren aber leider nicht auf derselben Wellenlänge, daher ist dann Ried gekommen. Nachdem ich dann sogar für das Nationalteam nominiert wurde, waren es wohl die richtigen Schritte.

    Im Sommer wurdest du als Wunschspieler von Peter Schöttel um kolportierte 250.000 Euro von Rapid zurückgekauft.

    Peter Schöttel kannte mich ja schon von früher, er hat mich bei den Amateuren hochgezogen und gefördert. Der Kontakt ist auch nach meinem Wechsel nie abgerissen, ich habe gewusst, dass er etwas von mir hält. Es hat mich dann riesig gefreut, als er zu Rapid gekommen ist. Jetzt bei Rapid im Profikader zu stehen und hoffentlich bald wieder spielen zu können, ist aber sowieso die größte Ehre in Österreich.

    Ich habe mich riesig darüber gefreut, dass Peter Schöttel zu Rapid gekommen ist.

    Auf deiner Position spielt derzeit Markus Katzer, und das außergewöhnlich gut.

    Das ist das Fußballgeschäft. Ich bin im Sommer gekommen und habe ihn aus der Mannschaft gespielt, dann ist die schwere Verletzung gekommen. Markus bringt konstant gute Leistungen und jetzt liegt es an mir, wieder aufzuholen. Ich muss wieder mein Selbstvertrauen bekommen und meine Chancen nützen.

    Würdest du es verstehen, wenn Peter Schöttel dennoch weiterhin auf die derzeitige Abwehr setzt?

    Ja, und zwar aus dem Grund, weil die Viererkette harmoniert. Die Mannschaft hat nach langer Zeit wieder zum ersten Mal verloren und nur ganz wenige Tore bekommen. Als Profi muss man das akzeptieren. Ich bin aber bereit, sofort zu spielen, wenn der Trainer mich braucht.

    Welche Bedeutung hat dein Verein für dich?

    Ich wollte schon als kleiner Bub immer bei Rapid spielen und habe mich vom Kinderprobetraining bis zur Kampfmannschaft durchgebissen. Auch in den Zeiten, in denen ich verliehen war, hatte ich immer das Ziel zurückzukommen. Rapid ist mein Lebensklub.

    Hattest du schon Kontakt mit dem neuen Teamchef Marcel Koller?

    Ich hatte das Pech, dass ich mich genau in jener Woche, in der Herr Koller sein Amt angetreten hat, verletzt habe. Ich habe ihn zwar ein paar Mal gesehen, da war ich aber noch mit den Krücken und mir selbst beschäftigt. Ich hoffe, dass man mich beim ÖFB nicht vergessen hat. Zuerst muss ich aber sowieso Peter Schöttel davon überzeugen, mich wieder einzusetzen.

    Ich hoffe, dass man mich beim ÖFB nicht vergessen hat.

    Nach dem ersten Saisonderby, der 0:3-Niederlage im Ernst-Happel-Stadion, soll es vor dem Hanappi-Stadion zu Auseinandersetzungen mit den Fans gekommen sein. Was war da los?

    Wir sind heimgekommen und ein paar Fans sind auf dem Zaun gehängt und haben uns beschimpft. Wir waren selbst unglaublich angefressen weil wir das Derby verloren haben, da muss man aber als Profi drüberstehen. Umso schöner ist es jetzt, dass wir wieder voll unterstützt werden. Gegen Salzburg hat fast jeder Fan eine Fahne in die Höhe gehalten und schon gegen Ried hat man gemerkt, dass die Stimmung wieder da ist. Das ist der wichtigste 12. Mann, den es gibt. Wir wollen auch für die Fans Meister werden.

    Hat Peter Schöttel eine Punktevorgabe für die nächsten drei Spiele gegen Mattersburg (H), Kapfenberg (H) und Wacker Innsbruck (A) ausgegeben?

    Nein, aber wir wollen in den nächsten drei Spielen das Punktemaximum holen, der Titel ist das Ziel. Die nächsten Partien sind extrem wichtig für den Verlauf der Meisterschaft, darum wird sich jeder im Training wie im Match voll reinhauen. Wir haben keine Angst vor der Härte von Mattersburg, weil wir auch kampfkräftige Spieler wie zum Beispiel Harry Pichler haben. Wir spielen daheim vor 15.000 Fans, da brauchen wir vor niemandem Angst zu haben.

    Schwitzen für's Comeback: Schrammel schiebt Doppelschichten.
    Im Rapid-Kader stehen nur noch vier Nicht-Österreicher: Verbindet die selbe Nationalität?

    Unsere Legionäre sprechen sehr gut Deutsch und wir kennen uns fast alle von früher oder den diversen Nationalteams. Es gibt keine Anpassungsprobleme. Am Platz sind wir eine Einheit. Wir Spieler verstehen uns super, es gibt keine Einzelgänger. Die neuen Spieler haben sich sehr gut integriert.

    Träumst du eigentlich von einem Wechsel ins Ausland?

    Mein Ziel vor der Saison war ein Stammplatz bei Rapid. Das habe ich erreicht, nach der Verletzung ist das nun mein erneutes Ziel. Natürlich reizt jeden Fußballer das Ausland, Rapid ist aber ein Verein, bei dem man sein ganzes Leben verbringen kann, denn sonst hätte ich nicht so einen langfristigen Vertrag unterschrieben.

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