Verstehe Weltuntergangsstimmung nicht
 
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"Verstehe Weltuntergangsstimmung nicht"

Rapid-Kicker Michael Schimpelsberger zählt zu den Dauerbrennern der aktuellen Spielzeit. Auf sport10.at spricht er über das Image der Liga und seine Entwicklung als Rechtsverteidiger.

23.02.2012 | 08:12 | (sport10)

Michael Schimpelsberger ist im Trikot von Rapid einer der größten Gewinner der laufenden Saison. Nachdem er vor etwas mehr als einem Jahr von Twente Enschede zu den Hütteldorfern wechselte, erkämpfte sich der 21-Jährige in den vergangenen Monaten unter Trainer Peter Schöttel einen Stammplatz, zählt mit bisher 1.530 Einsatzminuten zu den Dauerbrennern der aktuellen Spielzeit. Auf sport10.at spricht der gebürtige Oberösterreicher über das Image der Liga, seine Entwicklung auf der Position des Rechtsverteidigers und Chancen auf Einsätze im Nationalteam.

sport10.at: Das 300. Wiener Derby ist Geschichte und du warst mittendrin statt nur dabei. Wie hast du das Spiel erlebt?

Michael Schimpelsberger: Es war einfach sehr von Taktik geprägt. Beide Mannschaften sind defensiv sehr gut gestanden. Wir haben von Beginn an besser in das Spiel reingefunden und sofort versucht Druck zu machen. Die Austria, das muss ich schon sagen, ist extrem defensiv gestanden, hat sich vor allem auf das Verschieben und Engmachen der Räume konzentriert. Es war für uns deswegen sehr schwierig Torchancen herauszuspielen. Dazu kommt, dass wir irgendwann in der ersten Hälfte etwas den Faden verloren und den auch in den zweiten 45 Minuten nicht mehr wirklich gefunden haben. 

Ich bin der Meinung, dass man keine Weltuntergangsstimmung erzeugen sollte. Die Liga ist nicht so schlecht wie sie dargestellt wird.

In einigen Medien hat es in den vergangenen Tagen geheißen, dass die Liga an ihrem Tiefpunkt angekommen ist. Wie geht man als Spieler mit solchen Aussagen um?

Man kriegt es natürlich schon mit, dass die Liga allgemein in den vergangenen Tagen vor allem negative Schlagzeilen gemacht hat. Ich bin dennoch der Meinung, dass man keine Weltuntergangsstimmung erzeugen sollte. Die Liga ist nicht so schlecht wie sie dargestellt wird. Klar war das Derby kein spielerischer Leckerbissen und auch die Sonntagspartie ist 0:0 ausgegangen. Nach zwei Runden vom Tiefpunkt zu sprechen, halte ich aber für überzogen.

Du hast ja auch schon in der niederländischen Liga gespielt. Wie groß ist der Unterschied wirklich, oder ist es schwer das als Spieler objektiv zu beurteilen?

In Holland wird einfach grundsätzlich ein ganz anderer Fußball gespielt. Dort gibt es vier, fünf, sechs gute Mannschaften, die das Spiel sehr gut gestalten können, den Ball in den eigenen Reihen halten und dadurch viel Ballbesitz haben. Die anderen Teams stellen sich hinten rein und versuchen ein paar Punkte mitzunehmen. Der Unterschied zwischen oben und unten ist in den Niederlanden einfach sehr groß, das sieht man schon alleine daran, dass Spiele teilweise 8:2 oder 7:1 ausgehen. Allgemein finde ich aber, dass das Tempo in Österreich sogar höher ist. Hier geht viel über den Körper und man muss dadurch auch mehr laufen.

Allgemein finde ich, dass das Tempo in Österreich sogar höher ist. Hier geht viel über den Körper und man muss dadurch auch mehr laufen.

Das würde dann bedeuten, dass die starken Mannschaften in den Niederlanden doch um einiges stärker sind als in Österreich ...

In Holland setzen sich an der Spitze immer zwei, drei Mannschaft ab, die auch demensprechend viele Punkte holen. Das ist zur Zeit der Unterschied zu unserer Liga. Wir tun uns derzeit sehr schwer drei Punkte einzufahren, was aber nicht heißt, dass wir dabei jedesmal schlecht spielen. Auch gegen die Austria hätten wir zumindest drei Mal das Tor machen können. Wäre uns das gelungen, wäre es zwar ein schlechtes Spiel gewesen, aber wir hätten die drei Punkte eingefahren. Das ist das Ausschlaggebende, wenn man sich an der Spitze festsetzen will.

Für dich persönlich läuft es sehr gut. Du hast seit deiner Rückkehr von der U20-WM mit Ausnahme von einer Partie alle Spiele der Saison über die vollen 90 Minuten bestritten. Hast du selbst damit gerechnet, dass du so schnell zu einem Stammplatz kommst?

Naja, wirklich rechnen kann man nie damit. Ich habe es mir im Sommer aber vorgenommen und in der Vorbereitung alles gegeben. Dennoch habe ich im Hinterkopf natürlich gewusst, dass ich zur WM nach Kolumbien darf und ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass ich bei der ersten Partie zum Einsatz komme. Dass Christian Thonhofer genau zu dieser Zeit verletzt war, ist mir da natürlich zugute gekommen. Ich habe meine Leistung dann von Anfang an gebracht und mich einfach nicht mehr verdrängen lassen.

Du bist jetzt etwas länger als ein Jahr bei Rapid. War dein Wechsel im Nachhinein betrachtet die absolut richtige Entscheidung?

Wie ich hergekommen bin, haben sich viele Leute gefragt, warum man als junger Spieler von Holland zurück nach Österreich wechselt. Viele haben mir auch gesagt, dass das der falsche Schritt war, aber ich habe mir das gemeinsam mit meinem Manager auch selbst sehr gut überlegt und muss im Nachhinein sagen, dass es der richtige Schritt für mich war. Natürlich weiß man im Vorfeld nie, wie es mit Verletzungen ausschaut, aber ich habe 23 Spiele in der Bundesliga absolviert. Bei Twente hätte ich in der zweiten Mannschaft gespielt, aber man will als Sportler ja immer wo spielen, wo es auch um etwas geht.

Mein Stellungsspiel wird immer besser und überhaupt passt die Abstimmung in unserer Viererkette sehr gut.

Es scheint ganz allgemein so, dass du dich rechts in der Verteidigung immer besser zurechtfindest, auch wenn man die beiden Derbys im Happel-Stadion miteinader vergleicht. Wie siehst du selbst deine Entwicklung auf dieser Position?

Das stimmt schon. Am Anfang hatte ich natürlich Probleme, weil ich einfach noch nicht viele Spiele auf dieser Position bestritten habe. Ich glaube aber, dass ich immer besser reinkomme. Mein Stellungsspiel wird immer besser und überhaupt passt die Abstimmung in unserer Viererkette sehr gut. Wir haben die wenigsten Gegentore bekommen, was sicher auch ein Resultat unserer guten Kommunikation ist. Auch mit Christopher Trimmel passt die Abstimmung auf der rechten Seite sehr gut und wir helfen uns immer wieder gegenseitig. Offensiv muss ich mich aber noch verbessern, das weiß ich selbst auch.

Im Derby warst du einer der zweikampfstärksten Spieler am Feld und es ist auffällig, dass du immer sehr aggressiv auf den ballführenden Gegner draufgehst. Forcierst du das ganz besonders?

Ich glaube, dass ich ganz gut den richtigen Moment erkenne, wann ich auf den Gegner draufgehen kann. Für einen jeden Gegenspieler ist es immer dann am schwierigsten, wenn der Verteidiger aggressiv ist. Ich versuche immer sofort draufzupressen und so den Ball zu erobern. Das werde ich auch in Zukunft so beibehalten, ist mit Sicherheit eine Stärke von mir.

Bist du jetzt schon so weit, dass du sagst, ja die Position will ich auch in fernerer Zukunft spielen, oder bist du weiterhin für alles offen?

Die Innenverteidigung ist für mich eigentlich nur mehr eine Notlösung. Wenn Spieler verletzungsbedingt ausfallen, dann kann ich einspringen. Sonst muss ich aber sagen, dass ich mich als Rechtsverteidiger sehr wohl fühle. Ich glaube, dass das auch in der Zukunft meine Position sein wird, zumal ich davon überzeugt bin, dass Außenverteidiger im modernene Fußball eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Man muss neben der Defensivarbeit auch viel nach vorne machen und ist damit unmittelbar am Spielaufbau beteiligt.

Ich glaube, dass das auch in der Zukunft meine Position sein wird, zumal ich davon überzeugt bin, dass Außenverteidiger im modernene Fußball eine immer wichtigere Rolle spielen werden.

Also ist das auch etwas, wo du am Ende der Karriere sagen würdest, ich war Rechtsverteidiger und damit bin ich auch zufrieden.

Ja, absolut. Natürlich weiß ich, dass man dafür nicht die Aufmerksamkeit eines Stürmers bekommt, das ist aber ganz normal. Ich fühle mich sehr wohl und habe als rechter Verteidiger eine gute Entwicklung durchgemacht. Dennoch bin ich mir sicher, dass noch einiges drinnen ist.

Die Grundüberlegung dich überhaupt rechts einzusetzen war ja, dass es im Nationalteam auf dieser Position Handlungsbedarf gibt. Wie groß siehst du deine Chancen, dass du in absehbarer Zukunft auch im A-Nationalteam eine Rolle spielst.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich gedanklich damit bis jetzt noch überhaupt nicht beschäftigt habe. Ich habe mich darauf konzentriert meine Leistung zu bringen. Natürlich habe ich registriert, dass der Teamchef ein paar Mal im Stadion war, momentan steht für mich aber meine Entwicklung im Mittelpunkt. Ich will mehr nach vorne machen, effektiver werden und mehr Pässe und Flanken an den Mann bringen. Das ist derzeit noch mein größtes Manko, das ich so schell wie möglich ausmerzen will. Wenn ich das schaffe und meine Leistung über einen längeren Zeitraum hinweg bringe, kann man sich über das Team aber natürlich einmal Gedanken machen.

Hast du mit Marcel Koller schon persönlichen Kontakt gehabt?

Nein, persönlich habe ich bis jetzt noch nicht mit ihm gesprochen. Ich fühle mich aber auch noch als relativ junger Spieler und konzentriere mich daher auf mich selbst. Sollte es irgendwann eine Einberufung geben, freue ich mich natürlich sehr, jeder will für sein Land auflaufen. Momentan rechne ich mir aber noch keine allzu großen Chancen aus.

Zum Abschluss: In den nächsten drei Wochen warten Sturm Graz (da bist du gesperrt), Ried und Salzburg. Ist es in der momentanen Situation vielleicht sogar einfacher gegen vermeintlich große Gegner zu spielen, als gegen Mattersburg oder Wr. Neustadt?

Sturm Graz muss am Samstag das Spiel machen, um den Anschluss an die Spitze wieder herstellen zu können. Da tut sich dann jede Mannschaft leichter, weil es so zu einem offenen Schlagabtausch kommt. Wenn sich eine Mannschaft hinten reinstellt und die Räume eng macht, dann ist es immer schwieriger. Deswegen gehe ich davon aus, dass uns die kommenden Partien ganz gut liegen werden.

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